Bei jedem Wetter in den Neckar

Ohne Sicht, aber mit starken Nerven: Die Tauchausbildung bei der Heilbronner Feuerwehr

Zurzeit läuft die Tauchausbildung der Feuerwehr-Azubis in Heilbronn. Philipp Bauer erklärt, was er tut, wenn er unter Wasser nichts mehr sieht und der Druck im Blut steigt.

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Wenn der Ernstfall kommt, müssen die Feuerwehrleute der Heilbronner Berufsfeuerwehr nicht nur löschen, sondern auch tauchen können. Genau darauf bereitet sich Philipp Bauer gerade vor. In seiner Ausbildung finden elf Wochen Tauchtraining statt. Die ersten Tauchgänge waren noch im Freibad, doch jetzt in der fünften Woche taucht er mit den anderen Azubis im Breitenauer See. In zehn Meter Tiefe herrschen Temperaturen von elf bis zwölf Grad Celsius. Bei dem heißen Wetter "ist das jetzt natürlich schon ganz angenehm."

Feuerwehrazubi Philipp Bauer nimmt einen Taucheranzug aus dem Schrank in einem Feuerwehrfahrzeug.
Feuerwehrazubi Philipp Bauer nimmt einen Taucheranzug aus dem Schrank in einem Feuerwehrfahrzeug.

Wenn ein Auto in den Neckar fährt, sind die Feuerwehrleute bereit

Ein mögliches Szenario: Ein Auto fährt in den Neckar und Menschen und Fahrzeug müssen geborgen werden. Um dann schnell vor Ort loslegen zu können, werden die Taucheranzüge im Fahrzeug angezogen. Die große Schwierigkeit: Unter Wasser kann man kaum etwas sehen. Entweder, weil es so viel Schlamm gibt oder weil ab gewisser Tiefe kein Licht mehr durchdringt, erklärt Philipp Bauer: "Ab zwei Meter wird es dann auch relativ dunkel."

Das heißt bei einer Suche gilt die volle Konzentration dem Tastsinn. Bauer tastet sich dann in halben oder ganzen Kreisen voran.

Am Anfang ist es ein komisches Gefühl, aber man gewöhnt sich daran. Wenn man nichts mehr sieht, macht man dann auch irgendwann die Augen zu und fokussiert sich komplett auf den Tastsinn und auf den Bewegungsradius der Arme.

Mit den Feuerwehrleuten über Wasser kommuniziert er über eine Leine. Einmal stark ziehen heißt "Notfall" - holt mich hier raus. Zwei mal heißt links, dreimal heißt rechts.

Kälte, Strömung, Druck und Bakterien machen das Tauchen gefährlich

Die Arbeit als Taucher ist anspruchsvoll und kann gefährlich sein. Um sich darauf vorzubereiten, war Bauer vor kurzem auch in der Druckkammer, erzählt er. Pro zehn Meter steigendem Wasserdruck fühle sich das an wie ein Glas Wein, wenn der Druck auf die einzelnen Gase im Blut steigt. "Das merkt man schon: Alles ein bisschen schwummrig!" Auf einfache Fragen hätte er kurz intensiv überlegen müssen, um antworten zu können.

Auch Bakterien, die im Wasser vorkommen, belasten das Trommelfell. Damit die Azubis die elf Wochen Tauchausbildung gesund überstehen, gibt es ein Sprühöl für die Ohren und eine Mütze nach dem Tauchgang. Die Strömung sei im Neckar zum Glück nicht ganz so extrem. Eine Rettung im Winter bei eiskaltem Wasser oder nachts bei völliger Dunkelheit sieht Bauer als besondere Herausforderung.

Feuerwehrleute tauchen im Wasser nach der "Nadel im Heuhaufen"

Das Tauchenlernen ist eine Standardausbildung bei der Berufsfeuerwehr in Heilbronn. Täglich gehen die Taucher gut eine Stunde ins Wasser, nach elf Wochen steht dann die Prüfung an. Bis dahin sollen die Auszubildenden unter Wasser Schrauben und Knoten lösen können und einen Schraubenschlüssel im Neckar finden. "Also die Nadel im Heuhaufen", schmunzelt Philipp Bauer.

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SWR

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