In Eberbach (Rhein-Neckar-Kreis) sorgen Waschbären für Schäden und stellen eine Gefahr für Amphibien und brütende Vögel dar. Daher appelliert die Stadt an die Bürgerinnen und Bürger, die Tiere nicht zu füttern und ihnen keine Möglichkeit zu bieten, auf Gebäude zu klettern.
Waschbären sind clevere Kletterer
Eberbach scheint für Waschbären besonders interessant zu sein. Revierleiter Joachim Maier von der Eberbacher Stadtförsterei führt das auf die Lage der Stadt zurück. Denn viele Wohngebiete grenzen an Wälder. Hier können sich die Waschbären auf Bäumen verstecken. Gleichzeitig ist es nicht weit zu Gärten und Häusern, wo sie in Mülltonnen und Komposthaufen, aber auch in Vogelnistkästen und Gartenteichen, Nahrung finden.
Der Waschbär sei ein Allesfresser, erklärt Joachim Maier. "Er frisst Insekten, Würmer, aber auch Amphibien wie Feuersalamander und Frösche. Er geht aber auch garantiert an einem jungen Hasen nicht einfach vorbei, sondern den nimmt er auch mit. Er hat ein breites Nahrungsspektrum, nutzt dieses aus und findet es auch überall."
Waschbär holt sich Hundefutter aus einem Schrank
Im Schuppen von Hausbesitzer Michael Merkert hat es ein Waschbär geschafft, an einem Schrank einen Holzriegel umzulegen. In dem Schrank bediente sich das Tier am Hundefutter. Auch die Meisenknödel, die Merkert aufgehängt hatte, griff sich der Waschbär. Aufnahmen einer Wildkamera überführten den Dieb. "Man sieht, wie intelligent die Tiere sind. Die klettern eine blanke Edelstahlstange hoch, gehen ins Futterhaus, öffnen von oben dann die Futterpatrone und holen die Meisenknödel raus. Das ist schon Wahnsinn." Er befürchtet, dass der Waschbär irgendwann Dachziegel wegschiebt und ins Gebäude kommt.
Nachbarschaftsstreit wegen Schäden durch Waschbär
In einem anderen Stadtteil von Eberbach ist das einem Waschbären bereits gelungen. Hier hat er Dämmwolle aus einem Dachboden geräumt und sie auch auf der Wiese der Nachbarn verteilt. Weil das gesundheitsschädlich sein kann – womöglich enthält die Dämmwolle Asbest – und die Hausbesitzerin offenbar nichts unternimmt, haben die Nachbarn einen Rechtsanwalt eingeschaltet. Markus Mechler, der das Nachbarhaus im Auftrag der Eigentümer verwaltet, sagt, es werde nichts anderes übrigbleiben, als die Waschbären zu fangen und zu töten, "sodass man hier dauerhaft Ruhe bekommt".
Füttern verboten! – Eberbach setzt auf Aufklärung
Für Nicolà Lutzmann, den Naturschutzbeauftragten von Eberbach, ist das Erschießen von Waschbären das letzte mögliche Mittel. "Natürlich sollte man Tiere nicht ohne Grund töten. Es ist für mich als Naturschützer tatsächlich auch schon Grund genug, dass er [der Waschbär] hier nicht hingehört und hier Populationen und Tiere ausrottet." Zuerst will Lutzmann aber versuchen, die Eberbacher für das Problem zu sensibilisieren. Auf keinen Fall sollte man die Tiere mit Futter anlocken. "Man muss eindeutig sagen, es ist verboten, Wildtiere zu füttern. Da kann man natürlich auch Ordnungsgelder verteilen, aber das will man nicht. Man will erst mal informieren und aufklären."