Die VW-Aufsichtsratssitzung wirft ihre Schatten voraus: Bereits am Mittwoch ist sie das große Thema am Audi-Hauptsitz in Ingolstadt (Bayern). Denn auch dort kam der dortige Aufsichtsrat zusammen. Der Termin war ganz regulär geplant, der Inhalt ist es wohl weniger.
Audi bereitet sich auf VW-Aufsichtsratssitzung vor
Das Thema der Sitzung ist laut SWR-Informationen: Die Vorbereitung auf wiederum das große Treffen in Wolfsburg einen Tag später am Donnerstag. Was dort beschlossen oder zumindest diskutiert wird, könnte weitreichende Folgen haben - für VW und auch für Audi.
Denn an diesem Donnerstag will VW-Chef Oliver Blume seine Sparpläne präsentieren - zumindest ist es das, was alle erwarten. VW selbst hält sich auf Nachfrage zu den Inhalten der Sitzung bedeckt. Doch genug Informationen sind in den vergangenen Wochen durchgesickert. Vom Abbau von bis zu 100.000 Arbeitsplätzen ist die Rede. Vier Werke stehen zur Debatte, darunter das Audi-Werk in Neckarsulm (Kreis Heilbronn).
Gewerkschaft und Betriebsrat planen Proteste in Neckarsulm
Wie man sich bei Audi auf den Donnerstag vorbereitet, das bleibt hinter verschlossenen Türen. Doch umso sichtbarer werden die Aktionen vor den Werkstoren: An allen Standorten sind für Donnerstag Protestveranstaltungen des Betriebsrats und der Gewerkschaft IG Metall angekündigt. Es wird kein Warnstreik, heißt es von der IG Metall Heilbronn-Neckarsulm. Denn laut dem aktuellen Tarifvertrag befindet man sich momentan in der Friedenspflicht.
Trotzdem dürfte der Aufschrei am Werkstor 6 in Neckarsulm groß werden. Neckarsulm ohne Audi? Als Ende Juni die Sparpläne durchdrangen, konnte sich das dort in der Innenstadt keiner vorstellen. Viele Menschen dort sind selbst oder mittelbar betroffen, beispielsweise durch Freunde oder Verwandte, die bei Audi arbeiten. Denn das sind in dem Werk immerhin rund 15.500 Männer und Frauen.
Ich kann mir Neckarsulm ohne Audi gar nicht vorstellen.
Für einige sind die Sparpläne auch nicht nachvollziehbar. "Was in den letzten Jahren alles dort investiert wurde - und jetzt ist es auf einmal wieder so rum", sagt eine Frau, die an diesem Tag mit ihrem Mann in Neckarsulm unterwegs ist. Beide haben Audianer als Nachbarn.
Audi am Abgrund? Nicht das erste Mal
So mancher fühlt sich bei den Schlagzeilen gar in der Zeit zurückversetzt. Erst vergangenes Jahr feierte die Belegschaft 50 Jahre "Marsch auf Heilbronn". Auch damals stand das Werk auf der Kippe. Die Rettung kam in Form des Porsche 924, der sorgte für Auslastung. Genau die fehlt aber aktuell. Ankündigungen über neue, großvolumige Modelle? Trotz viel Lob der Konzernleitung über den Anlauf des A5 und A6: Fehlanzeige!
Ein Zeitzeuge von 1975 erinnert sich 50 Jahre "Marsch auf Heilbronn": Wie das Audi-Werk gerettet wurde
Zum Jubiläum des "Marschs auf Heilbronn" erinnert sich der ehemalige Gewerkschaftssekretär Klaus Zwickel an die Aktion von 1975. Damals wurde das Neckarsulmer Audi-Werk gerettet.
Wann es ein Ergebnis gibt, ist unklar
Was ist am Donnerstag zu erwarten? Ab 14:30 Uhr soll die Sitzung in Wolfsburg losgehen. Wie lange sie dauert? Unbekannt. Wann erste Ergebnisse nach außen dringen? Auch das mag noch keiner so recht sagen.
Sicher ist: Auch wenn am Donnerstag harte Einschnitte verkündet werden, es wird noch etwas Zeit vergehen. In den durchgesickerten Plänen ist die Rede, dass die Reformen Anfang der 2030er Jahre beginnen könnten. In diesem Zeitraum laufen auch die aktuellen Verbrennermodelle in Neckarsulm aus.