Am 28. März 1946 erschien unter Lizenz der US-Militärverwaltung die erste Ausgabe der Heilbronner Stimme. Titel des Blattes im damals noch zerbombten Heilbronn: "Um die Aufrechterhaltung des Weltfriedens". Im ersten Jahr wurde die Zeitung noch in der Scheune eines Gasthauses im heutigen Leingarten (Kreis Heilbronn) gedruckt. Mitte der 90-er Jahre erreichte die Auflage ihren Höhepunkt, seitdem sind die Verkäufe allerdings deutlich zurückgegangen.
Redaktion neu aufgestellt
Neue Strukturen und Abläufe in der Redaktion sollen die Heilbronner Stimme fit machen für die zunehmend digitale Zukunft, heißt es von der Zeitung. Dazu gehört auch ein neues Redaktionsteam, das investigativ recherchieren soll. Auch Abläufe in der Redaktion wurden verändert, um flachere Hierarchien zu schaffen. Ziel ist es, relevante Nachrichten schneller in die Print- und Online-Angebote der Mediengruppe zu bringen, sagt Chefredakteur Uwe Ralf Heer.
Sinkende Einnahmen setzt Zeitung unter Druck
Zuletzt musste das Unternehmen allerdings auch Kosten senken und Personal abbauen. Grund sind gestiegene Preise für Strom und Papier, vor allem aber auch sinkende Einnahmen durch Rückgänge beim Verkauf der Printausgabe und den Erlösen durch Werbeanzeigen. Vom Höchststand Anfang der 90-er Jahre mit einer Auflage von über 100.000 Exemplaren, sank diese auf derzeit etwa 60.000 Stück.
Von 135 Mitarbeitern sei in der Redaktion die Zahl um 20 Kräfte - auch aus dem Archiv oder der Grafik - gesunken, so der Chefredakteur. Das solle aber nicht zu Lasten der Qualität gehen, sagt Heer. Durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz könnten etwa im Archiv Stellen gespart werden. Zudem verzichtet die Zeitung beispielsweise auf das Wochenendmagazin und will sich stärker auf die regionale Berichterstattung konzentrieren.
"Unabhängige Medien nie wichtiger als jetzt"
Keine einfachen Rahmenbedingungen, sagt auch der Chefredakteur. Heer sieht aber auch positive Entwicklungen, wie beim e-paper, der digitalen Version der Printausgabe der Zeitung. Dort würden die Zahlen steigen, vor allem, wenn die Zeitung relevante Themen bringt, die nicht in anderen Medien kostenfrei verfügbar seien, so Heer. "Es ist nie wichtiger als jetzt gewesen, dass es unabhängige Medien gibt", ist der Chefredakteur überzeugt. Künstliche Intelligenz sei Segen und Fluch zugleich, daher brauche es auch im Regionaljournalismus Medien, die prüfen, ob Informationen, Bilder und Videos echt oder Fake-News sind.
Keine rein digitale Ausgabe
Ganz auf die Printausgabe zu verzichten, wie bei einigen anderen Zeitungen, ist bei der Heilbronner Stimme derzeit nicht geplant. Nur noch digital zu erscheinen, um Kosten für den Druck und Personal zu sparen, hält Heer derzeit für keinen gangbaren Weg. Die Abonnenten wollten auch weiter eine Zeitung aus Papier in der Hand halten, glaubt der Chefredakteur. Zudem verfüge die Stimme Mediengruppe über eine der modernsten Druckereien im Land. Dort werden mittlerweile auch Zeitungen anderer Verlage gedruckt, die ihre eigene Druckerei eingespart haben. Ein Nadelöhr sei es dagegen, genügend Austräger zu finden, die die Zeitungen der Gruppe zum heimischen Briefkasten bringen, so Heer.