Viele deutsche IS-Gefangene in den Irak verlegt

Vorerst keine Hilfe aus der deutschen Botschaft: Mutmaßliches IS-Mitglied aus BW sitzt seit fast zehn Jahren in Haft

Im Irak sind mehrere mutmaßliche deutsche IS-Kämpfer in Haft. Jetzt hat das Auswärtige Amt Angehörige per Brief über den aktuellen Aufenthaltsort informiert - auch einen Rentner aus BW.

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Von Autor/in Eric Beres, Joseph Röhmel

Für Werner P. aus dem südlichen Baden-Württemberg ist es seit Jahren ein ständiges Auf und Ab: Mal hört der 77-Jährige etwas von seinem Sohn, dann wieder jahrelang nichts. Dieser war 2015 nach Syrien zur Terrormilz IS gereist, zwei Jahre später wurde er in Nordostsyrien von kurdischen Milizen festgenommen, die gegen den IS kämpften. 

Danach saß Werner P.s Sohn fast zehn Jahre lang in Haft, ohne jegliche Anklage. Ab und zu konnten Journalisten ihn interviewen, so dass der Rentner aus Baden-Württemberg einige Informationen bekam, etwa über den schlechten Gesundheitszustand seines Sohnes.   

Viele deutsche IS-Gefangene in den Irak verlegt

Im Januar wurden Werner P.s Sohn und rund 25 andere ehemalige IS-Mitglieder aus Deutschland von Nordostsyrien in den Irak gebracht - aus Sicherheitsgründen. Zuvor waren Kämpfe zwischen kurdischen Milizen und Kräften der syrischen Zentralregierung in Damaskus ausgebrochen.

Am vergangenen Freitag erhielt Werner P. nun erstmals einen Brief vom Auswärtigen Amt: Sein Sohn sei "mit den meisten anderen aus Nordostsyrien im Gefängnis Al-Karkh bei Bagdad" inhaftiert. In dem früher von US-Truppen genutzten Gefängnis sollen insgesamt 5.700 ehemalige IS-Kämpfer und Mitglieder untergebracht sein. Dem SWR und BR liegen mehrere inhaltlich identische solcher Schreiben an Angehörige und Anwälte in Deutschland vor.    

Zuvor kaum Informationen für Vater von mutmaßlichem IS-Kämpfer

Werner P. sieht darin einen "kleinen Hoffnungsschimmer". Zuvor hatte er vom Internationalen Roten Kreuz lediglich die Information bekommen, sein Sohn sei im Irak. Tatsächlich sind einige der Kämpfer in Nordostsyrien zurückgeblieben, offenbar weil sie nicht transportfähig waren.

In dem Brief teilt das Auswärtige Amt auch mit, dass die Botschaft in Bagdad wegen der "aktuellen Sicherheitslage" die Gefangenen mit deutscher Staatsbürgerschaft nicht konsularisch betreuen könne. Anfang März habe man Personal aus Bagdad abgezogen. Grund ist offensichtlich der Konflikt zwischen den USA, Israel und dem Iran, von dem auch Nachbarstaaten wie der Irak betroffen sind. "Die Quintessenz ist, man braucht Geduld, Geduld, Geduld und muss weiter warten", sagt Werner P. dem SWR.   

Hoffnung auf konsularische Betreuung   

In die konsularische Betreuung setzen viele Angehörige große Hoffnung. Wenn deutsche Botschaftsangehörige das Gefängnis besuchen, könnten sie den Gefangenen Anwälte vermitteln. Denkbar ist, dass diese dann den deutschen Staat verklagen, ihre Mandanten zurück nach Deutschland zu bringen. In Nordostsyrien war eine konsularische Betreuung nicht möglich, weil die Kurden dort bisher ein autonomes Gebiet verwalten, das völkerrechtlich nicht anerkannt ist.   

Eine mögliche Rückholung ehemaliger IS-Kämpfer mit deutscher Staatsbürgerschaft ist unter Experten und in Regierungs- und Sicherheitskreisen seit Jahren umstritten. Befürworter betonen, die deutschen Staatsbürger könnten sich in Haft weiter radikalisieren. Im Irak drohe ihnen die Todesstrafe. Andere fürchten um die Sicherheit, sollten einst militärisch ausgebildete und womöglich noch immer islamistisch ideologisierte Männer nach Deutschland zurückkehren. Zuletzt hat das Auswärtige Amt immer wieder betont, dass die Bundesregierung von sich aus keine Rückholung plant.   

Vater: "Genug ist genug"   

Werner P. aus Baden-Württemberg hat für diese Position durchaus Verständnis. Doch er sagt, sein Sohn werde sich in Deutschland einem fairen und rechtstaatlichen Gerichtsprozess stellen und für seine Taten einstehen. Er sei davon überzeugt, dass sein Sohn beim IS niemanden umgebracht habe. Jahrelange Haft ohne jeglichen Gerichtsprozess, das sei menschenunwürdig. "Es sind jetzt fast zehn Jahre. Genug ist genug", sagt Werner P.

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