Folgen des Iran-Kriegs

Hohe Dieselpreise belasten Landwirtschaft in BW

Die Energiekrise trifft die Landwirtschaft besonders stark. Vor allem kleinere Betriebe leiden darunter. Es könnte eines der teuersten Jahre für die Landwirte werden.

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Von Autor/in Michael Herr, Thorsten Weik

Bei 2,20 Euro pro Liter Diesel lässt man das Auto gerne mal stehen und sucht nach Alternativen. In der Landwirtschaft ist das jedoch nicht möglich: Einfach später aussäen funktioniert nicht. Sollten die Dieselpreise so hoch bleiben, könnte es eines der teuersten Jahre werden. Vor allem, weil der Energiebedarf der Landwirte in den kommenden Monaten besonders hoch ist. Auch Verbraucher könnten das bald in den Supermärkten zu spüren bekommen.

Landwirt bei Heilbronn hohen Spritpreisen ausgeliefert

Viele Betriebe haben auf ihren Höfen Dieseltanks. Diese machen sie eine Zeit lang widerstandsfähiger gegen heftige Preissteigerungen am Ölmarkt. Stefan Kerner hat einen Hof in der Nähe von Heilbronn und ist Kreisvorsitzender beim Bauernverband Heilbronn-Ludwigsburg. Er hat keinen Dieseltank und macht das Auf- und Ab der Preise voll mit. Das ist eine Belastung für seinen Betrieb, bei dem die Energiepreise einer der wichtigsten Kostenfaktoren sind.

Er muss zum Winterende wieder mehr raus auf seine Felder. Ohne Traktor geht dort nichts. Die Felder müssen vorbereitet oder Wintergetreide ausgesät werden. Stefan Kerner kann nicht warten, bis der Dieselpreis wieder sinkt: "Was muss, das muss. Aber natürlich tut es einem schon weh, wenn man weiß, dass der Kraftstoff um circa 50 Cent teurer ist als normal. Und ich weiß, dass so ein Traktor, der nicht einmal der größte ist, circa 15 bis 20 Liter Diesel pro Stunde verbraucht." Allein im Frühjahr braucht der Chef des Ackerbaubetriebs knapp 4.000 Liter Diesel. Insgesamt ist das eine erhebliche Veränderung der Kostenkalkulation für den Landwirt aus bei Heilbronn.

Spartipps helfen ihm bei der Arbeit wenig. Wenn der Tank leer ist, muss Stefan Kerner zur Tankstelle im Ort. Also hat er beinahe täglich die Stunde der Wahrheit. "Es tut echt weh. Unsere Erzeugerpreise sind gerade so negativ behaftet, so niedrig und dann noch höhere Betriebskosten, das tut einfach nur weh", beklagt der Landwirt.

Steigende Düngerpreise verschärfen das Problem

Wegen des Iran-Kriegs steigen außerdem die Preise für Düngemittel. Ein zusätzliches Problem für die Landwirtschaft. Den Dünger brauchen die Pflanzen gerade im Frühjahr, um wachsen zu können. Neben Getreide baut Stefan Kerner auch Kürbisse, Raps und Mohn an. Der Landwirt muss deshalb in diesen Tagen den Dünger einkaufen. Für die Produktion von Stickstoffdünger braucht es allerdings vor allem Erdgas. Für diese Ressource sind die Preise seit Kriegsbeginn stark gestiegen. Das hat laut Enno Bahrs, Agrarökonom von der Uni Hohenheim, drastische Folgen für die Landwirte: "Die höheren Düngemittelpreise sind jetzt schon erkennbar. Und wenn die Straße von Hormus noch lange gesperrt sein sollte und Gas knapp und teuer ist, dann werden die Düngerpreise - und speziell der Stickstoffdünger - für eine lange Zeit auf einem hohen Preisniveau verharren."

Zusammen mit den hohen Kraftstoffpreisen verteuert das die Produktion deutlich. Denn die Landwirte können die Kosten nicht einfach an die Konsumenten weitergeben, erklärt Enno Bahrs: "Wenn wir jetzt starke Preissteigerungen bei der Energie haben, dann reagieren Lebensmittelpreise einige Monate später. Das liegt auch daran, dass es längerfristige Kontrakte gibt, mit festen Preisen."

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Hoffnung auf Eingreifen der Bundesregierung

Kurzfristig könnte die Bundesregierung eingreifen, findet Stefan Kerner. Die CO2-Abgabe müsse vorübergehend ausgesetzt werden, so die Forderung. Das würde bei jedem Liter Diesel eine Erleichterung von 17 bis 18 Cent bringen, sagt er.

Einen vollständigen Umstieg vom Diesel und der Ölabhängigkeit hin zum Elektroantrieb sieht Stefan Kerner derzeit noch nicht: "Man verschließt sich auch von der landwirtschaftlichen Seite überhaupt nicht gegen Elektromobilität, das ist gar keine Frage. Aber aktuell halten die Batterien nicht auf die Länge, die Dauer, wie wir es brauchen, wenn wir Arbeitsspitzen haben." Allerdings wären diese Arbeitsspitzen deutlich planbarer, wenn die Energie dafür zuverlässig und preisstabil wäre.

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Michael Herr
Ein Mann mit langen Haaren steht mit verschränkten Armen und in legerem Hemd in einer hellen Halle und lächelt
Thorsten Weik
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Marcel Fehr
Marcel Fehr auf der CMT

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