Der Karfreitag ist nach katholischem Kirchenrecht ein strenger Fasten- und Abstinenztag. "Das heißt, an diesen Tagen soll nur eine einmalige Sättigung erfolgen und auf Fleisch ganz verzichtet werden", erklärt Gregor Moser, Pressesprecher der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Vor allem der Verzicht auf Fleisch ist bis heute eine starke Tradition und werde von vielen weiter befolgt. Heute gibt es jedoch auch andere Formen des Fastens.
"Klimafasten" und Social-Media-Verzicht an Karfreitag
Das Fasten solle den Menschen innerlich frei machen, um ihn auf das Osterfest vorzubereiten, so Moser. Dementsprechend sei es nicht verkehrt, an Karfreitag den Verzicht zum Beispiel in Form von Social Media-Fasten zu üben. Auch Praktiken wie das "Klimafasten" - also besonders ressourcenschonend zu leben - seien nicht verkehrt. "Wer also das Auto bewusst stehen lässt oder einen Tag bewusst nicht durch Instagram scrollt, schafft sich Raum für die innere Ruhe", so Moser.
Der Karfreitag werde in einer zunehmend säkularen Gesellschaft aber verstärkt zur individuellen Freizeitgestaltung genutzt. Das ist laut Moser mit der katholischen Tradition eigentlich nicht vereinbar. Wenn es nach dieser geht, bleibt der Karfreitag "der Tag der Erinnerung an das Leiden und Sterben Jesu Christi, der durch die innere Zurückhaltung und die Feier der außergewöhnlichen Karfreitagsliturgie seinen eigenen Charakter erhält."
Wer also das Auto bewusst stehen lässt oder einen Tag bewusst nicht durch Instagram scrollt, schafft sich Raum für die innere Ruhe.
Warum laut Kirche Fisch kein Fleisch ist
Dass Fisch an Karfreitag aus kirchlicher Perspektive für den Verzehr erlaubt ist, Fleisch aber nicht, hat historische Gründe. Während Fleisch jahrhundertelang eher als Festessen angesehen wurde, galt Fisch als einfache, alltägliche Speise - damit passt er besser zum Karfreitag, der von Ruhe und Abstinenz geprägt sein soll. Zudem wurden Fische nicht als "Fleischtiere" angesehen, da sie im Wasser leben und sich der Umgebungstemperatur anpassen.
Der Fischverzehr hat im Christentum außerdem symbolische Gründe. Auf Griechisch heißt Fisch nämlich "Ichtys". Die Anfangsbuchstaben des Wortes stehen für ein Wort und ergeben auf Griechisch ein kleines Glaubensbekenntnis: "Jesus Christus, Gottes Sohn und Erlöser".