In Baden-Württemberg sind immer mehr junge Menschen arbeitslos. Das zeigen Zahlen, die die Bundesagentur für Arbeit an diesem Dienstag veröffentlicht hat. Mit aktuell 27.553 arbeitslosen Jugendlichen handelt es sich um einen Höchststand seit 2010.
Die Anzahl der arbeitslosen Menschen zwischen 15 und 25 Jahren ist demnach im Vergleich zum Vorjahr um rund neun Prozent gestiegen - eine Entwicklung, die sich schon in den vergangenen Jahren abgezeichnet hat.
22-Jähriger auf Jobsuche: Müde und verzweifelt
Der 22-jährige Marwan Sahloul aus Schorndorf hat im vergangenen Jahr über 90 Bewerbungen verschickt, sagt er. "Ich war müde, ich war nicht depressiv, aber verzweifelt und habe gefühlt, der Beruf Fachinformatiker passt nicht für mich."
Der gebürtige Syrer bewirbt sich in anderen Bereichen, doch auch das klappt nicht. Aus den Absagen konnte er nicht herauslesen, warum er nicht genommen wurde. Er fragt sich, woran es liegt: Ist es sein Abschluss? Sein Hintergrund? Etwas anderes?
Kompetenzen der jungen Arbeitssuchenden müssen zum Ausbildungssystem passen
"Unter den arbeitslosen Jugendlichen sind rund 39 Prozent mit einem ausländischen Pass, das ist weniger als in der allgemeinen Arbeitslosigkeit", sagt Martina Musati, Geschäftsführerin der Regionaldirektion Baden-Württemberg der Bundesagentur für Arbeit. Sie sieht ein gesamtgesellschaftliches Problem und stellt die Frage, ob die Kompetenzen der Jugendlichen zu den Anforderungen im Ausbildungssystem passen würden.
Viele Unternehmen antworten gar nicht erst Jung, qualifiziert, arbeitslos: Deshalb ist der Berufseinstieg für akademische Absolventen so schwer
Die Wirtschaft steckt in der Krise. Rund 40.000 Akademiker in BW sind arbeitslos. Junge Absolventen haben besonders zu kämpfen und berichten von einem verhängnisvollen Trend.
Jugendliche in BW nach Ausbildung nicht übernommen
"Die wirtschaftliche Schwäche in Baden-Württemberg führt dazu, dass junge Menschen besonders betroffen sind - etwa, dass sie nach der Ausbildung nicht übernommen werden", sagt Musati.
Außerdem würden Anlern- und Helferjobs in wirtschaftlich schwierigen Situationen zuerst wegfallen. "Und das waren ja oftmals die Arbeitsplätze, die junge Menschen auch ergriffen haben."
Arbeitsagentur bezuschusst Praktika in Ausbildungsbetrieben
Um die Chancen für junge Menschen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern, bietet die Arbeitsagentur Maßnahmen an - etwa die sogenannte Einstiegsqualifizierung. Das ist ein bezuschusstes Praktikum mit der Aussicht auf einen Ausbildungsplatz im Betrieb.
Auch der 22-jährige Marwan Sahloul bekommt dadurch einen Platz. "Ich war sehr glücklich, dass ich endlich mal einen Platz gefunden habe für mich, wo ich endlich meine Zukunft anfangen kann, Kohle verdienen und mein Leben verbessern", sagt er.
In dieser Woche hat Sahloul seinen ersten Praktikumstag, im August möchte er im selben Betrieb mit seiner Ausbildung zum Fachinformatiker beginnen.