Für Menschen mit schweren und chronischen psychischen Erkrankungen gibt es seit April eine neue Anlaufstelle und das direkt in der Heilbronner Innenstadt. Hier hat das Zentrum für Psychiatrie (ZfP) Weinsberg (Kreis Heilbronn) eine sogenannte Psychiatrische Institutsambulanz (PIA) aufgebaut - etwas, das es so im Stadt- und Landkreis Heilbronn bisher noch nicht gab. Die Verantwortlichen haben seit Jahren daran gearbeitet.
Aber was ist das genau? Welche Angebote gibt es da? Und für wen ist das die richtige Anlaufstelle?
PIA ergänzt Unterstützungsangebot um ärztliche Versorgung
Angesiedelt ist die neue PIA an den Weinsberger Hilfsverein. Der Verein bietet beispielsweise den Sozialpsychiatrischen Dienst für den Stadt- und Landkreis Heilbronn, zwei Tagesstätten oder Unterstützung im Alltag an. Das machen Pädagogen und Sozialarbeiter.
Was es dort bislang nicht gab, ist ärztliche Versorgung. Das ändert sich jetzt mit der PIA. Und das sei sehr wichtig, erklärt Uwe Hellwich, der Leiter des Hilfsvereins. Denn beispielsweise Medikamente verschreiben, die Medikation anpassen oder auch auch verabreichen, dürfen nur ausgebildete Ärzte wie Psychiater oder Neurologen.
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Nicht die erste Anlaufstelle bei psychischen Problemen
Die neue PIA sei aber keinesfalls die erste Anlaufstelle bei psychischen Problemen, erklärt Kathrin Eckstein, die Chefärztin für allgemeine Psychiatrie und Psychologie am ZfP. Das sei nach wie vor der Hausarzt. Der könne aber - je nach Schwere des Falls - wiederum an die PIA überweisen.
Das Angebot dort richtet sich an Menschen, die schwer und chronisch psychisch erkrankt sind. Es kann ein Übergang sein - beispielsweise nach einem stationären Aufenthalt - bis die Patienten einen niedergelassenen Arzt finden. Beim Hilfsverein gebe es aktuell rund 40 Patientinnen und Patienten, für die die PIA die einzige Möglichkeit sei, vor allem schnell einen Arzt zu finden.
"Die können nicht sechs Monate auf einen Termin warten", so Hellwich im SWR-Gespräch. Andererseits ließe sich mit einer ambulanten Behandlung manchmal auch ein stationärer Aufenthalt abwenden, erklärt wiederum Eckstein dem SWR.
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Keine langen Wege: Wohnohrtnahe und ganzheitliche Unterstützung
Gerade für viele, die die Einrichtung ansprechen will, sei es auch schwierig regelmäßig nach Weinsberg zu kommen, weiß Eckstein. In Kombination mit den Tagesstätten, dem Sozialpsychiatrischen Dienst und weiteren Unterstützungsangeboten, bekommen Betroffene jetzt wohnortnah eine ganzheitliche Versorgung. Und auch Außeneinsätze - Besuche zu Hause oder in Heimen - gehören zum Angebot.
Wenn der Betrieb mal voll angelaufen ist, rechnet sie damit, dass die PIA bis zu 200 Patientinnen und Patienten versorgen könnte. Die Diagnose sei dabei fast egal, so Eckstein. Es ginge darum, dass diese Menschen durch ihre Krankheit derart in ihrem Leben beeinflusst seien, dass sie dauerhafte und vor allem niederschwellige Hilfe bräuchten.
2019 angestoßen: Der lange Weg zur Psychiatrischen Institutsambulanz in Heilbronn
Die erste Idee, eine Psychiatrische Institutsambulanz direkt in Heilbronn anzusiedeln, hatte Uwe Hellwich bereits 2019. Aufgrund verschiedener Hürden hat es bis 2026 gedauert, bis man die jetzt eröffnen kann. Unter anderem musste die Kassenärztliche Vereinigung zustimmen, damit die Einrichtung keine Konkurrenz zu niedergelassenen Ärzten darstellt.
Denn auch deren Anzahl nehme immer weiter ab, während die Fallzahlen kontinuierlich ansteigen würden, erklärt Hellwich. Daher sei die Freude groß, die PIA jetzt eröffnen zu können. "Es ist für uns eine Sensation", so Eckstein gegenüber dem SWR.