Die Hilferufe vieler verzweifelter Bürgerinnen und Bürger in Karlsruhe wurden erhört: Die Stadt hat einen Plan und nimmt den Kampf auf. In diesem Jahr soll der Befall kartiert werden, im kommenden Jahr startet die Bekämpfung, berichtet Ameisenkoordinatorin Karen Eßrich von der Stadt Karlsruhe.
Wie mindestens 40 andere Städte im Land hat Karlsruhe ein Ameisenproblem - und zwar ein massives. Die Ameisenkoordinatorin ist gerade mal ein paar Wochen im Amt. Aber sie hat schon alle Hände voll zu tun, sagt sie. Denn mindestens acht Kolonien von Tapinoma Magnum und der zweiten invasiven Art, Lasius Neglectus, sind der Verwaltung bekannt.
Ameisenkolonien auch in anderen Teilen von Karlsruhe
Beunruhigend große Kolonien der invasiven Arten wurden auch in anderen Stadtteilen von Karlsruhe festgestellt: in der Oststadt, in Rüppurr, Knielingen, Grötzingen und in Neureut. Das sei aber nur der bekannte Teil der Plage. Karen Eßrich geht davon aus, dass es weitaus mehr Kolonien geben könnte. Sie müssen erst noch entdeckt werden.
Wir brauchen eine große Bevölkerungsbeteiligung. Denn nur koordinierte Bekämpfungsmaßnahmen können erfolgreich sein.
Deshalb appelliert die Ameisenkoordinatorin an alle Karlsruherinnen und Karlsruher, die ein Ameisenproblem haben, sich unbedingt über die eingerichtete E-Mail-Adresse ameise@karlsruhe.de an die Stadt zu wenden. Sie verspricht, allen zu antworten, die ihr eine Nachricht schreiben. Es sei wichtig, dass möglichst jeder, der einen Ameisenbefall hat, sich bei der Stadt meldet. Nur so sei es möglich, das echte Ausmaß des Befalls festzustellen, um erfolgreiche Gegenmaßnahmen zu ergreifen.
Diese Arbeit soll bis zum kommenden Frühjahr abgeschlossen sein. Erst danach seine eine effektive Bekämpfung möglich, so Karen Eßrich. Die Stadt bietet Informationen rund um die neuen Ameisenarten auf einer eigenen Homepage.
Sie reisen in Blumentöpfen Einfallstor Bau- und Gartenmärkte? Wie sich invasive Ameisen in der Rheinebene ausbreiten
Sie krabbeln in Kolonnen und verbreiten sich überall. Invasive Ameisen sind von Kehl bis Karlsruhe auf dem Vormarsch. Das Einfallstor sind wahrscheinlich Bau- und Gartenmärkte.
Ameisenbekämpfung: Stadt Karlsruhe rüstet sich
Gleichzeitig verstärkt sich die Stadt technisch und personell. Voraussichtlich im Oktober sollen zwei neue Stellen zur Ameisenbekämpfung besetzt sein. Die neue "Ameisen-Eingreiftruppe" der Stadt erhält für ihre Arbeit ein Heißwasserdampfgerät und das dazugehörige Nutzfahrzeug. Diese Ausrüstung muss ebenfalls noch angeschafft werden, weshalb die Bekämpfung systematisch erst im kommenden Jahr starten kann.
Obwohl die Töpfe leer sind, lässt sich die Stadt für diese Maßnahme einiges kosten: Allein Fahrzeug und Dampfstrahler liegen bei mindestens 120.000 Euro. Die Erfahrungen aus einem Jahr Ameisenbekämpfung in Kehl deuten darauf hin, dass die geplanten Maßnahmen auch in Karlsruhe ein Millionenprojekt werden könnten. Dabei geht es vor allem um Folgeschäden wie unterhöhlte Gehwege oder andere Baumaßnahmen, die in Folge des Befalls anstehen.
Stadt Karlsruhe: Nur koordinierte Maßnahmen können Erfolg haben
Wenn die Maßnahmen gegen die invasiven Ameisen am Ende Erfolg haben sollen, helfen nur kombinierte Bekämpfungsmethoden, berichtet Karen Eßrich. Bei einem Workshop in Kehl haben betroffene Kommunen aus dem ganzen Land neue Anregungen und Ideen gefunden. Vor allem Berichte aus der Schweiz von erfolgreichen Bekämpfungsmaßnahmen gegen Tapinoma Magnum haben auch Karen Eßrich aufhorchen lassen. In Zürich sei es gelungen, eine hektargroße Superkolonie nicht nur einzudämmen, sondern zu vernichten. Das stimme viele Städte im Land hoffnungsvoll, berichtet die Ameisenkoordinatorin.
Wichtig bei allen künftigen Maßnahmen in Karlsruhe: Maßnahmen im öffentlichen Raum, etwas auf Straßen, Gehwegen und Plätzen müssten unbedingt mit privaten Aktionen koordiniert sein. Nur so könnten die invasiven Ameisen eingedämmt werden. Allerdings geht die Ameisenkoordinatorin davon aus, dass eine komplette Ausrottung des Schädlings nicht mehr möglich sei. Vielmehr müsse man lernen, mit den Ameisen zu leben.