Von Richard Schmidts Terrasse in Elchesheim-Illingen (Landkreis Rastatt) aus geht der Blick wortwörtlich ins Grüne. In seinem Naturgarten darf alles wachsen, wie es den Blumen und Pflanzen gefällt. Doch in den vielen kleinen Schalen, die die Terrasse einrahmen, herrscht Ordnung im Mini-Format. Denn der 71-Jährige ist begeisterter Bonsai-Liebhaber - für heimische Pflanzen.
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Mini-Ficus im Jugendalter war Startschuss für Bonsai-Liebe
Bereits im Jugendalter hat Richard Schmidt von seinen Eltern einen Mini-Ficus bekommen. Und dieser existiert heute noch. Der Bonsai-Benjamini ist wahrscheinlich inzwischen so alt wie er selbst. Das genaue Alter kennt der Bonsai-Gärtner allerdings nicht.
Alles, was lebt, bekommt eine Chance.
Grundsätzlich bekommt bei Richard Schmidt jeder Setzling eine Chance ein Bonsai zu werden. Manches bleibt ein Experiment, manche werden zu ausgewachsenen Bonsai-Bäumchen. Erst vor wenigen Tagen hat er ein neues Mini-Pflänzchen in eine Bonsai-Schale gepflanzt.
Trimmen, Schnippeln, Pflegen - Bonsai-Bäumchen bekommen viel Aufmerksamkeit
Er könne keine Pflanze, die noch ein bisschen Grün hat, wegwerfen, sagt Richard Schmidt. Von einem klassischen Bonsai-Züchter für japanische Pflanzen aus dem Schwarzwald ließ er sich vor Jahren inspirieren. Doch er interessierte sich mehr für heimische Baumarten. Seitdem wächst bei ihm Ahorn, Pappel, Birke oder Eibe im Mini-Format.
Und die Bäumchen wollen regelmäßig gepflegt werden.
Das ist keine Arbeit für mich. Da vergesse ich vollkommen die Zeit.
Jede Schale braucht eine Abflussmöglichkeit, so Richard Schmidt. Manchmal nutzt er einen Metallstift, um vorsichtig ein Loch in den Boden zu hauen. Und dann kommt es darauf an die Schale mit den richtigen Materialien zu füllen, in denen sich die Minis wohlfühlen.
Grüner Daumen? Nein! Aber Liebe zu Bonsais
"Ich hab mit Gärtnerei nix zu tun. Tomaten gehen bei mir schneller kaputt, als ich sie pflanzen kann," lacht Richard Schmidt. Auch bei seinen Bonsais erhebt er keinen wissenschaftlichen Anspruch, wie er sagt.
Alles, was bei uns wächst und Spaß macht, pflanze ich - allerdings im Kleinformat.
Als passionierter Angler liegen dem 71-Jährigen die Rheinauen und die dortige Pflanzenwelt besonders am Herzen. Wenn Kinder seine Mini-Bäumchen anschauen, hofft er immer, dass sie auch draußen auf Entdeckungstour gehen, um die Bäume in groß zu finden.
Elchesheim-Illingen: Garten als Zuflucht für Tier- und Pflanzenwelt
Bei den Bonsais von Richard Schmidt hat alles seine Ordnung. In jeder Schale liegt ein Stein oder eine Murmel. Die zeigt an, wo bei dem Bonsai vorne und wo hinten ist. Denn hinten soll das Grün etwas dichter sein, als vorne. Im restlichen Garten, darf es allerdings auch bewusst unordentlich sein. Die Pflanzen dürfen wachsen, wie es ihnen passt. Schmetterlingsflieder, Weinreben und jede Menge Kakteen haben hier ihr Zuhause. Und auch die Insektenwelt fühlt sich beim badischen Bonsai-Züchter offenbar richtig wohl.
Seit einiger Zeit hat der Finanzberater auch einen Bienenstock und die erste Ernte hat ihn selbst überrascht. Aus zwei Bienenkästen haben er und seine Lebenspartnerin rund 30 Kilo Honig geschleudert. Und ans Aufhören, denkt Richard Schmidt noch lange nicht. Schließlich entdeckt er jeden Tag aufs Neue Pflanzen, die bei ihm vielleicht auch im Bonsai-Format wachsen könnten.