Neue Sneaker, Markenrucksack, das neueste Handy oder teure Turnschuhe - für viele Kinder und Jugendliche heute selbstverständlich. Für andere unerreichbar. Denn ihnen fehlt schon das Geld für ein warmes Mittagessen. Die landesweite Aktion der Caritas "Mach Dich stark" macht jetzt sichtbar, wie Kinderarmut aussieht. Als Botschafter dienen Bäckertüten - ausgegeben in Bäckereien und Lebensmittelläden - auch in Neckarsulm (Kreis Heilbronn). Sie sollen die Menschen im Alltag erreichen.
Bäckertüten als Signal im Alltag: Partner in Neckarsulm machen mit
Auf den Bäckertüten stehen nicht nur Fakten zur Kinderarmut. Es ist auch ein QR-Code zu finden, über den man zur Kampagnen-Website gelangt. In der Region Heilbronn hat das Präventionsnetzwerk Chancenreiches Neckarsulm der Caritas Heilbronn-Hohenlohe Hunderte dieser Tüten verteilt.
Ziel sei es, "laut zu werden" gegen Ungleichheit, sagt Miriam Beyer, Koordinatorin des Präventionsnetzwerks. Dafür habe man wieder starke Partner in Neckarsulm gefunden: Die Mediathek Neckarsulm, das Scala-Kino, die Bäckerei Härdtner und auch der Lebensmittelrettermarkt HerzMahl. Dort werden überschüssige oder aussortierte Waren günstig verkauft. Das Thema gehe uns alle an, erklärt Geschäftsführerin Svenja Zeitz im Gespräch mit dem SWR.
Im HerzMahl-Markt werden die Tüten mit der Ware ausgegeben. Sichtbar für alle Kundinnen und Kunden, bei denen die Aktion durchweg Zustimmung findet. So meint ein Mann: "Es sollte eigentlich kein armes Kind in Deutschland geben." Eine weitere Kundin ergänzt: "Gerade die Kleinsten können am wenigsten dafür." Und deshalb müsse versucht werden, mehr Gleichheit zu schaffen.
Jugendtreff in Neckarsulm: "Viele haben kaum Geld, dafür große Sorgen"
Wie konkret sich Armut auswirken kann, zeigt ein Besuch im Jugendhaus "Treff 23" im Neckarsulmer Stadtteil Amorbach, einem Viertel, in dem laut Leiterin Martina Link "überdurchschnittlich viele Familien an der Armutsgrenze leben." Seit 18 Jahren arbeitet sie dort. Sie weiß, was fehlendes Geld bedeutet: "Viele, die hierherkommen, haben kaum Geld zur Verfügung. Deshalb kostet eine Cola bei uns auch nur 50 Cent. Das kann sich dann wirklich fast jeder leisten."
Den Treff besuchen Kinder und Jugendliche zwischen 8 und 25 Jahren. Es sei ein sicherer Ort, so Link: gemeinsames Spielen und Kochen oder auch Hausaufgaben-Betreuung - die Kids bekommen das, was sie brauchen. Armut bedeute für viele hier aber vor allem weniger Bildungschancen und eine unsichere Zukunft. Manche kämen täglich, weil sie hier Unterstützung und Stabilität finden.
Kinder in Neckarsulm fotografieren Symbole der Armut
Im Rahmen eines Projekts haben Kinder und Jugendliche aus Amorbach gemeinsam mit einem Fotografen ein besonderes Fotoalbum erstellt. Die Bilder zeigen Symbole für Armut - aus ihrer eigenen Sicht.
So sind auf einem Bild zwei Brotdosen zu sehen - das eine Kind hat nur ein kleines Stück Brot, während die andere Box reichlich gefüllt ist. Andere Fotos zeigen eine Kinderhand mit nur 20 Cent darauf, andere machen deutlich, dass sich nur wenige Kinder teure Markenturnschuhe leisten können.
"Mach Dich Stark": Landesweite Aktionswoche bis 23. November
Die Caritas der Diözese Rottenburg-Stuttgart hat das Ziel, bis 2030 den Anteil an Kindern, die von Armut betroffen sind, um ein Drittel zu senken. Die Aktionswoche "Mach Dich Stark" läuft vom 17. bis 23. November 2025 - mit Veranstaltungen, Bildungsangeboten und Mitmachaktionen im ganzen Land.