Von der "Work-Life-Balance zur Life-Balance"

Mehr Arbeit, mehr Fleiß? Unternehmer Würth kritisiert Arbeitsmoral

Mehr Fleiß in unsicheren Zeiten - der Künzelsauer Unternehmer Reinhold Würth fordert, dass die Menschen sich hierzulande wieder mehr auf die Arbeit konzentrieren.

Teilen

Stand

Reinhold Würth geht es um die Diskussion, die unlängst durch die Medien ging: dass Feiertage, die auf ein Wochenende fallen, nachgeholt werden sollen. Diese Forderung stellten Gewerkschaften und Teile von Grünen und Linkspartei im vergangenen Jahr auf. Würth reagierte in einem Interview in der "Augsburger Allgemeinen".

Wörtlich sagte der Hohenloher Unternehmer dem Blatt:

Wer so etwas fordert, muss der Meinung sein, das Geld falle wie Schneeflocken vom Himmel.

Deutsche sollten wieder "mehr schaffen"

Die Deutschen müssten wieder mehr arbeiten, sie müssten fleißiger werden, so Würth. Mit seinen 90 Jahren gehe er immer noch ins Büro, bearbeite am späten Abend Post.

In anderen Ländern werde bei deutlich niedrigeren Stundenlöhnen gearbeitet, sagte der Mann aus Künzelsau (Hohenlohekreis). Zudem seien heimische Beschäftigte auch häufiger krank. "Wir sind jetzt in Deutschland an der Kante vom Sein zum Vergehen angekommen", sagte Würth in dem Interview. Diese Phase sei vom "Niedergang" nicht weit entfernt.

Geteilte Meinung zu Aussagen von Reinhold Würth

In der Heilbronner Innenstadt sind sich gerade die jungen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer einig. Julia Grich aus Flein (Kreis Heilbronn) sagt zum Beispiel, das Rentenalter rutsche auch weiter nach hinten, manche arbeiten seit sie 16 Jahre alt sind und man wisse gar nicht, ob man mit 67 wirklich in Rente gehen kann. Sie befürwortet daher, Feiertage nachzuholen, "wir sind nicht verwöhnt, sondern wir wünschen uns eben auch, dass wir Zeit außerhalb der Arbeit verbringen können".

Sabine Krotz aus Heilbronn wiederum stimmt zwar zu, die Deutschen seien gar nicht so verwöhnt, wie Würth das behaupte. Feiertage, die auf das Wochenende fallen aber nachzuholen, hält sie für unnötig.

Kritik an telefonischer Krankschreibung und Krankenstand

Damit schlägt der Milliardär in die Kerbe von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und seiner Partei. Dieser hatte unlängst in Bad Rappenau (Kreis Heilbronn) den zu hohen Krankenstand in Deutschland kritisiert und die telefonische Krankschreibung in Frage gestellt. Weiter beanstandet die CDU den hohen Anteil an Teilzeitarbeit.

Von verwöhnt sein und zu viel Freizeit

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Reinhold Würth an der Arbeitsmoral der Deutschen stört. Beim Festakt zu seinem 90. Geburtstag kritisierte er die Haltung der Generation Z, die auf viel Freizeit und wenig Einsatz setze. Jüngere Beschäftigte, die von der Generation der Babyboomer großgezogen wurden, seien von ihren Eltern "wahnsinnig verwöhnt" worden, so der Unternehmer.

Die Work-Life-Balance wurde immer mehr in Richtung Life-Balance verschoben.

Künzelsau

Streit um alten Arbeitsplatz geht weiter Würth verliert vor dem Landesarbeitsgericht - Kündigung wegen Unterschriftenaktion unwirksam

Der Handelskonzern Würth hat auch vor dem LAG Stuttgart verloren: Die Kündigung eines Mitarbeiters ist unwirksam. Doch der Streit um seinen Arbeitsplatz geht weiter.

Künzelsau

Polizei warnt vor Betrugsmasche Deepfake auf Facebook: Reinhold Würth als Lockvogel für betrügerisches Investment

Betrüger haben ein Deepfake-Video von Reinhold Würth auf Facebook genutzt, um User zu dubiosen Investments zu locken. Würth-Gruppe und Polizei warnen eindringlich vor der Masche.

Künzelsau

Beim Festakt zum 90. Geburtstag "Von den Eltern verwöhnt und behütet": Reinhold Würth ruft junge Menschen zum Arbeiten auf

Der Künzelsauer Unternehmer Reinhold Würth hat anlässlich seines 90. Geburtstags klare Worte für die Generation Z gefunden. Er appellierte beim Festakt an die Pflicht zum Anpacken.

SWR4 BW am Morgen SWR4 Baden-Württemberg

Bad Rappenau

Datensicherheit und Arbeitsleistung zentrale Themen bei Wahlkampfauftritt Bad Rappenau: Kanzler Merz kritisiert hohen Krankenstand

Bei einem Wahlkampfauftritt in Bad Rappenau hat Bundeskanzler Merz die Bedeutung digitaler Souveränität unterstrichen. Außerdem stellte er die telefonische Krankschreibung infrage.

Heilbronn-Franken

AU per Telefon ist Ausnahme Telefonische Krankschreibung abschaffen? Ärzte und Krankenkassen üben Kritik

Kanzler Merz und Bundesgesundheitsministerin Warken wollen die telefonische AU überprüfen lassen und vermuten Missbrauch. Ärzte und Krankenkassen halten mit Zahlen dagegen.

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
SWR

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!