"Für den Verein ist es fünf nach zwölf"

Drohende Insolvenz überrollt neuen Vorstand des Fußballvereins GU-Türkischer SV Pforzheim

Erst Ermittlungen wegen Geldwäsche, nun massive Steuerschulden: Dem Fußballverein GU-Türkischer SV Pforzheim droht ein Insolvenzverfahren. Der neue Vorstand steht vor großen Herausforderungen.

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Von Autor/in Fabiola Germer

Rund um den Fußballverein GU-Türkischer SV Pforzheim bleibt es unruhig: Nach Angaben des Vereinsvorstands hat das Finanzamt einen Insolvenzantrag beim zuständigen Amtsgericht gestellt. Zuerst hatten die Badischen Neuesten Nachrichten über den Fall berichtet.

Fußballverein aus Pforzheim droht Insolvenz

Das Amtsgericht in Pforzheim hat auf SWR-Nachfrage das Vorliegen des Insolvenzantrags bestätigt. "Das Insolvenzgericht hat zur Ermittlung, ob ein Insolvenzgrund vorliegt, die Einholung eines Sachverständigengutachtens angeordnet", so ein Sprecher des Gerichts. Ein Insolvenzverwalter stehe noch nicht fest.

Bei den Schulden soll es sich nach Angaben des zweiten Vorsitzenden des Verbandsligisten Florian Thanner um Lohnsteuerschulden handeln. Der Verein und seine Vorgänger hätten in den letzten sechs Jahren keine Steuererklärung abgegeben, so Thanner gegenüber dem SWR. Außerdem sei dem Verein die Gemeinnützigkeit wegen der Schulden abgesprochen worden. Die Vorgänger haben sich laut Thanner nicht darum gekümmert.

Eine ganz normale Arbeit für einen Verein, damit er überlebt, damit er besteht und damit er auf gesunden Füßen steht - das wurde alles versäumt.

Ihm selbst gehe es mit der Situation gerade eher "bescheiden", so das Vorstandsmitglied. Er hat das Amt des zweiten Vorsitzenden erst Ende April angenommen. Doch dass die Situation des Vereins so schlimm ist, habe er nicht gewusst.

Pforzheim

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Schulden waren erst mal keine Überraschung

Für den neuen Vorstand des Vereins seien die derzeitigen Herausforderungen eine Überraschung gewesen, so Thanner. Als er sich dazu entschieden hatte, den Posten als zweiter Vorsitzender im April anzunehmen, hätten die Vorgänger von Schulden in Höhe von 30.000 bis 50.000 Euro gesprochen.

Wir wussten von kleinen Verbindlichkeiten, aber dass die jetzt so groß ausfallen, das wussten wir nicht.

Wie groß die Schulden tatsächlich sind, wollte das Vorstandsmitglied wegen des laufenden Verfahrens nicht sagen. Die Badischen Neuesten Nachrichten schreiben von fast 200.000 Euro.

Aufarbeitung gestaltet sich mühsam

Für den Verein sei es momentan "fünf nach zwölf" sagt der zweite Vorsitzende. Die Aufarbeitung mit den Vorgängern gestalte sich schwierig. Er versuche derzeit mit dem ersten Vorsitzenden Halit Cömez das Ruder noch herumzureißen.

Die derzeitigen Herausforderungen des Vereins wirken sich auch auf das Sportliche aus. Wegen Spielermangels konnte der Verein die vergangene Begegnung in der Verbandsliga gegen die TSG Weinheim nicht bestreiten. Auch gegen den 1. FC Bruchsal werde die GU am kommenden Wochenende nicht antreten, so Florian Thanner. Zu wenige Spieler stünden für die Partie bereit, sagte er. "Es gibt einige Verletzte, und ein paar Spieler sind jetzt auch schon im Urlaub." Auf die Frage, ob es auch daran liege, dass der Verein Spieler nicht bezahlen konnte, bestätigte Thanner: "Es gibt ausstehende Zahlungen."

Wir versuchen alles dranzusetzen, dass die GU weitermacht.

Wie es mit dem Verein weitergeht, ist noch nicht klar. Derzeit könne man nur zuschauen und mit den Behörden in Kontakt bleiben, betont Thanner.

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