Rund um den Fußballverein GU-Türkischer SV Pforzheim bleibt es unruhig: Nach Angaben des Vereinsvorstands hat das Finanzamt einen Insolvenzantrag beim zuständigen Amtsgericht gestellt. Zuerst hatten die Badischen Neuesten Nachrichten über den Fall berichtet.
Fußballverein aus Pforzheim droht Insolvenz
Das Amtsgericht in Pforzheim hat auf SWR-Nachfrage das Vorliegen des Insolvenzantrags bestätigt. "Das Insolvenzgericht hat zur Ermittlung, ob ein Insolvenzgrund vorliegt, die Einholung eines Sachverständigengutachtens angeordnet", so ein Sprecher des Gerichts. Ein Insolvenzverwalter stehe noch nicht fest.
Bei den Schulden soll es sich nach Angaben des zweiten Vorsitzenden des Verbandsligisten Florian Thanner um Lohnsteuerschulden handeln. Der Verein und seine Vorgänger hätten in den letzten sechs Jahren keine Steuererklärung abgegeben, so Thanner gegenüber dem SWR. Außerdem sei dem Verein die Gemeinnützigkeit wegen der Schulden abgesprochen worden. Die Vorgänger haben sich laut Thanner nicht darum gekümmert.
Eine ganz normale Arbeit für einen Verein, damit er überlebt, damit er besteht und damit er auf gesunden Füßen steht - das wurde alles versäumt.
Ihm selbst gehe es mit der Situation gerade eher "bescheiden", so das Vorstandsmitglied. Er hat das Amt des zweiten Vorsitzenden erst Ende April angenommen. Doch dass die Situation des Vereins so schlimm ist, habe er nicht gewusst.
Beweismittel und Bargeld sichergestellt Zwei Männer in U-Haft: Verdacht der Geldwäsche beim Fußballverein GU-Türkischer SV Pforzheim
Im Raum Pforzheim sind am Donnerstag zehn Gebäude durchsucht worden, zwei Männer sitzen in Untersuchungshaft. Bereits im Februar geriet der Fußballverein GU-Türkischer SV Pforzheim ins Visier der Ermittler.
Schulden waren erst mal keine Überraschung
Für den neuen Vorstand des Vereins seien die derzeitigen Herausforderungen eine Überraschung gewesen, so Thanner. Als er sich dazu entschieden hatte, den Posten als zweiter Vorsitzender im April anzunehmen, hätten die Vorgänger von Schulden in Höhe von 30.000 bis 50.000 Euro gesprochen.
Wir wussten von kleinen Verbindlichkeiten, aber dass die jetzt so groß ausfallen, das wussten wir nicht.
Wie groß die Schulden tatsächlich sind, wollte das Vorstandsmitglied wegen des laufenden Verfahrens nicht sagen. Die Badischen Neuesten Nachrichten schreiben von fast 200.000 Euro.
Aufarbeitung gestaltet sich mühsam
Für den Verein sei es momentan "fünf nach zwölf" sagt der zweite Vorsitzende. Die Aufarbeitung mit den Vorgängern gestalte sich schwierig. Er versuche derzeit mit dem ersten Vorsitzenden Halit Cömez das Ruder noch herumzureißen.
Die derzeitigen Herausforderungen des Vereins wirken sich auch auf das Sportliche aus. Wegen Spielermangels konnte der Verein die vergangene Begegnung in der Verbandsliga gegen die TSG Weinheim nicht bestreiten. Auch gegen den 1. FC Bruchsal werde die GU am kommenden Wochenende nicht antreten, so Florian Thanner. Zu wenige Spieler stünden für die Partie bereit, sagte er. "Es gibt einige Verletzte, und ein paar Spieler sind jetzt auch schon im Urlaub." Auf die Frage, ob es auch daran liege, dass der Verein Spieler nicht bezahlen konnte, bestätigte Thanner: "Es gibt ausstehende Zahlungen."
Wir versuchen alles dranzusetzen, dass die GU weitermacht.
Wie es mit dem Verein weitergeht, ist noch nicht klar. Derzeit könne man nur zuschauen und mit den Behörden in Kontakt bleiben, betont Thanner.
215.000 Euro im Gepäck - Verdacht auf Geldwäsche "Es gab keine Koffer voller Geld": Fußballverein GU-Türkischer SV Pforzheim zu den Vorwürfen
Am Stuttgarter Flughafen stellte der Zoll bei der Ausreise des Pforzheimer Fußballvereins 215.000 Euro Bargeld sicher. Jetzt bezieht der Vorstand zu den Vorwürfen Stellung.
Vorwurf der Geldwäsche und Verhaftungen
29 Mitglieder des Vereins waren Anfang Februar am Stuttgarter Flughafen kontrolliert worden, als sie in die Türkei ins Trainingslager reisen wollten. Dabei hatten Mitglieder des Vereins Bargeld in Höhe von rund 215.000 Euro bei sich. Das Geld sollte vermutlich in die Türkei geschafft werden.
Im März dieses Jahres hat die Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart mitgeteilt, gegen den Fußballverein zu ermitteln. Es steht der Verdacht der Geldwäsche im Raum. Zwei Hauptbeschuldigte waren damals in Untersuchungshaft gekommen. Laut der Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart sind die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen.