Dass sich in der Region Rastatt die giftige Chemikalie PFAS in Böden und im Grundwasser findet, ist seit Längerem bekannt. Mit dem Grundwasser sind aber automatisch auch die Badeseen betroffen.
Zunächst ist das kein großes Problem. Bedenklich wird es nur, wenn beispielsweise Kinder beim Schwimmen aus Versehen Wasser schlucken. Das passiert meist ganz automatisch. So schluckt ein Kind beim Schwimmen im Baggersee schätzungsweise ein Trinkglas Wasser pro Tag.
Das Landratsamt Rastatt warnt vor PFAS im Wasser
Für den Badesee Weitenung bei Bühl gibt es seit diesem Jahr eine Empfehlung des Rastatter Landratsamts: Kinder unter zehn Kilogramm Körpergewicht sollen dort nur etwa fünfzigmal pro Saison baden. In jedem Liter Seewasser finden sich etwa 0,9 Mikrogramm der Chemikalie PFAS. In den vergangenen Jahren war der Wert noch niedriger. Nun gibt es eine offizielle Empfehlung.
Aber auch bei den anderen Badegästen sorgt das Thema PFAS in Weitenung für Unruhe. Die Jugendlichen Marvin Weinert und Luis Monsberger sind mit einem aufblasbaren Paddelboot am See. Aber schwimmen wollen sie auch.
Wir achten auf jeden Fall darauf, dass wir beim Schwimmen kein Wasser schlucken.
Am wenige Kilometer entfernten Kühlsee bei Baden-Baden ist das Problem mit der PFAS-Belastung schon seit vielen Jahren bekannt. Dort liegt die Belastung bei etwa 0,5 Mikrogramm pro Liter. 2020 wurde dort trotz dieser chemischen Belastungen ein Strandbad gebaut. Das Schwimmen gilt dort zwar ebenfalls als unbedenklich, aber auch hier sollte das versehentliche Schlucken von Seewasser vermieden werden - nicht alle Badegäste wissen das.
Mir war das Problem nicht bewusst, aber was will man machen? Chlorwasser im Schwimmbad ist ja auch nicht gesund.
PFAS in Badesee: Bloßer Hautkontakt ist unbedenklich
Die Chemikalie PFAS könnte in den Körper gelangen, wenn man größere Mengen Wasser verschluckt. Das ist besonders bei Kindern problematisch. Der bloße Hautkontakt mit der Chemikalie ist allerdings unbedenklich. Das Landratsamt hat engmaschige Kontrollen der Wasserqualität angekündigt.
Die PFAS-Werte am Kühlsee sind nach Angaben des Landratsamts stabil. Am Weitenunger Badesee hingegen steigen die Werte. Das Problem: Konkrete Grenzwerte für Badeverbote gibt es derzeit von Behördenseite nicht. Die jetzt veröffentlichten Warnungen stützen sich auf Empfehlungen, wie sie im Nachbarland Bayern gelten. Die Richtlinien stehen in direktem Zusammenhang mit dem Körpergewicht einer Person.
Klärschlämme waren mit PFAS belastet
Die Chemikalie PFAS kam vor vielen Jahren durch mit Klärschlämmen aus der Papierindustrie verunreinigten Kompost auf Äcker und Böden und sickerte von dort ins Grundwasser. Im Grundwasser breitet sich das Gift unterirdisch aus und bildet eine sogenannte Fahne im Wasser.
Da die Badeseen in der Regel auch von Grundwasser gespeist werden, treten auch dort Verunreinigungen auf. Die Behörden rechnen damit, dass in Zukunft auch weitere Badeseen von der PFAS-Problematik betroffen sein könnten.