Nach fünf Amtszeiten ist für Roland Halter in Jagsthausen (Kreis Heilbronn) entgültig Schluss. Jonas Egner heißt der neue Bürgermeister. Daran werden sich die Jagsthausener und auch der 67-Jährige erstmal gewöhnen müssen. Schließlich war Halter rund 40 Jahre Chef im Rathaus, bis er sich entschied, nicht mehr anzutreten. Ursprünglich mit 28 Jahren mal als jüngster Bürgermeister Baden-Württembergs gestartet, blickt er heute mit einer Mischung aus Wehmut und Vorfreude auf den Ruhestand. Der jüngeren Generation wünscht er unter anderem, dass Bürokratieabbau nicht nur eine Worthülse bleibt.
Schwimmer auf dem Weg zur Olympiade
Kämpfen und sich durchbeißen, das hat Halter vor allem beim Schwimmen gelernt. "Im Leistungssport ist der Zweite der Verlierer", sagt er. Es sei wichtig, standhaft zu bleiben und Herausforderungen nicht zu scheuen. Als junger Erwachsener trainierte er mit der Nationalmannschaft in Wuppertal am Olympiastützpunkt, nahm an den Deutschen Meisterschaften teil. Der Traum von Olympia platze allerdings mit dem Boykott der westlichen Staaten der Olympiade 1980 in Moskau. Zudem stellte ihn sein Arbeitgeber, die Stadt Heilbronn, vor die Wahl: Ausbildung im gehobenen Dienst oder Schwimmen. Eine Entscheidung, die er heute stärker hinterfragen würde, sagt er.
Jagsttalbahn: "Bürgerentscheid hat mich hart getroffen"
Als er 1986 in Jagsthausen nach der ersten Wahl sein Amt antritt, ist das Reaktor-Unglück in Tschernobyl (Ukraine) erst wenige Tage her. "Die haben hier Butter verteilt, die Folgen für die Jagst und so weiter, ich erinnere mich noch relativ gut, das war ein harter Beginn."
Ein Thema begleitet ihn sein ganzes Berufsleben lang: die Jagsttalbahn. Die wird 1988 außer Dienst gestellt, viele Jahre kämpft er für eine Reaktivierung. 2011 ergibt sich eine gute Chance, doch im Nachbarort Widdern (Kreis Heilbronn) fällt ein Bürgerentscheid dagegen aus. Eine Niederlage, an der Halter lange zu knapsen hat. "Das hat mich tatsächlich tief stürzen lassen." Aber es gibt auch jede Menge Erfolge, wie den Dorfladen oder die zahlreich vorhandenen erneuerbaren Energien.
Was wünscht er jungen Amtsträgern?
Jungen Amtsträgern wünscht er ein starkes Rückgrat. Denn die Konfrontation mit Bürgerinnen und Bürgern sei mittlerweile teilweise schwierig. "Ich werde das Rathaus und meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vermissen, nicht aber, dass es Menschen gibt, die andere bedrohen und beleidigen", sagt er. Und dass die Justiz hier untätig bleibe.
Der jungen Generation wünscht er, dass der Bund Dinge, die er beschließt, auch bezahlt und nicht auf die Kommunen abwälzt. Auch, dass der angekündigte Bürokratie-Abbau endlich in Gang kommt.
Die Verhältnismäßigkeit und der Blick für das Wesentliche sind verloren gegangen.
Er wünscht sich mehr Vertrauen in die Amtsträger vor Ort als zahllose Gutachten vorzuschreiben.
Zwischen Wehmut und Vorfreude
Geboren ist Roland Halter in Neckarsulm (Kreis Heilbronn), da legt er wert drauf. Doch zu Hause ist er in Jagsthausen. Weggehen kam vor allem für die Familie nie in Frage. "Ich hatte interessante Angebote, aber meine beiden Töchter haben gesagt, dann musst du allein gehen." Er ist vor kurzem zum vierten Mal Opa geworden. Außerdem ist er seit 1993 Geschäftsführer der Burgfestspiele Jagsthausen. "Ein phänomenaler Ausgleich zum Alltag". Tochter Ann-Kathrin ist für das Marketing zuständig. Den Festspielen wird Halter auch als Ex-Bürgermeister treu bleiben.
Er habe Respekt vor dem Tag, an dem er seinen Schlüssel auf den Tisch lege und gehe. Für seinen Ruhestand hat er sich vorgenommen, viel Zeit mit den Enkeln zu verbringen. Außerdem fährt er gerne Motorrad und ist leidenschaftlicher Taucher. Auf der philippinischen Insel Cabilao engagiert er sich seit Jahren auch sozial. Seine Amtszeit in Jagsthausen endet am 30. April. Er hofft, dass er an Weihnachten die erste Phase "ohne" gut überstanden hat.