Sie reisen in Blumentöpfen

Einfallstor Bau- und Gartenmärkte? Wie sich invasive Ameisen in der Rheinebene ausbreiten

Sie krabbeln in Kolonnen und verbreiten sich überall. Invasive Ameisen sind von Kehl bis Karlsruhe auf dem Vormarsch. Das Einfallstor für Tapinoma Magnum sind wahrscheinlich Bau- und Gartenmärkte.

Teilen

Stand

Von Autor/in Heiner Kunold

Sie heißt Tapinoma Magnum, aber groß ist sie nicht. Sogar eher kleiner als einheimische Ameisen. Groß sind allerdings ihre Nester, denn die invasive Art kann regelrechte Superkolonien gründen. Und sie verbreitet sich offenbar viel schneller als gedacht.

Die Ameisen kommen per Lkw zum Beispiel aus Italien über die Alpen und werden hier, in Blumentöpfen versteckt, an Privathaushalte weitergegeben. Zu diesem Ergebnis kommt der Karlsruher Biologieprofessor Andreas Martens nach Untersuchungen in Gartenmärkten.

Ich war mit meiner Frau in 25 Gartencentern zwischen Bruchsal und Kehl. In acht haben wir den eindeutigen Beleg gefunden, dass dort Tapinoma Magnum vorkommt.

Portraitfoto von Biologieprofessor Andreas Martens. Er untersucht die Ausbreitung von invasiven Ameisen über Garten- und Baumärkte.
Biologieprofessor Andreas Martens untersucht die Ausbreitung von invasiven Ameisen über Garten- und Baumärkte.

Karlsruher Invasionsbiologe ist Tapinoma Magnum auf den Fersen

Andreas Martens kennt sich aus mit invasiven Arten. Er war einer der Wissenschaftler, die sich intensiv mit der invasiven Art Kalikokrebs beschäftigt haben. Nun jagt Martens Tapinoma Magnum. Eine wissenschaftliche Aufarbeitung seiner Recherchen steht noch aus. Aber Stichproben in Gärtnereien und Gartenmärkten rund um Karlsruhe belegen: Die Ameise ist hier angekommen und man kann ihr zusehen, wie sie sich aus dem Gartenmarkt heraus ausbreitet.

Besonders befallen sind mediterrane Gewächse, hat Andreas Martens festgestellt. So sind etwa Oliven, Oleander und Zitruspflanzen betroffen. Tapinoma Magnum hat aber keine Vorlieben. Und je länger ein kleiner Olivenbaum in der Nachbarschaft von einheimischen Gewächsen steht, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese ebenfalls befallen werden.

Der Karlsruher Biologieprofessor Andreas Martens untersucht einen Olivenbaum im Topf auf invasive Ameisen.
Der Karlsruher Biologieprofessor Andreas Martens untersucht einen Olivenbaum im Topf auf invasive Ameisen.

Tapinoma Magnum in Gärtnerei angekommen

In mindestens einer Gärtnerei in Karlsruhe haben die invasiven Eindringlinge bereits ein Nest gebaut. Die Gärtner vor Ort haben das natürlich längst bemerkt. Und sie beschreiben auch, wie Tapinoma magnum einheimische Arten verdrängt. Die sind nämlich plötzlich verschwunden. Das Problem sei erstmals dieses Jahr im Frühling aufgetreten. Seitdem streuen die Gärtner, was das Zeug hält. Aufhalten können sie die Plage allerdings nicht. Wenn eine Stelle erfolgreich bekämpft ist, tauchen die Ameisen nicht weit weg gleich wieder auf.

Und genau das ist das Problem bei Tapinoma Magnum: Sie gründet Superkolonien mit vielen Nestern, die zusammengehören. Das sind dann viele Ameisenvölker und viele Königinnen über eine große Fläche von mehreren hundert Metern verteilt. Die Königinnen können sehr schnell viele neue Königinnen hervorbringen. Die Ameisenvölker von Tapinoma Magnum sind viel größer als die einheimischer Arten. Die Zahlen der Individuen können siebenstellig werden, beschreiben Experten.

