Kritik an Ladetarifen und Bezahlarten

Zu teuer, zu kompliziert? 70 E-Auto-Fahrer bei Demo vor EnBW

Rund 70 E-Auto-Fahrer demonstrierten am Donnerstag vor der EnBW-Firmenzentrale in Karlsruhe. Grund dafür seien laut Organisator undurchsichtige Ladetarife und Bezahlarten der EnBW.

Teilen

Stand

Von Autor/in Hannah Radgen

"Schluss mit dem Tarifchaos!" - Das forderten rund 70 Demonstranten am Donnerstagnachmittag vor der EnBW-Firmenzentrale in Karlsruhe. Sie waren mit ihren E-Autos auf dem Karlsruher Messplatz vorgefahren. Am selben Tag fand auch die EnBW-Hauptversammlung statt.

Am Donnerstag demonstrierten E-Auto-Fahrer in Karlsruhe wegen vermeintlich undurchsichtiger Ladetarif- und Bezahlarten nahe der EnBW-Firmenzentrale.
Gegen 14 Uhr trafen sich die Demonstranten am Donnerstag auf dem Karlsruher Messplatz und gingen im Anschluss mit Schildern zur EnBW-Firmenzentrale.

E-Auto-Fahrer demonstrieren: Unfaire Preise an E-Ladestationen

Bei den E-Auto-Fahrern gibt es Unmut über die aus ihrer Sicht zu hohen Preise. Sie beklagen, dass sich die Preise an E-Tankstellen der EnBW je nach Bezahlart zu sehr unterscheiden würden. Michael Schmitt, der Organisator der Demonstration, führt an, die Ladetarife seien undurchsichtig. Außerdem seien die Preise nicht angemessen, nicht eindeutig vergleichbar und nicht transparent. Je nachdem, ob man ein Abo hätte, welche App man nutze oder ob man einfach nur mit der EC-Karte laden möchte, würden sich die Preise deutlich unterscheiden. Das sei kein fairer Markt, sondern Wucher.

Die Lade-Situation ist im Moment wie im Wilden Westen.

Auto mit Plakaten hinter der Windschutzscheibe, die vermeintlich undurchsichtige Ladetarif- und Bezahlarten kritisieren.
Auto mit Plakaten hinter der Windschutzscheibe, die vermeintlich undurchsichtige Ladetarif- und Bezahlarten kritisieren.

Der Organisator der Demonstration kritisiert auch, dass selbst mit einem Abonnement, beispielsweise bei Nutzung des S-Tarifs ohne monatliche Abo-Gebühr ein "Zwang zur Registrierung bzw. App-Verwendung" bestünde.

Die Preise an Ladestationen anderer Betreiber variieren laut EnBW von 56 ct/kWh bis max. 89 ct/kWh. Besonders die Unterschiede bei den Preisen beim sogenannten "Ad-hoc-Laden" störe die Demonstranten, so Michael Schmitt. Ad-hoc-Laden – also spontan ohne Vertrag – sei an vielen Säulen bis zu 62 Prozent teurer als mit einer Ladekarte oder App desselben Anbieters.

EnBW und Demonstranten vertreten unterschiedliche Standpunkte

Die EnBW teilte gegenüber dem SWR mit, dass sie ihren Kundinnen und Kunden, wie in anderen Branchen üblich, Vorteile bieten würden. Am Markt stünden zahlreiche Angebote für das Laden von E-Autos von verschiedenen Anbietern zur Verfügung. Man könne das für sich passende Angebot wählen. 

Bei EnBW würden außerdem aktuell weniger als ein Prozent der Ladevorgänge Ad-hoc durchgeführt. Die Preise für das Ad-hoc-Laden würden auf Basis der Leistungen des Ladepunktbetreibers kalkuliert. Dessen Aufgabe sei es, Ladepunkte zu errichten und zu betreiben. Da es sich beim Ad-hoc-Laden um eine einzelne Leistung handle, lägen die Preise in der Regel über denen des vertragsbasierten Ladens.

Der Organisator der Demonstration betont, Elektroautofahrer könnten ohne vorherige akribische Planung keine Langstrecken mehr fahren. Sie würden ihre Fahrten nicht mehr nach der besten Route, sondern nach den Ladestationen des bzw. der Anbieter, bei denen sie ein Abo abgeschlossen haben, planen. Anderenfalls würden massive Preisfallen drohen.

Albstadt-Tailfingen

Autofahrer denken um E-Auto-Boom in Deutschland: Hohe Spritpreise treiben Nachfrage an

So teuer wie nie: Die hohen Benzinpreise beschleunigen den Trend zum Elektroauto. In Deutschland steigt die Nachfrage deutlich, das zeigen auch die aktuellen Zulassungszahlen.

SWR Aktuell Baden-Württemberg SWR BW

Deutschland

Elektromobilität in Baden-Württemberg Gibt es zu viele E-Ladesäulen? EnBW verlangsamt Ausbau

2024 wurde die Ladesäulen-Infrastruktur in Deutschland stark ausgebaut. Die Politik feiert das als Erfolg. Doch noch bleiben viele Ladesäulen in BW ungenutzt.

Karlsruhe

"Für E-Mobilität ist ein verlässliches Ladenetz entscheidend" In Karlsruhe überwacht die neue EnBW Leitstelle Deutschlands Elektroauto-Ladenetz

Damit Elektroautos zuverlässig Strom bekommen, hat die EnBW in Karlsruhe eine neue Leitstelle eröffnet. Von dort aus wird das Schnellladenetz in ganz Deutschland überwacht.

SWR Aktuell Baden-Württemberg SWR BW

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Hannah Radgen
Hannah Radgen

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!