Im Zentrum für Psychiatrie in Weinsberg (Kreis Heilbronn) soll die erste Jugendforensik in Baden-Württemberg gebaut werden. Dort sollen jugendliche Straftäter mit psychischen Erkrankungen sicher untergebracht und behandelt werden können. Im Neubau sollen später bis zu zwölf Jugendliche im Alter zwischen 14 und 21 Jahren untergebracht werden. Wann die Bauarbeiten starten, ist noch offen. Die Baukosten bewegen sich im zweistelligen Millionenbereich.
Einrichtung in Weinsberg als Lösung für jugendliche, psychisch kranke Straftäter
Bislang werden junge psychisch kranke Straftäter unter anderem in geschlossenen Einrichtungen und teilweise auch im Strafvollzug untergebracht. Durch eine eigene Jugendforensik im Land kann die Behandlungsqualität verbessert werden, ist der Ärztliche Direktor am Zentrum für Psychiatrie, Matthias Michel, überzeugt. Die neue Jugendforensik soll direkt an den bestehenden Maßregelvollzug für Erwachsene in Weinsberg angebaut werden.
Thema Sicherheit immer wieder in der Diskussion
Vor allem das Thema Sicherheit für die Bevölkerung steht bei der Einrichtung für Erwachsene immer wieder in der Diskussion. Das spiele bei dem Projekt eine große Rolle, sagte Matthias Michel dem SWR. Die Standards seien ähnlich denen in der Erwachsenenforensik.
Das ist ein Gebäude, was auf jeden Fall in hohem Maße gesichert ist, von daher bestehen da keine Gefahren.
Ein gewisses Restrisiko bleibe allerdings. Man wolle aber alles tun, um die Bevölkerung zu schützen. Laut Michel kann das Konzept der Jugendforensik sogar einen besseren Schutz bieten. Bisher seien die Jugendlichen nirgends "vernünftig mit entsprechender Behandlung" untergebracht.
Probleme im Maßregelvollzug: zu wenig Platz, zu wenig Personal
In der Vergangenheit gab es bereits Kritik an der Sicherheit im Maßregelvollzug. 2021 waren unter anderem vier Männer aus der Weinsberger Einrichtung ausgebrochen. Doch es gibt noch mehr Probleme, vor allem den Mangel an Plätzen im Land. Deshalb sind neben der neuen Einrichtung in Weinsberg weitere Neubauten geplant, unter anderem in Schwäbisch Hall. Die Eröffnung ist für Ende des Jahres geplant, dann sollen dort bis zu 100 Straftäter untergebracht werden.
Zu viele Patienten, zu wenige Ressourcen Maßregelvollzug am Limit - Ausbau reicht nicht aus
Trotz geplanter Neubauten bleibt der Maßregelvollzug in Baden-Württemberg überlastet. Welche Herausforderungen stehen der Landesregierung noch bevor?
Aber auch Personalmangel macht dem Maßregelvollzug zu schaffen, zum Beispiel in Heidelberg. Dort seien Therapiestunden ausgefallen. Zudem gab es Probleme mit dem Sicherheitspersonal. Für die Einrichtung in Schwäbisch Hall wurde das Personal unter anderem mit Aktionen wie Job-Speed-Dating angeworben.