Teile der Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) im Hohenlohekreis sollen schließen. Das hat die BBT-Gruppe bestätigt, die unter anderem die MVZ betreibt. Davon betroffen sind schon im Oktober 2026 die Allgemeinmedizinische Praxis im "MediKün" in Künzelsau, ab dem 1. Januar 2027 dann auch die Gastroenterologie und die Gynäkologie in Öhringen (alle Hohenlohekreis).
BBT-Gruppe schließt Teile des MVZ: Woran liegt es?
Auf SWR-Anfrage begründet die BBT-Gruppe die geplante Schließung mit finanziellen Defiziten. Die Praxen seien nicht wirtschaftlich zu betreiben, der Betreibergesellschaft fehle das Geld, um die Defizite auszugleichen, teilte die Gruppe schriftlich mit. Für die Angestellten dürfte es ein schwerer Schlag sein. Dem Statement zufolge will die Betreibergesellschaft für die Angestellten allerdings individuelle Lösungen finden und bietet "Beschäftigungsperspektiven in anderen Einrichtungen und Gesellschaften der BBT-Gruppe an." Erst am 1. Oktober wurde in Öhringen das neue Hohenloher Krankenhaus offiziell eröffnet.
Der Kassensitz soll auch erhalten bleiben, versichert die BBT-Gruppe. Da habe man vorgesorgt. Im Oktober kann demnach ein neuer Vertragsarztsitz ausgeschrieben werden. Aktuell befinde man sich auch schon in Gesprächen mit möglichen Interessenten, heißt es weiter.
Fassungslosigkeit in den Rathäusern: "Riesenproblem"
Deutliche Worte fand Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann (parteilos). Er spricht dem SWR gegenüber davon, der Plan, die medizinische vor-Ort-Versorgung gemeinsam mit der BBT-Gruppe zu stärken, sei gescheitert. Damals dei der Deal gewesen: Wenn das Krankenhaus in Künzelsau schließt, eröffnet die BBT-Gruppe dafür das MVZ "MediKün". Das jetzt Praxen geschlossen werden sollen, ist für Neumann ein "Riesenproblem".
Ähnlich auch die Einschätzung des Öhringer Oberbürgermeisters Patrick Wegener (SPD): Die geplante Schließung der Praxen sei "ein mangelndes Bekenntnis zur Versorgungssicherheit", so Wegener im SWR-Interview. Auch, dass der Kassensitz erhalten bleiben soll, bewertet er als wenig hilfreich. Denn damit sei nicht gesagt, dass diese Ärztin oder dieser Arzt dann auch nach Öhringen oder Künzelsau kommen. So eine Praxis könnte im Umkreis von 50 Kilometern überall hinwandern, betont Wegener.