An der Ehmetsklinge in Zaberfeld (Kreis Heilbronn) startet so langsam die Badesaison. Und auch in diesem Jahr sind die Nilgänse - wenn auch noch nicht in vollem Umfang - zurück am See. Eigentlich niedlich, sorgten sie in der Vergangenheit doch bei vielen Badegästen für Ärger und Frust am beliebten Badeplatz: Kot am Ufer, auf dem Rasen und auch das Wasser leidet darunter. Und so zieht die Gemeinde erneut die Reißleine und hat die Nil- und Graugänse wieder zum Abschuss freigegeben.
Aktives Wildtiermanagement? Sauberer See statt Gänseplage
Die klare Linie kommt von Bürgermeisterin Diana Danner (parteilos). Sie macht keinen Hehl daraus, dass die Gänse stören. Und während beispielsweise in Tübingen weiter über den richtigen Umgang mit Nilgänsen debattiert wird und Oberbürgermeister Boris Palmer (derzeit parteilos) eine Freigabe zum Abschuss fordert, macht man in Zaberfeld eben bald kurzen Prozess - denn noch haben die Tiere eine kurze Schonfrist.
"Sie scheißen alles zu" Boris Palmer ist für den Abschuss der Nilgänse in Tübingen
Nilgänse sorgen in Tübingen für Ärger. Die invasive Art verdrängt heimische Enten. Oberbürgermeister Boris Palmer will die Gänse loswerden - im Zweifel durch Abschuss.
Erst im Zeitraum von Frühjahr 2024 bis zum Frühjahr 2025 wurden im Zabergäu 56 Nilgänse und sieben Graugänse erlegt. Trotzdem zeigt sich: Die Population bleibt ein Thema, auch wenn aktuell die Lage etwas entspannter wirkt. "Nach unseren aktuellen Beobachtungen hat sich der Bestand reduziert", so Danner, aber die Tiere sind eben weiterhin da.
Das könnte aber vor allem an der Brutzeit liegen, vermutet sie. Denn dann sind die Tiere schwerer zu finden und demnach auch schwerer zu erfassen. Und genau deshalb dürfen sich die Tiere auch noch über eine inoffizielle Gnadenfrist freuen. Der Grund: Geschossen werden darf nur außerhalb der Brutzeit. Doch wann genau endet die? Offiziell am 15. April - seitdem gilt die Schussfreigabe. Doch in Zaberfeld ist man aufgrund der aktuell niedrigen Zahl an Gänsen noch kulant.
Gesetz gibt mehr Spielraum, Zaberfeld nutzt ihn
Rückenwind in Sachen Abschuss kommt aus der Gesetzgebung: Das Jagd- und Wildtiermanagement wurde angepasst, die Jagdzeiten ausgeweitet, erklärt die Bürgermeisterin. Für Zaberfeld ein entscheidender Punkt.
Innerhalb der zulässigen Jagdzeiten werden wir die Kooperation mit der Jägerschaft weiter fortführen, um die Situation an unserer Ehmetsklinge nachhaltig im Gleichgewicht zu halten.
Alle Gänse dürfen ohnehin nicht abgeschossen werden - nur so viele, erklärt Danner, dass der Bestand nicht Überhand gewinnt. Eine Zahl nennt die Bürgermeisterin allerdings nicht. Ein weiteres Argument für den Abschuss: Die Nilgänse verdrängen heimische Entenarten und sind so eben auch ein ökologisches Problem, das über reine Badehygiene hinausgeht. Vor drei Jahren musste der Badesee sogar zeitweise gesperrt werden.
Schwimmen mit Ablaufdatum: Badesee Ehmetsklinge bald ohne Wasser
Vorübergehend ist das auch in diesem Jahr wieder der Fall - allerdings aus einem anderen Grund: Denn ab Herbst wird der See wegen Sanierungsarbeiten trockengelegt. Erst 2028 soll dann wieder Wasser in den See gelassen werden und der Badebetrieb wieder möglich sein.