Wenn Heimatministerin Marion Gentges (CDU), aufgewachsen in der Ortenau, in der Ferne ist, denkt sie gerne an das Essen ihrer Oma: "Nudeln mit grünen Bohnen - großartig." Mit ihrem Ministerium, das die "Heimat" neu im Namen trägt, will sie jetzt Ehrenamtlichen und Vereinen vor Ort das Leben leichter machen - mit Beratung und auch mit Geldmitteln: "Da hilft häufig ganz wenig schon ganz viel, denn in Wahrheit entsteht alles vor Ort", sagte Gentges am Donnerstagabend in der SWR Sendung "Zur Sache! Baden-Württemberg". "Es braucht einfach die Unterstützung und die Freiräume, und daran arbeiten wir."
Fotograf Sebastian Wehrle hört das gerne - er würde gerne einen Hof in seiner Heimat Freiamt (Kreis Emmendingen) renovieren und zu einem Kunstzentrum machen. Dafür wünscht er sich mehr Freiräume vom Denkmalschutz.
Wo Bürgerwille etwas bewirken kann
In Calw hat etwas Ähnliches schon geklappt, erzählt Irmhild Mannsfeld vom dortigen Gerbereimuseum: Engagierte hätten ein altes Gebäude erworben, um es zu sanieren - das Denkmalamt habe unterstützt. Für Mannsfeld ein Erlebnis, bei dem ihr das Herz aufgehe: "Da liebe ich meine Stadt, da fühle ich mich wohl, wenn ich sehe, dass Bürgerwille was bewirken kann."
Auch die Politik ist aus ihrer Sicht gefragt, solches Engagement zu unterstützen und keine Steine in den Weg zu legen. "Wenn Menschen was miteinander bewegen können und bewirken können, dann geht durch die ganze Kommune so ein Aufatmen durch."
Wenn Menschen was miteinander bewegen können und bewirken können, dann geht durch die ganze Kommune so ein Aufatmen durch.
Kampagne soll Thema Heimat wahrnehmbar machen
Die meisten Mittel und Stellen für Heimatförderung gab es in der Landesregierung bereits. Gentges hat im Haushalt zwar weitere 1,5 Stellen angemeldet - doch es ist offen, ob sie bewilligt werden.
In jedem Fall will die Ministerin aber künftig die Zusammenarbeit der verschiedenen Ministerien stärken. Bisher habe das Thema Heimat nicht in konzentrierter Form und auch nicht mit der Wahrnehmbarkeit stattgefunden, die sie dem Thema geben wolle. Eine neue Kampagne soll laut Gentges bald deutlich machen: "Heimat gehört uns allen, Heimat wird uns keiner wegnehmen, und Heimat ist auch nichts, was vorgestern verstaubt ist, sondern was wir gemeinsam in die Zukunft tragen." Auch ein Podcast ist demnach geplant.
Rahmenbedingungen setzen, aber Heimatgefühl nicht diktieren
Die Pädagogin Florence Brokowski-Shekete aus Heidelberg betont, es sei gut, Rahmenbedingungen zu schaffen, damit sich Menschen heimisch fühlen können. "Aber letztendlich, glaube ich, kann Politik auch nicht ein Heimatgefühl oder ein Sich-Heimisch-Fühlen diktieren." Ehrenamt, wirtschaftliche Verhältnisse und Sicherheit seien notwendig, um sich heimisch zu fühlen und sich auch gerne einzubringen.
Das sieht die Ministerin genauso und macht außerdem klar, sie wolle nicht zulassen, dass Heimat von einzelnen politischen Richtungen vereinnahmt werde. Heimat gehe alle an und werde von allen gestaltet.