Unter der Spüle, auf der Terrasse und sogar im Bett: Bei Ehepaar Franz waren die Insekten überall in der Wohnung. Inzwischen haben die beiden einigermaßen Ruhe vor den Tierchen. Es war allerdings ein langer Weg dahin. Andere Bewohnerinnen und Bewohner des Mehrfamilienhauses haben da weniger Glück, bei ihnen krabbelt es immer noch in der Wohnung. Das ist nicht nur unangenehm, sondern die Bekämpfung auch zeitaufwendig.
Ameisen haben sich in Wohnungen eingenistet
Eine Bewohnerin erzählt, dass sie nachts bis zu dreimal aus dem Bett steigt, um Ameisenköder neu zu bestücken. Außerdem rückt sie den Insekten mit Flächendesinfektionsmittel zu Leibe. "Das hilft noch am besten gegen die Ameisen", erklärt sie.
Dennoch: Ihre Wohnung ist gezeichnet von den Tieren. In jedem Zimmer sind Spuren zu finden: Tote Ameisen auf Klebestreifen, verfugte Ritzen und Spalten oder Schalen mit Essig. Am schlimmsten ist es an den Fenstern. Dort tummeln sich die Tiere auf der Außenseite des Simses.
Die Situation belastet die Bewohnerin sehr. Sie habe sogar über einen Umzug nachgedacht, so schlimm sei es. Damit ist sie im Haus nicht allein. Eine weitere Bewohnerin erzählt, dass sie sogar von den Ameisen träumt. Teilweise gehe die Angst so weit, dass sie im Schlaf um sich schlagen würde, um die Tiere zu vertreiben, berichtet ihr Partner.
Ameisenplage in Karlsruhe: Woher kommen die Tiere?
Auch auf dem Gehweg wuseln in Karlsruhe-Knielingen die Insekten. "Das Problem besteht seit Jahren. So schlimm wie aktuell ist es aber noch nie gewesen", erzählt eine Hausbewohnerin. Ursache des Problems ist mitunter, dass die Tiere inzwischen ihre eigenen Kolonien gegründet haben. Besonders betroffen sind die Bäume am Straßenrand der Wohngegend, sie werden zu regelrechten "Ameisen-Highways".
Die Anwohner wissen sich nicht mehr zu helfen und nehmen die Stadt in die Pflicht. Für die privaten Grundstücke sind die Kommunen allerdings nicht zuständig. "Ohne Mithilfe der Stadt wird es aber wohl nicht gehen", stellt Manfred Verhaagh, ehemaliger Leiter der Entomologie im Naturkundemuseum Karlsruhe, fest. Inzwischen seien die Insekten einfach zu großflächig verteilt, um das Problem nur lokal zu beheben.
In Knielingen handelt es sich um die vergessene Wegameise (Lasius neglectus). Eigentlich ist die Art in der Region um das Schwarze Meer beheimatet. Laut dem Experten passiert es gerade in Gartencentern, dass die Ameise mit Pfanzen wie zum Beispiel Olivenbäume eingeschleppt werden. Von da breiteten sie sich dann schnell aus.
Ameisen den Weg versperren: So geht es
Der Insektenexperte Manfred Verhaagh hat einige Tipps parat, wie die Anwohner ihre Wohnungen gegen die Ameisen schützen können. So empfiehlt er, mögliche Eingänge der Ameisen zu verstopfen oder abzukleben. Besonders betroffen sind Fenster, Balkon- oder Terrassentüren sowie Anschlüsse im Badezimmer oder der Küche. Zum Verschließen empfiehlt Verhaagh Silikon oder Bauschaum. Außerdem würden diverse Abschreckungsmittel helfen:
- Essigwasser
- Zimt
- Geraniol: ein natürlicher Wirkstoff, der im Baumarkt erhältlich ist
Er betont allerdings auch, dass die Abschreckungsmittel keine dauerhafte Lösung sind. Wichtig sei außerdem, dass in der Wohnung kaum Abfälle oder Biomüll für die Tiere zu finden sind.
Ameisen schon in der Wohnung: Was dann?
Was aber machen, wenn es zu spät ist und die Tiere schon in der Wohnung sind? Auch da hat Verhaagh Ansätze parat. So sei es sinnvoll, Barrieren gegen die Tiere zu legen, beispielsweise mit einem feinen Pulver aus Kieselalgen. Auch Vaseline kann helfen. Ein Klecks davon auf die Stelle, die die Tiere als Weg benutzen und die Ameisen haben es schwerer.
Das richtige Bekämpfen der Ameisen sollten die Betroffenen aber dennoch den Kammerjägern überlassen. Diese können auf Mittel zugreifen, die man nur mit einer Bescheinigung bekommt.