Interview mit einem Bombenentschärfer

Experte über die 1,8-Tonnen-Bombe in Pforzheim: "Das ist nichts Alltägliches!"

Am Sonntag soll in Pforzheim eine Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft werden. Für Mathias Peterle vom Kampfmittelbeseitigungsdienst ist diese Bombe eine besondere Herausforderung.

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Bei Bauarbeiten wurde in Pforzheim eine Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden. Für die Entschärfung müssen mindestens 27.000 Menschen ihre Wohnungen verlassen. Bei der Bombe handelt es sich um ein 1,8 Tonnen schweres Exemplar. Mathias Peterle vom Kampfmittelbeseitigungsdienst Baden-Württemberg über die besondere Herausforderung.

SWR Aktuell: Herr Peterle, 1,8 Tonnen wiegt die Bombe. Was wissen Sie sonst darüber?

Bei dem Fundobjekt handelt es sich um eine HC-4000 mit einem Füllgewicht von 1,3 Tonnen Sprengstoff. Es ist für uns nicht alltäglich, dass wir so ein Kampfmittel finden. Das letzte Mal war 2009. Für uns bedeutet es, dass wir bei diesem Typ zwei, beziehungsweise drei Zünder entfernen müssen.

SWR Aktuell: Ist es ein seltener Fund und auch ein großer Fund?

Genau, diese Bomben sind nicht ganz so häufig, wie die Standardgrößen, die wir sonst haben, also mit fünf Zentnern oder zehn Zentnern. Tatsächlich ist das für uns nichts Alltägliches.

SWR Aktuell: Wie ist das mit der Entschärfung? Gilt denn: je größer die Bombe, desto schwieriger?

Das ist tatsächlich in diesem Fall nicht so. Es ist ein größerer Aufwand für die Polizeibehörden, weil man einen größeren Sicherheitsradius stellen muss, allein geschuldet der großen Sprengkraft. Die Zündsysteme sind die gleichen, wie in den anderen Bomben, sodass im Prinzip für uns nichts schwieriger wird, obwohl mehr Sprengstoff drin ist.

Der Fundort der 1,8 Tonnen schwere Weltkriegsbombe auf einer Baustelle in der Pforzheimer Oststadt.
Der Fundort der 1,8 Tonnen schwere Weltkriegsbombe auf einer Baustelle in der Pforzheimer Oststadt.

SWR Aktuell: Wie viele Zünder haben Sie bei "gewöhnlichen Bomben" und was ist der Unterschied zu dieser?

Bei den normalen Abwurfbomben, sprich Sprengbomben, ist es so, dass sie jeweils eine Kopf- und Heckbezünderung haben oder nur Kopf- oder nur Heckbezünderung. In diesem Fall ist es so, dass das Kampfmittel drei Kopfzünder hat. Es ist für mich, beziehungsweise für unser Team außergewöhnlich, dass wir dreimal Hand anlegen und Zünderteile entfernen oder vielleicht die Buchsen ausbauen müssen.

SWR Aktuell: Sie machen das schon lange. Ist man da noch aufgeregt oder ist das mittlerweile komplette Routine?

Es ist für mich und für die meisten im Team das erste Mal, dass wir so eine große Bombe entschärfen. Aber tatsächlich ist es für uns so, dass die Zünder das Brisante sind und diese Zünder sind uns bekannt. Jeder von uns hat die schon zigmal ausgebaut. Von daher ist es nichts Neues und nichts, was uns in Unruhe versetzen würde.

SWR Aktuell: Bis Kriegsende hatte die britische Royal Air Force insgesamt 68.000 Bomben dieses Typs abgeworfen. Die Bomben wurden von den Briten auch zynisch "Cookie", also Keks, oder auch "Blockbuster," also Wohnblockknacker genannt. Was heißt denn das für den Fundort? Wie wird der abgesichert?

Wir haben einen Großteil tatsächlich mit 1,5 Kilometern Evakuierungsradius abgedeckt. In einem bestimmten Bereich in Richtung eines Klinikums hat man jetzt angefangen, Sicherungsbauarbeiten durchzuführen, um mit Containern zusätzliches Sicherheitspotenzial herzustellen.

SWR aktuell: Was würde es denn bedeuten, wenn man die Bombe nicht entschärfen kann und dann sprengen müsste?

Das Gute ist: Sprengen fällt nahezu aus bei diesem Bombentyp. Weil wir immer die Möglichkeit haben, wenn wir die Zünder nicht entfernen können, die Buchsen zu entfernen. Und das hat bis jetzt eigentlich immer gut funktioniert. Ich gehe zu 99,9 Prozent davon aus, dass wir nicht sprengen müssen. Die Arbeiten werden wahrscheinlich eine halbe, dreiviertel Stunde dauern, wenn alles so läuft, wie wir uns das vorstellen.

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Erstmals publiziert am
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Autor/in
Felix Zink
Profilbild des SWR-Aktuell Redakteurs Felix Zink
Mathias Zurawski
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