Im April hatte das Jugendamt vier Kinder aus einer Unterbringung in Weikersheim-Schäftersheim (Main-Tauber-Kreis) genommen. Für den Träger der Einrichtung kam das "überraschend". Die Gründe blieben unklar. Die evangelische Jugendhilfe Würzburg (Bayern) konnte nun als betroffener Träger die Vorwürfe prüfen. Laut Gunter Adams, dem Leiter der Jugendhilfe, enthält der 87-seitige Bericht detaillierte Vorfälle, die er nun mit den Tagesberichten der Wohngruppe verglichen hat. Unter anderem wird darin die Frage aufgeworfen, ob ein Kind über längere Zeit eingeschlossen gewesen sein könnte.
Vier Kinder in neuer Unterbringung: unverhältnismäßig oder notwendig?
Adams widerspricht den Vorwürfen und gibt an, dass das betroffene Kind am besagten Tag laut den Berichten draußen auf der Wiese gespielt habe. Er nennt gegenüber dem SWR eine Vielzahl an Tagen, an denen es laut der Behörde seit 2021 Probleme gegeben haben soll. Die Vorwürfe empfindet er als unverhältnismäßig.
Es gebe keine Anzeige, was auch die Staatsanwaltschaften in Würzburg und Ellwangen (Ostalbkreis) gegenüber dem SWR bestätigen. Er vermutet als Anlass eine anonyme Beschwerde, die im November 2025 beim Jugendamt eingegangen sei.
Jugendamt hält an Maßnahme fest
Das Jugendamt des Main-Tauber-Kreises hatte die vier Kinder aus der Weikersheimer Einrichtung genommen. Sie lebten dort teilweise schon einige Jahre. Sie wurden in andere stationäre Einrichtungen beziehungsweise Jugendhilfeeinrichtungen verlegt. Das Jugendamt habe die Einrichtung wenige Tage zuvor über die Herausnahme der Kinder informiert - ohne Begründung.
Auf Nachfrage hieß es, Erkenntnisse des Landesjugendamtes Baden-Württemberg hätten die Herausnahme der Kinder "unumgänglich gemacht". Und: "Das Kindeswohl steht für uns an erster Stelle." Eine genauere Begründung gibt es auch knapp zwei Monate nach dem Vorfall nicht. Markus Moll, der Sprecher des Landratsamts, betonte, dass die Verantwortlichen die Maßnahme für gerechtfertigt halten.
Wir sind überzeugt, richtig gehandelt zu haben.
Weitere Angaben machte der Behördensprecher nicht. Auch das Landesjugendamt hält sich bedeckt und verweist auf die derzeit laufende Prüfung der Betriebserlaubnis. Wie lange das dauert, dazu wurden keine Angaben gemacht. Für Frauke Adams, Leiterin der Einrichtung, erklärt, ist die Situation eine "große Katastrophe, vor allem für die Kinder".
Fehlverhalten, Unfälle, Beschwerden - vielfältige Gründe möglich
Grundsätzlich seien Träger "erlaubnispflichtiger Einrichtungen" verpflichtet, "Ereignisse oder Entwicklungen, die geeignet sind, das Wohl der Kinder und Jugendlichen zu beeinträchtigen der zuständigen Behörde anzuzeigen". Dafür kann es viele Gründe geben: ein Fehlverhalten von Mitarbeitenden, Straftaten, Unfälle, Beschwerden, katastrophenähnliche Ereignisse oder übergriffiges Verhalten unter Kindern. Die Behörde sei verpflichtet, jeder Meldung nachzugehen.
Gunter Adams hat nun seinerseits "ausführlich" Stellung genommen und seinem Anwalt übergeben. In der Weikersheimer Einrichtung lebten bis April sechs Kinder, die überwiegend vom Main-Tauber-Kreis betreut werden.