Bäume können wie Menschen krank werden. Bei Menschen kommt dann der Arzt. Bei Bäumen sind es die Baumkontrolleure und die Baumkletterer. In Karlsruhe gibt es eine eigene Abteilung beim Gartenbauamt. 34 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kümmern sich das ganze Jahr über um die 135.000 Bäume in der Stadt. Das sei wichtig, denn eine Stadt und Bäume gehöre zusammen und ohne die Baumkletterer würde Gefahr drohen, sagt Moritz Heintze, Abteilungsleiter für Sonderbezirke beim Gartenbauamt.
Morgens im Zoo von Karlsruhe: Hier gibt es exotische Tiere, bunte Blumenbeete und alte Baumriesen. Moritz Heintze trifft sich mit seinen Mitarbeitern an ein paar Parkbänken. Die stehen schön schattig unter Bäumen mit Blick auf den Zooteich. Über den Bänken breiten verschieden Arten von Ahornbäumen ihre Äste aus. Ein grünes Dach, aber geschulte Augen sehen die Gefahr. Manche der Äste sind abgestorben.
Abgestorbene Äste: schwer zu sehen, aber gefährlich
An sich ist dieses Totholz kein Problem. Doch beim nächsten Windstoß könnten diese Zweige abbrechen. Wenn ein etwa unterarmdicker Ast aus großer Höhe fällt, kann das schwere Verletzungen verursachen. Deswegen sind die Baumkletterer vom Gartenbauamt das ganze Jahr unterwegs.
Zunächst wird vom Boden aus kontrolliert. Der Umfang wird gemessen, die Höhe und dann wird die Rinde abgeklopft. Klingt es irgendwo hohl oder gibt es andere auffällige Stellen. Wenn dabei etwas auffällt, wird es auf einer digitalen Karte festgehalten. Dann kommen Baumkletterer ins Spiel, so wie Matthias Schmitt und Marco Dummler.
Baum-Pflege ist wichtig für Sicherheit und Stadt Karlsruhe
Zunächst müssen die Baumkletterer ein Seil auf den Baum werfen. Geeignet sind dafür Baumgabeln hoch oben in der Krone. Beide Enden des Seils hängen nun am Stamm herunter, das eine wird am Boden befestigt, an das andere hängen sich die Baumkletterer. Dann geht es hoch hinaus. Manche kleinen toten Äste knicken die beiden einfach im Vorbeiklettern ab.
Für dickeres Totholz brauchen sie eine kleine Säge, manchmal sogar eine Motorsäge. Die Ruhe am Morgen wird immer wieder von "ACHTUNG"-Rufen und danach von dumpfen Aufschlägen der fallenden Äste unterbrochen.
In den letzten Jahren ist für die Baumkletterer immer mehr zu tun. Denn durch den Klimawandel wird es immer heißer und trockener. Für heimische Bäume ein immer größer werdendes Problem.
Gerade durch die ganzen trockenen Sommer und die trockenen Frühjahre geht es den Bäumen einfach nicht gut. Trotzdem ist uns allen klar, der Baumbestand ist wichtig für uns. Für das Stadtklima spenden sie Schatten, durch die Transpiration haben wir Kühlung. Es ist ein Naturerlebnis. Es ist etwas Schönes und von daher wird es immer Bäume in Städten geben.
Im Job hoch hinaus: Baumkletterer müssen schwindelfrei sein
Eine weitere Einschränkung: Nicht jeder Mensch ist schwindelfrei, also geeignet für den Job. Denn das brauche es, um wie Tarzan an einer Liane von Ast zu Ast zu schwingen, gerne mal zehn Meter über dem Boden. Wenn es dann noch windig, rutschig vom Regen oder kalt ist, könne der Knochenjob auch schnell mal gefährlich werden.
Trotzdem liebt hier jeder seinen Job. Marco Dummler kommt sogar richtig ins Schwärmen, denn der Ausblick ist eigentlich immer super.
Gerade im Herbst morgens, wenn du am Rhein oder an der Pfinz entlang aufsteigst und noch Nebel ist, Sonnenaufgang, da gibt es schon ein paar sehr, sehr romantische Plätze [...] Baum-Pfleger-Romantik nennt man das dann auch gerne.
Künstliche Intelligenz beim Bäumeprüfen
Momentan kann keine Maschine diese Arbeit übernehmen. Aber es gebe erste Versuche mit KI und Drohnen, die Bäume untersuchen können. Moritz Heintze vom Gartenbauamt glaubt, dass es in Zukunft bestimmt mehr Hilfe von einer KI in ihrem Bereich geben wird und die Baumkontrolle und -pflege revolutionieren wird. Bis dahin steigen sie weiter auf - das ganze Jahr über - für die Sicherheit und das Klima in und um Karlsruhe.