Seit Beginn des Iran-Krieges steigen die Spritpreise in Deutschland immer weiter an. Laut einer SWR Analyse lag der Preis für einen Liter Super-Benzin am Freitagmittag im Mittel bei 2,00 Euro, der Liter Diesel bei 2,05 Euro. Am vergangenen Samstag hatte der Preis für den Liter Super noch bei 1,81 Euro gelegen, Diesel bei 1,73 Euro.
Warum gibt es in anderen Ländern Sprit günstiger als hier?
In den Nachbarländern ist Sprit teils billiger zu haben. Das ist allerdings nicht nur in Krisensituationen so, sondern das ganze Jahr. Das liegt zum Beispiel an unterschiedlich hohen Steuern und Abgaben auf Benzin und Diesel in den EU-Ländern.
In Deutschland etwa werden laut Angaben des Mineralölkonzerns Shell bei Otto-Kraftstoffen 65 Cent pro Liter und bei Dieselkraftstoffen 47 Cent pro Liter an Energiesteuer fällig. Dazu kommt eine CO2-Abgabe, die laut Shell zwischen 15 und 18 Cent pro Litern beträgt.
Auf den Gesamtpreis inklusive Energiesteuer und CO2-Kosten wird dann die Mehrwertsteuer von 19 Prozent erhoben. In anderen Ländern sind diese Abgaben teils deutlich geringer.
Sind die Preise in Deutschland stärker angestiegen als anderswo?
Ein seriöser Vergleich dazu ist schwierig, denn: Ob Daten in den einzelnen EU-Ländern erhoben werden, ist unterschiedlich. Daten aus verschiedenen Ländern sind deshalb nur bedingt vergleichbar. Einen Überblick bieten Daten, die die EU-Kommission veröffentlicht - das passiert allerdings zeitverzögert und nur einmal pro Woche.
Derzeit liegen vergleichbare Tagesdurchschnittspreise für vergangenen Montag vor - an diesem Tag ging die Preis-Spirale allerdings gerade erst los. An diesen, nur bedingt aussagekräftigen, Daten zeigt sich, dass die Preise für den Liter Super und Diesel in Deutschland stärker gestiegen sind als in allen Nachbarländern.
| Land | Super | Diesel |
| Deutschland | 1,89€ (+ 7 Cent) | 1,81€ (+ 8 Cent) |
| Frankreich | 1,75€ (+ 4 Cent) | 1,70€ (+ 6 Cent) |
| Luxemburg | 1,48€ (+ 2 Cent) | 1,47€ (+/- 0 Cent) |
| Niederlande | 2,07€ (+ 1 Cent) | 1,89€ (+ 2 Cent) |
| Österreich | 1,52€ (+ 1 Cent) | 1,56€ (+ 1 Cent) |
| Belgien | 1,54€ (+ 4 Cent) | 1,68€ (+ 5 Cent) |
*Preise Stand 3.3.2026, Veränderung zum 23.2.
Seitdem sind aber auch die Preise außerhalb Deutschlands deutlich gestiegen. Luxemburg etwa legt Maximalpreise für den Sprit fest, die sich an den internationalen Preisnotierungen der Produkte orientieren. Auch die sind zuletzt deutlich gestiegen: Von 1,48 Euro pro Liter Super oder Diesel am vergangenen Montag auf 1,52 Euro pro Liter Super und 1,70 pro Liter Diesel am Donnerstag.
Werden wir in Deutschland abgezockt?
Die Vorwürfe stehen im Raum - sowohl von Autofahrern als auch von der Politik. Ein Forschungsteam der Technischen Universität München hat nach der Energiekrise 2022, die durch den Ukrainekrieg ausgelöst worden war, die Gewinne von knapp 100 Öl- und Gasunternehmen angeschaut und sie mit den Gewinnerwartungen von Analystinnen und Analysten zu Beginn des Jahres verglichen. Das Ergebnis: Die Konzerne haben fast 500 Milliarden Dollar verdient - rund 65 Prozent mehr als erwartet.
Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie, der die Mineralölwirtschaft vertritt, sagt: Die hohen Preise aktuell lägen an der geopolitischen Situation. Die Konzerne müssten an den Tankstellen erstmal Geld verdienen, um an den Rohstoffbörsen Benzin und Diesel nachkaufen zu können.
Wie kann ich günstig tanken?
Der ADAC sagt, Autofahrer sollten die Preisunterschiede im Tagesverlauf beachten und möglichst die besonders teure Phase zwischen 7 und 8 Uhr morgens meiden. Am günstigsten seien Diesel und Benzin normalerweise zwischen 19 Uhr und 20 Uhr. In Deutschland wird der Preis fürs Tanken mehrmals täglich geändert.