Beim Autobauer Audi verdichten sich die Hinweise auf eine mögliche neue Sparrunde im Konzern. Auslöser ist ein Bericht des "Handelsblatts" über interne Diskussionen im Volkswagen-Konzern über eine weitere Reduzierung von Kapazitäten in Deutschland - bis hin zu möglichen Werksschließungen. Im Zentrum der Spekulationen: das Audi-Werk in Neckarsulm (Kreis Heilbronn). Nun hat sich auch das Unternehmen zu Wort gemeldet.
Gerüchte um Standort Neckarsulm - Audi betont Kostendruck
Laut dem Bericht steht das Werk in Neckarsulm im Zuge der Konzernstrategie zur Debatte. Innerhalb des Volkswagen-Konzerns wird demnach verstärkt darüber gesprochen, Produktionskapazitäten in Deutschland zu senken. Auch Audi selbst könnte von weiteren Einschnitten betroffen sein, obwohl das Werk in Baden-Württemberg als gut ausgelastet gilt.
Beschlüsse gebe es bislang aber nicht. Auf Anfrage verweist Audi auf die schwierigen Rahmenbedingungen: "Globale Ereignisse wie US‑Handelszölle und der harte Wettbewerb in China belasten unser Geschäft zunehmend", heißt es in einer Stellungnahme an den SWR. Deshalb müsse das Unternehmen seine Kosten in Deutschland weiter im Blick behalten.
Gutes viertes Quartal, trotzdem teilweise Minus Zwischen Hoffnung und Bangen: Audi Neckarsulm in turbulenten Zeiten
Hinter Audi liegt ein gutes viertes Quartal. Beim Gewinn aus der Produktion steht dennoch ein Minus. Ähnlich dem Jahresergebnis sind auch die Meinungen in Neckarsulm gemischt.
Keine Entscheidung zu weiteren Kapazitätskürzungen
Gleichzeitig stellt der Konzern klar: "Aktuell gibt es jedoch keine Entscheidung zu weiteren Kapazitätsanpassungen an deutschen Audi‑Standorten." Aber wenn es noch keine Entscheidung gibt, gibt es vielleicht Überlegungen? Das bleibt bislang offen. Dennoch betont Audi, das bereits bestehende Vereinbarungen gültig bleiben: Dazu gehört der geplante Stellenabbau von bis zu 7.500 Jobs in Deutschland bis 2030 sowie eine Beschäftigungssicherung bis 2033.
Auch der Betriebsrat hält an der bereits im Frühjahr 2025 getroffenen Vereinbarung fest, an den deutschen Audi-Standorten Ingolstadt und Neckarsulm maximal 7.500 Arbeitsplätze sozialverträglich abzubauen. Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Jörg Schlagbauer betonte, dass es an der bereits vor einem Jahr vereinbarten Auslastung der deutschen Standorte "nichts zu rütteln" gebe.
Wir haben klare und verbindliche Zusagen zur langfristigen Entwicklung und Transformation der Standorte Ingolstadt und Neckarsulm.
Nun sei der Vorstand gefordert, "seinen Verpflichtungen, wie Investitionen in die deutschen Standorte, Auslastung der Fertigung und steigender Verkaufszahlen in den Märkten, nachzukommen." Gleichzeitig seien Spekulationen über zusätzliche Einsparungen oder Werksschließungen überflüssig.
Turbulente Zeiten für Audi
Der Blick auf die Zahlen zeigt dabei ein gemischtes Bild: Zwar konnte Audi im vergangenen Jahr den Umsatz leicht steigern und den Gewinn erhöhen, allerdings vor allem durch Sondereffekte aus dem Volkswagen-Konzern. Das operative Ergebnis ging zurück - ein Zeichen für den anhaltenden Kostendruck.
Das Werk in Neckarsulm gilt innerhalb von Audi weiterhin als wichtiger Produktionsstandort. Dort werden Fahrzeuge in hoher Stückzahl gefertigt, zuletzt sogar mehr als im Jahr zuvor: 2025 wurden demnach in Neckarsulm fast 50.000 Autos mehr gebaut als 2024.