Trotz Pflegenotstand

Nachwuchs für die Pflege: Ausbildung in Wertheim beliebt wie nie

Trotz Pflegenotstand boomt in Wertheim die Pflegeausbildung: Doppelt so viele Azubis wie im Vorjahr starten am Johanniter-Bildungszentrum. Ein positives Signal für die Branche.

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Von Autor/in Timo Leiß

Die Pflegeausbildung in Wertheim (Main-Tauber-Kreis) erlebt einen ungewöhnlich starken Zulauf: Immer mehr junge Menschen starten am Bildungszentrum der Johanniter eine Ausbildung. Dabei leidet die Branche doch seit Jahren unter Personalmangel. Mehr soziale Motivation könnte ein Grund sein, aber auch höhere Löhne machen den Pflegeberuf möglicherweise attraktiver.

Höhere Gehälter und mehr Sichtbarkeit: Pflege wieder attraktiv?

Nach Angaben des Bildungszentrums entscheiden sich immer mehr Schulabgänger und Quereinsteiger für den Pflegeberuf. Fast doppelt so viele Azubis wie im Jahr zuvor haben dort 2025 begonnen. Einer der Gründe vor Ort: eine deutlich bessere Bezahlung. Pflegefachkräfte verdienen inzwischen über 4.000 Euro brutto im Schnitt. Für viele Bewerberinnen und Bewerber ist das ein wichtiger Faktor, bestätigt Auszubildender Nick Harteis.

Die Ausbildungsvergütung ist nicht schlecht. Das war auch ein Grund für mich.

Doch nicht nur das Geld spielt eine Rolle. Viele junge Menschen zieht es bewusst in einen Beruf mit sozialer Verantwortung. Darüber hinaus zählt für sie der enge Kontakt zu Menschen. Genau das sei ihre Motivation gewesen, erzählt die 18-jährige Sarah Poleba: "Mir war das wichtig, etwas mit Menschen zu machen, weil ich sehr sozial eingestellt bin." Ihr 19 Jahre alter Mit-Azubi Benjamin Ries ergänzt: "Man bekommt viel von den älteren Menschen zurück."

Eine gut gefüllte Klasse in Wertheim: Die Nachfrage nach einer Ausbildung an der Pflegeschule hoch. Junge Menschen wollen wieder vermehrt in die Pflege.
Die Klassen sind gut gefüllt: In Wertheim ist die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen an der Pflegeschule in Wertheim hoch.

Trotz vieler Azubis: Pflegenotstand nicht vom Tisch

Im Bildungszentrum üben die Auszubildenden alle Handgriffe, die im Arbeitsalltag wichtig sind: vom Blutzucker messen über das Richten von Medikamenten bis zum Anlegen von Verbänden. In der Praxis gehören auch körpernahe Pflegeschritte dazu - für viele zunächst ungewohnt, sagt der angehende Pflegefachmann Bastian Schulz. Er ist im zweiten Lehrjahr und weiß jetzt: "Die Patienten sind so dankbar. Ich wäre genauso dankbar für Hilfe, wenn ich älter wäre."

Trotz des erfreulichen Zulaufs warnt Schulleiter Stefan Dosch, der Trend kann die strukturellen Probleme nicht lösen. Der Pflegenotstand bleibt eine der größten Herausforderungen: "In den nächsten Jahren gehen mehr Menschen in Rente, als nachkommen." Der jetzige Zuwachs helfe zwar, reiche aber langfristig nicht aus.

Pflegeschule in Wertheim boomt
Die jungen Auszubildenden des Bildungszentrums der Johanniter Wertheim arbeiten gerne mit Menschen zusammen - der Job hat Zukunft.

Auch politisch ist das Thema weiter brisant. Baden-Württembergs Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) fordert eine Entlastung bei den Pflegekosten. Der Eigenanteil für Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen beispielsweise liegt derzeit im Schnitt bei 3.400 Euro im ersten Jahr - pro Monat. Lucha betont: "Das können die Betroffenen nicht schultern."

Das ist die Aufgabe von uns, der Solidargemeinschaft - auch teilweise steuerfinanziert, anteilig finanziert.

Pflegeausbildung: Jung, motiviert - und dringend gesucht

Für Auszubildende wie Sarah, Benjamin, Bastian und Nick steht fest: Sie wollen Menschen helfen. Wenn die vier junge Menschen bald ihre Ausbildung abschließen, werden sie dringender gebraucht denn je - in einer Branche, die zwar langsam attraktiver wird, aber weiter auf Nachwuchs hoffen muss.

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Ulrike Schirmer
Ulrike Schirmer
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Timo Leiß

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