In der Schule wird das gemacht, was die Lehrkraft sagt - oder nicht? An der Ernst-Reuter-Schule in Karlsruhe dürfen alle mitentscheiden. Gelebte Demokratie ist hier keine Ausnahme, sondern Alltag. Dafür konnte die Gemeinschaftsschule jetzt beim Deutschen Schulpreis 2025 in Berlin den Preis für Demokratiebildung abräumen.
Deutscher Schulpreis ist wichtige Auszeichnung für Schule
Der Deutsche Schulpreis gilt seit seiner Einführung 2006 als wichtigste Auszeichnung für gute Schulen in Deutschland. In diesem Jahr hatten sich über hundert Schulen um den Preis bemüht, zwanzig kamen in die engere Auswahl. Juryteams besuchten sie unter anderem vor Ort, bevor schließlich 15 Finalisten nominiert wurden.
Der Auswahlprozess für den Preis ist lang und aufwändig. Aber allein, dass wir nominiert sind, ist eine riesen Wertschätzung.
Bewertet wurden dabei sechs Qualitätsbereiche: Im Zentrum stand die Unterrichtsqualität, daneben zählten unter anderem Leistung, Umgang mit Vielfalt und Verantwortung. Erstmals wurde in diesem Jahr außerdem ein eigener Themenpreis für Demokratiebildung vergeben. Mit diesem wurde auch die Ernst-Reuter-Schule in Karlsruhe ausgezeichnet.
Preis für Demokratiebildung: Das macht die Ernst-Reuter-Schule besonders
Demokratie steht bei der Karlsruher Gemeinschaftsschule an oberster Stelle, weiß Schulleiter Micha Pallesche: "Bei uns werden die Schülerinnen und Schüler an allen Prozessen beteiligt, sie werden gehört und sie haben die Möglichkeit, sich einzubringen." Die Schule verfolge den Gedanken, dass Schülerinnen und Schüler Demokratie aktiv erleben können müssen, innerhalb und auch außerhalb der Schule.
Mich macht es glücklich, wenn ich sehen kann wie Leute Hilfe kriegen. Vor allem, weil manche ältere Leute von ihrer Familie im Stich gelassen werden.
Das funktioniert an der Ernst-Reuter-Schule in vielerlei Hinsicht. Ein wichtiger Punkt sei es, sich in die Gesellschaft einzubringen, erzählt Schulleiter Pallesche. In der siebten Klasse übernehmen die Schülerinnen und Schüler zum ersten Mal sogenannte außerschulische Verantwortungsjobs. Sie helfen eineinhalb Stunden pro Woche in Institutionen wie Kindergarten, Altenheim oder Gnadenhof für Tiere - dabei entscheiden sie selbst, wo.
Eine weitere Möglichkeit ist auch das Engagement im Mitmachladen im Quartier des Wohnblocks nahe der Schule. Schüler Leon Kiefer hilft über den Mitmachladen zum Beispiel beim Tischdecken für das Seniorentreffen, zum Kaffee oder beim Einkaufen.
Demokratie lernen durch Verantwortung
Neben den Verantwortungsjobs gibt es an der Ernst-Reuter-Schule auch noch ein sogenanntes Ideenbüro. Das Konzept dafür kommt aus der Schweiz, aber die Karlsruher haben es übernommen und weiterentwickelt. Über das freiwillige Engagement von Schülerinnen und Schülern im Ideenbüro können sie in verschiedenen Verantwortungsbereichen innerhalb und außerhalb der Schule aktiv werden.
Bei uns gestalten die Schülerinnen und Schüler mit, in der Schule und Quartier und das ist für mich gelebte Demokratie.
Dadurch können die Schülerinnen und Schüler ein Bewusstsein für demokratische Prozesse entwickeln, erzählt Lehrerin Marieke Onnasch. "Ich muss bei den Schülerinnen und Schülern den Keim setzen, dass sie merken, wenn ihnen etwas im Quartier nicht gefällt, dann kann ich was verändern."
Das lernen Schülerinnen und Schüler durch Projektarbeit
Mehrgenerationencafé in den Räumlichkeiten der Schule, Projektfächer, an der Ernst-Reuter-Schule wird einiges für die Demokratiebildung getan. Neben freiwilligen oder in den Unterricht integrierten Möglichkeiten, Verantwortung zu übernehmen gibt es auch den "Rote Salon", eine Veranstaltung, bei der Themen mit externen Gästen diskutiert werden. "Demokratie ist nicht nur Fachwissen", weiß Lehrerin Marieke Onnasch.
Aber auch die Schülerinnen und Schüler selbst wissen, dass ihre Schule einiges außergewöhnlich macht. "Man lernt Leute kennen oder redet mit Leuten, mit denen man sonst vielleicht nicht gesprochen hätte", erzählt Schülerin Lea Walter. Es sei außerdem besonders, dass man auch als Schülerin mitbestimmen könne, wie es an der Schule so läuft und was man an der Schule verändern möchte. Und auch, wenn Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte es auch anderen Schulen gegönnt hätten, sind sie sich einig: Den Preis für Demokratiebildung haben sie sich verdient.