"Schluss mit dem Tarifchaos!" - Das forderten rund 70 Demonstranten am Donnerstagnachmittag vor der EnBW-Firmenzentrale in Karlsruhe. Sie waren mit ihren E-Autos auf dem Karlsruher Messplatz vorgefahren. Am selben Tag fand auch die EnBW-Hauptversammlung statt.
E-Auto-Fahrer demonstrieren: Unfaire Preise an E-Ladestationen
Bei den E-Auto-Fahrern gibt es Unmut über die aus ihrer Sicht zu hohen Preise. Sie beklagen, dass sich die Preise an E-Tankstellen der EnBW je nach Bezahlart zu sehr unterscheiden würden. Michael Schmitt, der Organisator der Demonstration, führt an, die Ladetarife seien undurchsichtig. Außerdem seien die Preise nicht angemessen, nicht eindeutig vergleichbar und nicht transparent. Je nachdem, ob man ein Abo hätte, welche App man nutze oder ob man einfach nur mit der EC-Karte laden möchte, würden sich die Preise deutlich unterscheiden. Das sei kein fairer Markt, sondern Wucher.
Die Lade-Situation ist im Moment wie im Wilden Westen.
Der Organisator der Demonstration kritisiert auch, dass selbst mit einem Abonnement, beispielsweise bei Nutzung des S-Tarifs ohne monatliche Abo-Gebühr ein "Zwang zur Registrierung bzw. App-Verwendung" bestünde.
Die Preise an Ladestationen anderer Betreiber variieren laut EnBW von 56 ct/kWh bis max. 89 ct/kWh. Besonders die Unterschiede bei den Preisen beim sogenannten "Ad-hoc-Laden" störe die Demonstranten, so Michael Schmitt. Ad-hoc-Laden – also spontan ohne Vertrag – sei an vielen Säulen bis zu 62 Prozent teurer als mit einer Ladekarte oder App desselben Anbieters.
EnBW und Demonstranten vertreten unterschiedliche Standpunkte
Die EnBW teilte gegenüber dem SWR mit, dass sie ihren Kundinnen und Kunden, wie in anderen Branchen üblich, Vorteile bieten würden. Am Markt stünden zahlreiche Angebote für das Laden von E-Autos von verschiedenen Anbietern zur Verfügung. Man könne das für sich passende Angebot wählen.
Bei EnBW würden außerdem aktuell weniger als ein Prozent der Ladevorgänge Ad-hoc durchgeführt. Die Preise für das Ad-hoc-Laden würden auf Basis der Leistungen des Ladepunktbetreibers kalkuliert. Dessen Aufgabe sei es, Ladepunkte zu errichten und zu betreiben. Da es sich beim Ad-hoc-Laden um eine einzelne Leistung handle, lägen die Preise in der Regel über denen des vertragsbasierten Ladens.
Der Organisator der Demonstration betont, Elektroautofahrer könnten ohne vorherige akribische Planung keine Langstrecken mehr fahren. Sie würden ihre Fahrten nicht mehr nach der besten Route, sondern nach den Ladestationen des bzw. der Anbieter, bei denen sie ein Abo abgeschlossen haben, planen. Anderenfalls würden massive Preisfallen drohen.