Invasive Ameisen der Art Tapinoma Magnum in einem Blumentopf in einer Karlsruher Gärtnerei
Invasive Ameisen der Art Tapinoma Magnum in einem Blumentopf in einer Karlsruher Gärtnerei

Experte: Pflanzen vor dem Kauf genau ansehen

Der Biologe Andreas Martens empfiehlt, sich Pflanzen beim Kauf genau anzusehen. Bei seinen Recherchen hat er befallene Olivenbäume sogar vor einem Supermarkt gefunden. Das Problem ist, dass Laien einheimische Ameisenarten nicht von invasiven Arten unterscheiden können. Tapinoma Magnum Ameisen sind sogar unterschiedlich groß, gehören aber insgesamt zu den eher kleineren Vertretern ihrer Art.

Man kann beim Kauf also nur Vermutungen anstellen, sagt der Biologieprofessor. Es gibt aber eine Methode, die zur Bestimmung beitragen könnte: Wenn man ein Tier der Art Tapinoma Magnum zwischen den Fingern zerreibt, entsteht dabei ein Geruch, der an Lösungsmittel erinnert. Das ist bei einheimischen Arten nicht der Fall.

Entomologe Manfred Verhaagh vom Karlsruher Naturkundemuseum untersucht eine Tapinoma Magnum Kolonie bei der Karlsruher Lutherkirche.
Entomologe Manfred Verhaagh vom Karlsruher Naturkundemuseum untersucht eine Tapinoma Magnum Kolonie bei der Karlsruher Lutherkirche.

Invasive Ameisen in Planzentöpfen: Einfache Methoden der Bekämpfung

Um sicherzugehen, dass ein Pflanzenkäufer die invasiven Ameisen nicht doch unbeabsichtigt nach Hause trägt, empfiehlt der Karlsruher Insektenforscher Manfred Verhaagh eine einfache Methode: das Tauchen von verdächtigen Pflanzen. Containerpflanzen sollten dabei mit dem Wurzelballen für mindestens 24 Stunden in einem Wasserbad versenkt werden. Das könnte den Befall austreiben. Um zu verhindern, dass die Tiere dann über die Wasseroberfläche entkommen, könnte man ein paar Tropfen Spüli in das Wasser geben. Das habe den gleichen Effekt wie bei einer selbstgebauten Fruchtfliegenfalle.

Entscheidend für eine erfolgreiche Bekämpfung ist der Zeitpunkt, zu dem sie startet. Kleine Nester ohne Satelliten sind leichter zu eliminieren, sagt Manfred Verhaagh. Eine Bekämpfung, wie sie zum Beispiel bei der Karlsruher Lutherkirche in der Oststadt nötig wäre, geht dagegen schnell in die Tausende. Außerdem sind hier umfangreiche Maßnahmen nötig, weil sich die Ameisen nicht nur rund um die Kirche breit gemacht haben, sondern bereits in benachbarten Straßenzügen. Auch hier wird eine koordinierte Bekämpfung entscheidend sein für den Erfolg, so Manfred Verhaagh.    

Das Tauchen von verdächtigen oder tatsächlich befallenen Pflanzen könnte gegen invasive Ameisen helfen.
Das Tauchen von verdächtigen oder tatsächlich befallenen Pflanzen könnte gegen invasive Ameisen helfen.
Karlsruhe

Karlsruhe informiert bei Info-Abend "Marathon der Bekämpfung": So geht es weiter mit der Ameisenplage

Welche Lösungen kann es wegen der Ameisenplage in Karlsruhe geben? Die Stadt hat dazu einen Informationsabend für betroffene Bürger veranstaltet. Das sind die Ergebnisse.

SWR4 BW am Morgen SWR4 Baden-Württemberg

Karlsruhe

Bewohner haben sogar Albträume Lästige Ameisen in Karlsruhe: Diese Lösungen empfiehlt ein Experte

Im Karlsruher Stadtteil Knielingen klagen viele Anwohner über starken Insektenbefall. Ameisen haben sich vor allem in Wohnungen in der Lassallestraße breitgemacht.

SWR Aktuell Baden-Württemberg SWR BW

Invasive Ameisen-Art Ameisenplage: Das hilft gegen Tapinoma magnum

Tapinoma magnum kann mit ihren Superkolonien großen Schaden anrichten. Die invasive Ameisen-Art breitet sich in Deutschland aus.

Marktcheck SWR

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Heiner Kunold
Das ist Heiner Kunold

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!