In der Pforzheimer Oststadt ist am Sonntagnachmittag ein 1,8 Tonnen schwerer Blindgänger entschärft worden. Die Evakuierung des Gebiets betraf 27.000 bis 30.000 Menschen und gehörte zu den größten Maßnahmen der vergangenen Jahre deutschlandweit.
- Entschärfung der 1,8 Tonnen schweren Weltkriegsbombe erfolgreich
- Mehrstündige Evakuierungsaktion mit Herausforderungen
- 900 Menschen in vier Notunterkünften untergekommen
- Unterstützung aus dem ganzen Land bei Evakuierung
- Um welche Art Bombe hatte es sich gehandelt?
Entschärfung der 1,8 Tonnen schweren Weltkriegsbombe erfolgreich
Um kurz nach 15 Uhr bestätigte die Feuerwehr Pforzheim, dass die Entschärfer die drei Zünder der 1,8 Tonnen schweren Weltkriegsbombe unschädlich gemacht haben. Die Entschärfung habe nur rund 15 Minuten gedauert und sei problemlos verlaufen, so ein Stadtsprecher. Anwohner durften anschließend wieder zurück in ihre Häuser und Wohnungen.
Oberbürgermeister Peter Boch (CDU) bedankte sich im Nachgang bei allen beteiligten Einsatzkräften ausdrücklich für ihren Einsatz. Die erfolgreiche Entschärfung habe eindrucksvoll gezeigt, wie professionell und engagiert alle Beteiligten zusammengearbeitet hätten.
Unser ausdrücklicher Dank gilt den Einsatzkräften, den vielen Helferinnen und Helfern sowie allen Bürgerinnen und Bürgern, die die notwendigen Maßnahmen mit Verständnis unterstützt und den Anweisungen Folge geleistet haben.
Mehrstündige Evakuierungsaktion mit einigen Herausforderungen
Seit 8 Uhr am Sonntagmorgen waren 200 Polizistinnen und Polizisten unterwegs im Evakuierungsgebiet und haben kontrolliert, ob sich dort noch jemand aufhält. Gegen 14:30 Uhr war das Gebiet vollständig überprüft. Auch Polizeidrohnen hatten zuvor das Gebiet überflogen.
Zwischenzeitlich hatte die Räumung von Pflege- und Altenheimen für Verzögerungen gesorgt. Einzelne Anwohner hatten sich kurzzeitig geweigert, ihre Wohnungen zu verlassen. Es wurden laut Polizei sieben Platzverweise erteilt. Größere Zwischenfälle blieben aber aus.
Der Messplatz diente den rund 1.500 Einsatzkräften aus Pforzheim, dem Enzkreis und dem ganzen Land als Anlaufstelle und war für alle anderen gesperrt.
Am Enzufer, außerhalb der Sperrzone, vertrieben sich einige Pforzheimerinnen und Pforzheimer die Zeit und genossen den Sonnenschein.
Ich konnte heute morgen nicht ausschlafen. Das war schlecht. Jetzt sitze ich am Enzufer und als ich hierher kam, waren sogar noch die Enten am Schlafen.
Musikalisch wurde es am Enzufer unter einer Brücke. Kurzerhand hatte Kevin Tietze sein DJ-Set aufgebaut und lud die gestrandeten Anwohner zum Tanzen ein.
900 Menschen in vier Notunterkünften
Am Sonntagmittag bilanzierte die Stadt, dass rund 900 Anwohner in vier Notunterkünften untergekommen sind. Die Jahnhalle mit 400 Plätzen war bereits um kurz nach 8 Uhr voll belegt. Drei weitere Hallen standen zur Verfügung. Die Menschen wurden dort unter anderem von Helfern des DRK betreut und versorgt.
Unterstützung aus dem ganzen Land bei Evakuierung
Bei der umfangreichen Evakuierungsaktion unterstützten Hilfsdienste aus dem ganzen Land. Auch Kräfte aus der Stadt und dem Landkreis Karlsruhe wurden angefordert, so Michaela Hofmann von der Feuerwehr Karlsruhe. In den frühen Sonntagmorgenstunden machten sie sich auf den Weg von Karlsruhe nach Pforzheim.
Im Einsatz seien 21 Fahrzeuge mit 66 Einsatzkräften vom Deutschen Roten Kreuz, Malteser Hilfsdienst, Johanniter-Unfall-Hilfe sowie Arbeiter-Samariter-Bund aus Stadt und Landkreis Karlsruhe. Die Kräfte übernahmen demnach insbesondere Aufgaben im Bereich Transport, Betreuung und Unterstützung der Evakuierungsmaßnahmen.
Der Pflegestift Pforzheim war gut vorbereitet. Die 72 Bewohner kamen am Morgen in ihr Ausweichquartier nach Birkenfeld. Es sei keine alltägliche Situation, aber die vielen Mitarbeiter waren sofort bereit einzuspringen, so Karsten Trezl vom Pflegestift Pforzheim. Auch das Abschiebegefängnis war betroffen. Gefängnisbusse aus anderen JVAs holten die Häftlinge am Morgen ab.
Um welche Art von Bombe hat es sich gehandelt?
Bei der Bombe handelte es sich nach Angaben von Mathias Peterle vom Kampfmittelbeseitigungsdienst Baden-Württemberg um die Luftmine des Typs HC 4000, die von der britischen Royal Air Force während des Zweiten Weltkrieges in Pforzheim abgeworfen wurde. Die Briten bezeichneten diesen Typ zynisch als "Blockbuster", also Wohnblockknacker. Sie wog 1,8 Tonnen und hatte eine Sprengkraft von 1,35 Tonnen.
Das Besondere an der Bombe sei, dass sie über drei Zünder verfüge, die allesamt am Sonntag entschärft werden müssen. Auch wenn diese Bombe eher selten gefunden werde, so seien die Zünder dem Kampfmittelräumdienst bekannt.