Ungeziefer auf dem Vormarsch

Zwischen Wespennestern und Rattenplagen: Schädlingsbekämpfer in der Hochsaison

Egal ob Ratten, Kakerlaken oder Wanzen - hat man die Tierchen einmal im Haus, ist es schwer sie wieder loszuwerden. Auch der feuchte Sommer hat den Schädlingen gut gefallen.

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Von Autor/in Annina Kingebiel

Der Sommer ist die Hochzeit für Schädlinge aller Art. Vor allem bei dem warmen, feuchten Wetter aktuell, freuen sich Ameisen, Schaben, Ratten und Co. Schädlingsbekämpfer berichten von konstant hohen Einsatzzahlen.

SWR-Reporterin Annina Klingebiel hat Schädlingsbekämpfer Johann Ekov aus Heilbronn einen Vormittag lang begleitet:

Johann Ekov ist seit rund 15 Jahren Schädlingsbekämpfer in der Region Heilbronn-Franken. Mit seinem Unternehmen "Effective Concept" ist er Mitglied im eingetragenen Verein "Deutscher Schädlingsbekämpfer Verband". Sein Motto ist: Befall kann jeden treffen. Er selbst habe schon Kakerlaken- und Rattenbekämpfungen in den besten Häusern durchgeführt. Von Hygiene und Ordnung ließen sich die meisten Schädlinge nicht beeindrucken.

Schädlingsbekämpfer: Sommerzeit ist Wespenzeit

Ekov und seine Mitarbeiter beseitigen in einer typischen Sommerwoche mindestens zehn Wespennester. Das sei in diesem Sommer nicht anders. Allerdings habe er in den letzten Jahren schon bemerkt, dass die milderen Winter im Sommer zu mehr Wespen führen. Bei klirrend kalten Temperaturen sterben nämlich mehr Königinnen - folglich gibt es im Sommer auch weniger Wespenvölker.

Ein Schädingsbekämpfer besprüht ein Wespennest.
Profisache: Will man ein Wespennest loswerden, sollte man auf jeden Fall einen Schädlingsbekämpfer rufen. Die haben nicht nur stärkere Chemikalien, sondern auch die nötige Schutzausrüstung.

Wespennester sind übrigens immer ein Fall für den Schädlingsbekämpfer. Die Tiere stehen unter Artenschutz und dürfen deshalb laut Bundesnaturschutzgesetz nicht einfach so entfernt werden. In Baden-Württemberg können dafür Bußgelder von bis zu 50.000 Euro fällig werden. Der Fachmann darf ein Nest entfernen - wenn eine direkte Gefahr für den Menschen besteht. Ansonsten muss eine Genehmigung von der zuständigen Naturschutzbehörde eingeholt werden.

Rattenplage in Heilbronn-Franken - Probleme bei Prävention

Obwohl die Nagetiere keinen Winterschlaf halten, sind ihnen warme Temperaturen lieber. Deswegen steigt die Rattenpopulation im Sommer auch an. Auch Faktoren wie der Klimawandel und die sinkende Zahl der Grünflächen in Städten sorgen für mehr Ratten auf den Straßen.

Eine Hochsicherheitsbox mit Rattengift
Die Hochsicherheitsboxen mit den giftigen Rattenködern werden hauptsächlich an Orten aufgestellt, an denen sonst Kinder oder andere Tiere an das Gift gelangen könnten.

Seit dem Jahr 2020 sprechen Schädlingsbekämpfer deutschlandweit von einem stärkeren Rattenaufkommen. Werner Steinheuser, Vorsitzender des Schädlingsbekämpfervereins West, sieht hier ein Problem bei der Prävention. Wegen vieler neuer Restriktionen sei es zum Beispiel nicht mehr möglich, das Kanalsystem effektiv zu beködern.

Früher war alles besser? Schädlingsbekämpfer haben mit Restriktionen zu kämpfen

"Da werden uns Schädlingsbekämpfern die Hände gebunden", meint Steinhäuser. Vor den Restriktionen konnte man noch Giftköder in die Kanalisation hängen, damit die Ratten gar nicht erst auf die Straßen gelangen. Mittlerweile dürfe man nur noch mit Ködern in sogenannten "Hochsicherheitsboxen" arbeiten. Die seien laut Steinhäuser aber in der Kanalisation nicht annähernd so effektiv.

Dabei können Rattenplagen vom Profi eigentlich recht schnell unter Kontrolle gebracht werden. Bei den stark dosierten Giftködern sterben die Tiere spätestens zwei Tage, nachdem sie daran genagt haben. Ekov betont, dass hier der Griff zu Schlagfallen und Rattengift aus dem Baumarkt keine Lösung ist. Das frei verkäufliche Gift sei zu niedrig dosiert, sodass Resistenzen bei den Tieren entstehen können.

"Wenn der Schädlingsbekämpfer vor dem Restaurant steht, ist das kein schlechtes Zeichen"

Auch Kakerlaken sind nicht nur im aktuell feuchten Sommer ein Problem. Der Fachmann unterscheidet in der Region Heilbronn-Franken unter drei Schabenarten: Der Deutschen, der Orientalischen sowie der Wald- und Wiesen-Schabe. Letztere gilt in Deutschland auch nicht als Schädling, wird aber oft mit der Deutschen Schabe verwechselt. Diese gilt wiederum als Schädling und liebt feuchte, dunkle Orte. In diesen Sommer fühlt sie sich also besonders wohl.

Johann Ekov hat in seinem Arbeitsalltag oft mit Restaurants zu tun, die Probleme mit den Krabbeltieren haben. Auch hier hätten Schädlingsbefälle nichts mit der Hygiene zu tun: Die Schaben würden oft über Warenlieferungen in den Laden eingeschleppt, so Ekov.

Aus diesem Grund entscheiden sich viele Unternehmen mittlerweile auch für eine Schädlingsprävention. Das bedeutet dann regelmäßige Besuche von einem Schädlingsbekämpfer, der das Unternehmen auf einen Befall prüft. "Wenn der Schädlingsbekämpfer vor dem Restaurant steht, ist das kein schlechtes Zeichen", meint Ekov. Denn so kann dann im Ernstfall schnell reagiert werden. Denn wenn man die Schaben selbst sieht, liegt meistens schon ein größerer Befall vor.

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