Eigentlich sollte für sie gerade Hochkonjunktur herrschen, doch für kleine Läden in ländlicheren Regionen werden sie zunehmend zum Minusgeschäft: die Schoko-Hasen zu Ostern. Die Einkaufspreise sind gestiegen und dass sich das nicht mehr jeder leisten kann oder will, bekommen die Betreiberinnen und Betreiber der Dorfläden besonders zu spüren. "Die Nachfrage geht zurück und gleichzeitig schrumpft auch der Gewinn", erzählt die Marktleiterin des Dorfladens in Langenbrettach-Langenbeutingen (Kreis Heilbronn).
Die Preisgestaltung ist knifflig: Die kleinen Läden sind auf ihre Lieferanten angewiesen und können ihre Preise nicht frei anpassen, der Spielraum ist gering. Mit den großen Discountern könne man ohnehin nicht mithalten.
Wir können nicht so wie Kaufland unsere Hasen für ein paar Euro rausschmeißen.
Für einige Kunden gilt bereits: "Schokolade ist absolutes Luxusprodukt"
Auch die Kundinnen und Kunden spüren die hohen Preise. "Da kommt dann schon mal ein: 'Boah, ist das teuer' an der Kasse", erzählt Annette Hammel vom Dorfladen in Schwäbisch Hall-Gottwollshausen. Gerade im ländlichen Raum würden viele Menschen auf das Geld achten. Schokolade gilt inzwischen als "absolutes Luxusprodukt", sagt Hammel.
Im Dorfladen in Langenbeutingen wird mittlerweile etwas vorsichtiger bestellt. Lieber weniger Hasen - selbst wenn die Kundinnen und Kunden dann woanders einkaufen, sagt die Marktleiterin. Denn die Schokolade ist teuer. Darauf sitzen zu bleiben, würde sich der Laden nicht leisten können.
Versorgung vor Ort: Vor allem für ältere Menschen wichtig
Warum also überhaupt noch Schoko-Hasen anbieten? Für viele Dorfläden geht es nicht nur ums Geschäft. Es zählen auch die Menschen und die Gemeinschaft vor Ort, sagt Anja Agovic von ORTkauf. Die Kette hat mehrere Filialen in ländlicheren Gegenden der Region, zum Beispiel in Schwäbisch Hall-Gailenkirchen oder am Breitenauer See bei Obersulm (Kreis Heilbronn). Die Läden funktionieren ohne Personal, nur mit Selbstbedienungskassen und haben 24/7 geöffnet. Das Ziel: die öffentliche Nahversorgung im ländlichen Raum aufrecht zu erhalten und den Zusammenhalt zu stärken.
Deswegen gibt es die Schoko-Hasen aktuell noch im Sortiment. Gerade ältere Leute seien auf fußläufige Einkaufsmöglichkeiten angewiesen. Auch sie sollen die Möglichkeit bekommen, einen Schoko-Hasen für das Osternest oder die Enkelkinder zu kaufen, so Anja Agovic.
Doch wie lange sie dieses Angebot aufrechterhalten können, ist unklar. Wenn sich die Lage nicht verbessert, könnten die Schoko-Hasen schon nächstes Jahr aus dem Sortiment fliegen.