Wenn Charlotte zur Schule geht, ist ihr Alltag von Improvisation geprägt. Die Achtjährige besucht die Paul-Meyle-Schule in Heilbronn, ein sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum. Charlotte hat geistige und körperliche Einschränkungen. Sie ist eines von rund 130 Kindern, die derzeit am Hauptstandort der Schule unterrichtet werden. Ein Gebäude, das in den 1980er-Jahren für gerade einmal 90 Schüler ausgelegt war.
Es herrscht akuter Raummangel. Lehrerzimmer wurden längst zu Klassenzimmern umfunktioniert. Wenn Charlotte etwa während dem Unterricht einen Anfall hat, gibt es keinen Ort, an den sie sich zurückziehen kann. "Sie hat oft Anfälle. Dann müssen wir hier im Klassenzimmer bleiben und die anderen Kinder schauen zu. Das ist nicht schön", sagt Betreuerin Yasemin Topaloglu.
"Wir brauchen dringend mehr Räume", klagt Rektorin Julia Welz. Seit fünf Jahren leitet sie die Schule. Seit fünf Jahren schreibt sie regelmäßig dieselben Briefe an die Stadtverwaltung mit dem Appell: mehr Platz, bessere Ausstattung, eine Perspektive für die Zukunft.
Förderschule am Limit: Paul-Meyle-Schule muss mit Übergangslösungen leben
Die Stadt setzte bislang auf Übergangslösungen: Räume an anderen Schulen und in verschiedenen Stadtteilen. Die über 250 behinderten Kinder werden auf sieben Standorte in der Stadt Heilbronn verteilt. Häufig sind die Räume nicht barrierefrei und somit ungeeignet für Rollstuhlkinder. Zudem nimmt die Zahl der Beschulten stetig zu, sagt Rektorin Julia Welz.
Im Moment finden wir noch für alle eine Lösung, aber wenn die Zahlen weiter steigen, wie es die Prognosen zeigen, müssen wir vielleicht auf ein rollierendes System umstellen. Das bedeutet, dass Klassen nur noch vier Tage in der Woche beschult werden können.
Permanente Lösung für Paul-Meyle-Schule kommt frühestens 2032
Investitionen in die bestehenden Räume sind nicht geplant, heißt es bei der Stadt Heilbronn. Stattdessen suche man derzeit nach einem oder mehreren Grundstücken, auf denen eine neue Schule entstehen könnte. Im Dezember will das Schulamt dem Gemeinderat erste Vorschläge präsentieren. Erst danach folgt ein Architektenwettbewerb. Bis tatsächlich gebaut wird, dürften noch viele Jahre vergehen.
Bei Schulbaumaßnahmen gibt's in der Regel Architektenwettbewerbe, und erst dann wird's konkret. Wir rechnen so mit sieben Jahren von jetzt an - 2032 wäre für uns eine Zielgröße und bis dahin müssen wir weiter mit Interimslösungen arbeiten.
Mindestens sieben Jahre, in denen weiter improvisiert, verschoben und verzichtet werden muss. Für Charlottes Mutter Susan Scharfenberg ist das eine bittere Aussicht. "Räume für Klangtherapie, für Kinder mit Autismus, wo sie sich mal zurückziehen können - das alles fällt hinten runter." Dabei sind es vor allem solche spezifischen Angebote, die ein förderndes Schulumfeld eigentlich ausmachen.