Jung und ohne Job

Jugendarbeitslosigkeit in BW auf höchstem Stand seit 2010

Immer mehr junge Menschen unter 25 Jahren haben keinen Job. Die Jugend treffe vor allem die schlechte wirtschaftliche Lage in BW, heißt es von der Arbeitsagentur.

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Stand

Von Autor/in Lara Zell

In Baden-Württemberg sind immer mehr junge Menschen arbeitslos. Das zeigen Zahlen, die die Bundesagentur für Arbeit an diesem Dienstag veröffentlicht hat. Mit aktuell 27.553 arbeitslosen Jugendlichen handelt es sich um einen Höchststand seit 2010.

Die Anzahl der arbeitslosen Menschen zwischen 15 und 25 Jahren ist demnach im Vergleich zum Vorjahr um rund neun Prozent gestiegen - eine Entwicklung, die sich schon in den vergangenen Jahren abgezeichnet hat.

22-Jähriger auf Jobsuche: Müde und verzweifelt

Der 22-jährige Marwan Sahloul aus Schorndorf hat im vergangenen Jahr über 90 Bewerbungen verschickt, sagt er. "Ich war müde, ich war nicht depressiv, aber verzweifelt und habe gefühlt, der Beruf Fachinformatiker passt nicht für mich."

Der gebürtige Syrer bewirbt sich in anderen Bereichen, doch auch das klappt nicht. Aus den Absagen konnte er nicht herauslesen, warum er nicht genommen wurde. Er fragt sich, woran es liegt: Ist es sein Abschluss? Sein Hintergrund? Etwas anderes?

Kompetenzen der jungen Arbeitssuchenden müssen zum Ausbildungssystem passen

"Unter den arbeitslosen Jugendlichen sind rund 39 Prozent mit einem ausländischen Pass, das ist weniger als in der allgemeinen Arbeitslosigkeit", sagt Martina Musati, Geschäftsführerin der Regionaldirektion Baden-Württemberg der Bundesagentur für Arbeit. Sie sieht ein gesamtgesellschaftliches Problem und stellt die Frage, ob die Kompetenzen der Jugendlichen zu den Anforderungen im Ausbildungssystem passen würden.

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Jugendliche in BW nach Ausbildung nicht übernommen

"Die wirtschaftliche Schwäche in Baden-Württemberg führt dazu, dass junge Menschen besonders betroffen sind - etwa, dass sie nach der Ausbildung nicht übernommen werden", sagt Musati.

Außerdem würden Anlern- und Helferjobs in wirtschaftlich schwierigen Situationen zuerst wegfallen. "Und das waren ja oftmals die Arbeitsplätze, die junge Menschen auch ergriffen haben."

Arbeitsagentur bezuschusst Praktika in Ausbildungsbetrieben

Um die Chancen für junge Menschen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern, bietet die Arbeitsagentur Maßnahmen an - etwa die sogenannte Einstiegsqualifizierung. Das ist ein bezuschusstes Praktikum mit der Aussicht auf einen Ausbildungsplatz im Betrieb.

Auch der 22-jährige Marwan Sahloul bekommt dadurch einen Platz. "Ich war sehr glücklich, dass ich endlich mal einen Platz gefunden habe für mich, wo ich endlich meine Zukunft anfangen kann, Kohle verdienen und mein Leben verbessern", sagt er.

In dieser Woche hat Sahloul seinen ersten Praktikumstag, im August möchte er im selben Betrieb mit seiner Ausbildung zum Fachinformatiker beginnen.

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Plusminus. Mehr als nur Wirtschaft. Arbeitsmarkt: Fehlen uns wirklich noch Fachkräfte?

Es ist schon verwirrend: Einerseits hören wir überall, wie schrecklich der Fachkräftemangel ist; und andererseits haben wir so viele Arbeitslose wie zuletzt 2013. Einerseits fordern wir, dass alle länger arbeiten; und andererseits bekommen immer wieder Leute mit 57 Jahren den Goldenen Handschlag und werden in den vorzeitigen Ruhestand geschickt. Kann es sein, dass der Fachkräftemangel eigentlich ein Scheinriese ist – und wir in Wahrheit ein ganz anderes Problem lösen müssten? Nämlich das Problem der Ineffizienz? Wir misten mal aus und zeigen auf, wo überall einfach mehr geht.
Kapitel:
Ein Hörer macht sich viele Gedanken. (00:22)
Warum reden alle vom Fachkräftemangel und kann das schon ein Riese(nproblem) sein? (06:48)
Wie kriegen wir die 13 Millionen Boomer-Lücke klein? (11:50)
Und darum ist der Fachkräftemangel eben doch ein Scheinriese (12:46)
Was heißt das jetzt für mich, wenn ich mich auf dem Arbeitsmarkt orientieren will? (22:55)
Dahin entwickelt sich unser Arbeitsmarkt – ob nun mit oder ohne Scheinriesen. (23:47)
Weitere Infos und Quellen gibt es hier:
IAB: Arbeitslosenzahlen.
https://iab.de/daten/iab-arbeitsmarktbarometer/
Bundesagentur für Arbeit: Unbesetzte Lehrstellen.
https://www.arbeitsagentur.de/presse/2025-27-gute-chancen-fuer-angehende-azubis-jetzt-noch-einen-ausbildungsplatz-sichern
BMBFSFJ: Arbeitszeit von Frauen.
https://www.bmbfsfj.bund.de/bmbfsfj/aktuelles/alle-meldungen/muetter-wollen-mehr-arbeiten-wenn-die-bedingungen-stimmen-270366#:~:text=Unter%20den%20derzeitigen%20Bedingungen%20ist,Entwicklungsm%C3%B6glichkeiten%20als%20Anreiz%20zur%20Arbeitszeiterh%C3%B6hung.
Handelsblatt: Geld für Umstrukturierungen in Unternehmen.
https://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/unternehmen-in-welche-branchen-dax-konzerne-mitarbeiter-entlassen/100173473.html
Statistisches Bundesamt: Boomer-Statistiken.
https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/08/PD25_N048_13.html
Das Team:
Hosts: Anna Planken & David Ahlf
Instagram: @anna.planken https://www.instagram.com/anna.planken/ und @davidihrswisst https://www.instagram.com/davidihrswisst/
Autorin: Hanna Heim
Redakteur dieser Folge: Christian Sachsinger
Kontakt:
Ihr habt Fragen, Feedback oder Ideen? Schreibt uns an: plusminuspodcast@ard.de
Der Podcast "Plusminus. Mehr als nur Wirtschaft" ist eine Gemeinschaftsproduktion von BR, HR, SWR und WDR.
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Immer mehr ältere Menschen wollen und sollen in Zukunft gepflegt werden. Die Pflegeberufe in ihrer heutigen Form sind nicht besonders attraktiv - viel Stress, lange Arbeitszeiten, schlechte Bezahlung. Viel Hoffnung wird auf KI und Robotik gesetzt, sie sollen das Personal und auch die Angehörigen zukünftig entlasten. https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:fed2b29849290072/

Erstmals publiziert am
Stand
Onlinefassung
Theresa Rauffmann
Autor/in
Lara Zell

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