In Kirchberg an der Jagst (Kreis Schwäbisch Hall) hat ein REWE-Supermarkt vor mehr als eineinhalb Jahren eine sogenannte "Stille Stunde" für hochsensible Menschen eingeführt. Dabei werden jeden Dienstagabend ab 19:30 Uhr für zwei Stunden automatisch das Licht gedimmt und die Musik und Bildschirme ausgeschaltet, um für weniger Reizüberflutung zu sorgen. Zudem verzichten alle Mitarbeitenden auf unnötige Aufräumarbeiten. Die freuen sich über positive Resonanz der Kundinnen und Kunden und wollen die Aktion fortführen.
"Stille Stunde" im Supermarkt: "Warum ist es so dunkel hier?"
Die Marktleitung zieht eine positive Bilanz: Es gebe einige Kundinnen und Kunden, die das Angebot nutzen würden und es kämen zur "Stillen Stunde" durchaus andere Leute als zu den sonstigen Zeiten, sagt Alena Worster, stellvertretende Marktleiterin.
Mehrere Kunden hätten ihr bereits berichtet, dass sie die Aktion toll finden. Allerdings wundere sich auch manch ein Kunde, wenn es plötzlich dunkel wird und die Musik ausgeht, berichtet die Marktleiterin. Der Supermarkt will die "Stille Stunde" weiterführen.
Idee stammt von Autistin aus dem Kreis Heilbronn - Aktion hat bisher kaum Nachahmer
Die Idee stammt von einer jungen Frau mit Autismus aus dem Kreis Heilbronn, die alle Reize ungefiltert wahrnimmt, ohne Unwichtiges von Wichtigem trennen und ausblenden zu können. Kurz vor Weihnachten 2023 warb die damals 22-Jährige bei mehreren Supermärkten für eine "Stille Stunde" - während die meisten ablehnten, sagte die REWE-Marktleitung in Kirchberg an der Jagst zu.
Weitere Supermärkte, die ebenfalls eine "Stille Stunde" haben, sind der Marktleitung in Kirchberg nicht bekannt. Auch auf einer Übersichtsseite der Aktion "Stille Stunde" findet man keinen weiteren Markt in Heilbronn-Franken, außer den CAP-Markt in Abstatt (Kreis Heilbronn). Die Aktion bleibt also eine Seltenheit.