Eine Lidl-Filiale komplett ohne Lebensmittel: Der Discounter aus Bad Wimpfen (Kreis Heilbronn) startet eine Non-Food-Offensive. In Lottstetten (Kreis Waldshut) hat er seinen ersten Non-Food-Markt eröffnet. Ein Versuch, verlorene Marktanteile zurück zu erobern, sagt Handelsexperte Carsten Kortum von der DHBW Heilbronn.
Nur noch acht Prozent Umsatzanteil bei Non-Food-Artikeln
Ob Kaffeemaschinen oder Fahrräder: Die Zeiten sind vorbei, als die Kunden für die Schnäppchen vor dem Laden Schlange standen, so Kortum. Seit Corona ist der Umsatzanteil im Non-Food-Bereich der Lebensmittel-Discounter geschrumpft: Von elf auf gerade mal acht Prozent.
Warum das so ist, zeigt eine aktuelle Studie der DHBW Heilbronn: Der wichtigste Grund sei zu wenig Auswahl, so Professor Kortum.
Oft hat man ja nur die Aktionsartikel. Und dann hat man nur eine Bratpfanne oder zwei Sportschuhe in zwei Farben.
Konkurrent aus den Niederlanden räumt ab
Dagegen punktet die Konkurrenz mit Vielfalt. Vor allem die niederländische Kette "Action" positioniert sich immer stärker. Das berichtet das SWR-Verbrauchermagazin Marktcheck in seiner jüngsten Ausgabe: Jeden Tag eröffnet der Non-Food-Discounter in Europa eine neue Filiale. Jede Woche tauscht er 150 Artikel aus.
"Action" mache als einziges Unternehmen in diesem Segment wirklich Plus, sagt Manfred Stockburger von der Lebenmittelzeitung. Er beobachtet den Markt seit Jahren und hat auch als erstes überregional über die Eröffnung des Lidl Non-Food-Markts in Lottstetten berichtet.
Lidl: "Anlaufstelle für lokale Sonderverkäufe" - Non-Food-Offensive als "Testballon"
Auf SWR-Anfrage, welches Ziel sich Lidl mit seinem ersten Non-Food-Markt steckt, hält sich der Discounter bedeckt. Die neue Filiale diene "dauerhaft als Anlaufstelle für lokale Sonderverkäufe", teilte das Unternehmen mit. Den Kunden stehe dort eine große Auswahl zur Verfügung.
Für Manfred Stockburger von der Lebensmittelzeitung ist die Filiale in Lottstetten ein "Testballon". Der Discounter probiere immer wieder neue Möglichkeiten, Marktanteile dazu zu gewinnen oder zurückzuholen. Wenn der Versuch gelingt, wird es bald noch weitere Lidl-Märkte ohne Lebensmittel in Deutschland geben, lautet die Einschätzung von DHBW-Professor Carsten Kortum.
"Das Risiko ist gering"
Und wenn der Versuch nicht gelingt? Kortum hält den möglichen Schaden für überschaubar: Lidl habe weit über 10.000 Märkte in Europa. Bei einer einzigen Non-Food-Filiale sei das Geschäftsrisiko gering.
Discounter Lidl ärgert Gemeinderat Lottstetten
Vor Ort in Lottstetten hatte Lidl mit seinem Projekt übrigens zeitweise für Ärger gesorgt. Im Mai diskutierte der örtliche Gemeinderat kontrovers über das Vorhaben. Der Grund: Schon vor seiner Zustimmung hatte der Discounter den Markt in blauer Farbe angestrichen. Mit gelben und roten Fassadenelementen, also in den Farben des Lidl-Logos. Dabei lassen die Bauvorschriften der Gemeinde in diesem Gebiet nur gedeckte und keine grellen Farben zu.
Nach kontroverser Diskussion einigten sich die Räte mehrheitlich darauf, die blaue Fassade wörtlich "als nicht grell anzusehen", teilte die Kommune auf SWR-Anfrage mit. "Gelbe Vierecke und rote Kreise musste Lidl kurz vor der Eröffnung blau überpinseln", formuliert es Manfred Stockburger.
Neben der Farbgestaltung der Filiale kämpft Lidl noch mit ganz anderem Ärger: Die Verbraucherzentrale Hamburg hatte vor ein paar Wochen Klage wegen irreführender Werbung eingereicht.
Wegen Rabattaktion des Discounters 500 Produkte günstiger? Verbraucherschützer verklagen Lidl - Werbung "irreführend"
Eine Rabattaktion des Discounters Lidl sorgt für juristischen Ärger. Die Verbraucherzentrale Hamburg hat Klage gegen das Unternehmen eingereicht - wegen irreführender Werbung.
Währenddessen arbeitet die Kaufland-Kette, die wie Lidl zur Schwarz Gruppe gehört, noch die Folgen des Hygiene-Skandals auf. Ein TÜV-Siegel soll das Vertrauen von Verbraucherinnen und Verbrauchern zurückgewinnen - die Verbraucherzentrale sieht die Maßnahme kritisch.
Heimwerkermarkt in Ungarn
Ein ähnliches Experiment wie in Lottstetten hat Lidl auch schon in Ungarn gestartet. Vor einem Jahr eröffnete der Discounter in Budapest einen Baumarkt, ausschließlich mit Eigenmarken. Dessen Erfolg beurteilt Handelsprofessor Kortum allerdings als mäßig. Denn bis heute sei keine gleichartige Filiale dazugekommen.