Zwei neue Heilbronner Quartiere, ein Ziel: weniger Autos, mehr Lebensqualität. Sowohl im Hochgelegen-Quartier als auch im Neckarbogen haben die Planer auf ein autoarmes Konzept mit weniger als einem Stellplatz pro Wohnung gesetzt. Doch im Alltag vieler Bewohnerinnen und Bewohner wird der fehlende Parkraum zum täglichen Ärgernis. Hat man sich verplant?
Ja, findet Yusuf Tasdemir und beschreibt die Parksituation im Hochgelegen-Quartier als "schrecklich". Seit zweieinhalb Jahren lebt die junge Familie Tasdemir zu dritt dort: ein kleines Kind, beide Eltern berufstätig. Zwei Autos gehören zum Alltag.
Parkplatznot als Dauerzustand
Einer der Wagen darf in der Tiefgarage stehen. Für den zweiten beginnt jeden Abend nach der Arbeit die Suche nach einem Parkplatz irgendwo im umliegenden Wohngebiet. "Dann holt mich meine Frau mit dem anderen Auto ab, wenn ich weiter entfernt parke", erzählt Tasdemir.
Besonders kompliziert wird es, wenn Besuch kommt. Dann beginnt jedesmal ein kleines Logistikmanöver: Die Gäste stellen ihre Autos irgendwo in Heilbronn ab. Yusuf oder seine Frau holen sie anschließend ab.
Wir machen inzwischen fast einen Shuttle-Service, wie Uber.
Autoarm geplant, jetzt parkplatzarm gelebt
Das Hochgelegen-Quartier gilt als modernes Vorzeigeprojekt: neue Architektur, viel Grünfläche und vor allem autoarm - mit 0,75 unterirdischen Stellplätzen pro Wohnung. Für Anwohner Belal Kamoun ist das viel zu knapp kalkuliert. "Wir haben schlicht zu wenige Parkplätze", klagt er und hofft, dass nachgesteuert wird.
Zusätzliche Stellplätze oder gar ein Parkhaus seien nicht vorgesehen, erklärt Sara Furtwängler von der Stadtsiedlung Heilbronn, die das Projekt verantwortet. Den Bewohnerinnen und Bewohnern sei von Anfang an klar gewesen, dass das Quartier autoarm und grün sei.
Das Konzept des Quartiers war bereits bei der Besichtigung und auch bei der Entscheidung für die Wohnung bekannt.
Wachsende Parkplatznot auch im Neckarbogenquartier
Wie schon im Hochgelegen mit 0,75 Parkplätzen pro Wohnung, ist auch die Neubausiedlung Neckarbogen mit lediglich 0,8 Parkplätzen pro Wohnung gebaut. Auch dort wächst der Unmut. Der Verkehr sei inzwischen so stark wie im Stadtkern, klagt Maria Pandel, die zur Reha ins Quartier kommt. "Ich habe am Anfang immer gedacht, hier ziehen dann Leute hin, die das Thema autofrei ernst nehmen. Aber so ist es nicht gekommen."
Früher gab es überall Parkplätze, doch die seien nach und nach zurückgebaut worden, moniert Anwohner Niklas Roth. "Es war schon eine Überraschung, weil man anfangs ja überall parken konnte, mittlerweile aber nicht mehr."
Stadt Heilbronn verteidigt autoarmes Wohngebiet
"Wer in den Neckarbogen zieht, weiß, dass es ein autoarmes Quartier ist", entgegnet Suse Bucher-Pinell von der Stadt Heilbronn der Kritik. "Das wurde auch immer so kommuniziert", stellt die Stadtsprecherin klar. Dass öffentliche Stellplätze tatsächlich abgebaut wurden, kann die Stadt nicht sagen. "Oberirdische Flächen werden anders genutzt", erklärt Bucher-Pinell.