Wirtschaftlichkeit auf 17 Güterzüge pro Tag ausgelegt

Wieso auf der Neubaustrecke Wendlingen-Ulm bisher nur ein einziger Güterzug unterwegs war

Seit die neue ICE-Trasse zwischen Ulm und Wendlingen vor zweieinhalb Jahren in Betrieb ging, ist dort nur ein einziger Güterzug gefahren. Geplant waren 17 Güterzüge pro Tag.

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Von Autor/in Hendrik Huber

Seit Dezember 2022 ist die Trasse der Neubaustrecke Wendlingen-Ulm in Betrieb. Bis heute ist jedoch nur ein einziger Güterzug dort gefahren. Das bestätigte ein Bahnsprecher dem SWR.

Neubaustrecke zwischen Stuttgart und Ulm vier Milliarden Euro teurer

Der circa 60 Kilometer lange Abschnitt zwischen Wendlingen (Kreis Esslingen) und Ulm ist Teil des Bahnprojekts Stuttgart-Ulm. Die Bahnstrecke kostete fast vier Milliarden Euro. Die Finanzierungsvereinbarung von 2009 konnte damals nur deshalb unterzeichnet werden, weil Güterzüge mit einer Taktung von 17 pro Tag die Neubaustrecke wirtschaftlich gemacht hätten.

17 Güterzüge pro Tage sind allerdings für nach der Fertigstellung von Stuttgart 21 prognostiziert - wenn der Zugverkehr mit voller Kapazität fahren kann. Denn aktuell gibt es einen circa acht Kilometer langen, eingleisigen Abschnitt bei der sogenannten Wendlinger Kurve. Das führt zu einer grundsätzlich geringen Kapazität auf der Strecke.

Fehlplanung bei S21? Steigung zu steil für Güterzüge

Ein Bahnsprecher bestätigte dem SWR, dass die Strecke einmalig im Januar 2024 von einem Güterzug befahren wurde. "Weitere Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) haben bisher keine Leistungen bestellt", sagte der Bahnsprecher. Die Neubaustrecke könne ihm zufolge schließlich nur von Güterzügen mit bis 1.000 Tonnen befahren werden. Die "Südwest Presse" berichtete, dass die neue Trasse zu steil für reguläre Güterzüge sei. Der Sprecher der Deutschen Bahn ließ dem SWR gegenüber weitere Fragen dazu unbeantwortet.

Diese leichten Güterzüge gibt es nicht und wird es wahrscheinlich auch nicht geben.

BW-Verkehrsminister: Strecke wurde im Bundestag schön gerechnet 

"Ich habe miterlebt, wie die Strecke im Bundestag schön gerechnet wurde", sagt der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne). Er ist wenig überrascht davon, dass die angekündigten Güterzüge immer noch auf sich warten lassen: "Diese leichten Güterzüge gibt es nicht und wird es wahrscheinlich auch nicht geben." Letztlich blieben "zum Glück für die Fahrgäste die Vorteile für den Nahverkehr", so Hermann. So gibt es einen neuen Bahnhalt in Merklingen (Alb-Donau-Kreis) und auch die mittlere Alb werde sich durch die Neubaustrecke verändern.

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Hendrik Huber
SWR-Volontär Hendrik Huber