Tanken wird seit Beginn des Irankriegs zunehmend zum teuren Balanceakt, auch für die Menschen in Heilbronn-Franken und insbesondere für Vielfahrer wie Taxi-Unternehmen oder Landwirte. Viele Autofahrerinnen und Autofahrer stöhnen, wenn sie die hohen Spritpreise an den Anzeigetafeln der Tankstellen sehen und fragen sich: Wo ist der Sprit gerade am günstigsten?
Eine neue Regelung der Bundesregierung könnte bald mehr Übersicht bringen: Tankstellen sollen die Preise nur noch einmal am Tag ändern dürfen. Doch welche Entlastung bringt das wirklich?
Sprit-Plan: Weniger Stress für Tankstellen, kaum Entlastung für Kunden
Grund für die in die Höhe schießenden Preise ist vor allem teures Rohöl. Selbst die Freigabe internationaler Ölreserven hat bisher keine Entspannung gebracht. Ob der Plan der Bundesregierung aufgeht? Raimund Rossi, Tankstellenbetreiber in Offenau (Kreis Heilbronn), sieht die geplante Änderung erstmal pragmatisch: Für ihn würde es deutlich weniger Arbeit bedeuten.
Vor einigen Wochen hatten wir mal eine Strichliste: 48 Mal am Tag sind die Preise hoch- und wieder runtergegangen.
Denn natürlich wolle man immer günstiger sein als die Konkurrenz. Demnach wäre eine Preisänderung pro Tag also deutlich entspannter, so Rossi. Er glaube allerdings nicht, dass dadurch die Preise insgesamt sinken. Bevor die Regelung in Kraft treten kann, muss noch das Kartellrecht angepasst werden.
Hohe Spritpreise belasten Geldbeutel
Bei den Kundinnen und Kunden kommt die Nachricht unterschiedlich an. "Dann muss man immer abwägen, wann man tankt. Und natürlich steht dann jeder an der Tankstelle Schlange, weil alle mitkriegen, wann es günstiger ist", meint ein Autofahrer.
Ein anderer sieht durchaus Vorteile: "Ich geh davon aus, dass es in der Situation das angemessenste ist für unsere Wirtschaft." Dann gebe es einen "konstanteren Preis", meint er - ähnlich wie dieser Mann, der sich mehr Zuverlässigkeit wünscht: "Ich find's gut", sagte er dem SWR.
Autofahrer und Verbraucher in BW reagieren mit "Panik" Preisschock an der Tankstelle: Krieg im Nahen Osten lässt Preise für Sprit und Heizöl in die Höhe schnellen
Der Krieg im Iran lässt die Ölpreise steigen und auch an den Tankstellen in Heilbronn-Franken schnellen die Kosten nach oben. Autofahrer und Heizölkunden sind verunsichert.
Auch Landwirtschaft und Unternehmen betroffen
Die steigenden Dieselpreise treffen die Landwirtschaft besonders hart. Man könne die Kosten nicht einfach an die Verbraucher weitergeben, erklärt Stefan Kerner, Kreisvorsitzender des Bauernverbands Heilbronn-Ludwigsburg. "Wenn wir jetzt aktuell aussäen oder auspflanzen, haben wir die Ernte vier bis sechs Monate später. Bis dahin ist die weltpolitische Lage vielleicht wieder anders."
Besonders kritisch sieht er die CO₂-Abgabe, die den Dieselpreis noch weiter in die Höhe treibt: "Eine Abschaffung würde 17 bis 18 Cent pro Liter sparen" - und das wäre für alle ein Gewinn, so Kerner.
Taxi-Unternehmen: Dreistellige Mehrkosten pro Auto und Monat
Auch Taxiunternehmen leiden unter der Kostenlawine. Auch sie können die Kosten nicht einfach so anpassen - die Tarife in Heilbronn und im Landkreis sind durch Ordnungs- und Landratsamt gesetzlich geregelt. Für Kara Duman, Geschäftsführer von Taxi Unterland, bedeutet das zusätzliche Kosten von rund 200 Euro pro Fahrzeug und Monat. Bei insgesamt 50 Autos eine massive Belastung.
Vorläufig bleibt uns nur, durchzuhalten und zu hoffen, dass die Preise wieder sinken.
Ugur Akseven, Taxiunternehmer in Heilbronn, rechnet sogar mit Mehrkosten von rund 400 Euro. Acht Fahrzeuge betreibt er. "Das tut natürlich sehr weh", sagt er. Denn auch er ist natürlich an die Tarife gebunden.
Jede Anpassung muss von der zuständigen Behörde, in seinem Fall der Stadt Heilbronn, genehmigt werden. "Bis wir eine Tariferhöhung bekommen, kann es bis zu einem halben Jahr dauern", sagt Akseven.