Preis für Demokratiebildung

Deutscher Schulpreis 2025: Karlsruher Schule in Berlin ausgezeichnet

Mitbestimmung statt nur Mitlaufen: Die Ernst-Reuter-Schule Karlsruhe zeigt, wie Demokratie in der Schule gelebt werden kann und wird dafür bundesweit ausgezeichnet.

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Von Autor/in Hannah Radgen

In der Schule wird das gemacht, was die Lehrkraft sagt - oder nicht? An der Ernst-Reuter-Schule in Karlsruhe dürfen alle mitentscheiden. Gelebte Demokratie ist hier keine Ausnahme, sondern Alltag. Dafür konnte die Gemeinschaftsschule jetzt beim Deutschen Schulpreis 2025 in Berlin den Preis für Demokratiebildung abräumen.

Bei der Verleihung des Deutschen Schulpreises hat Frank-Walter Steinmeier ein persönliches Geschenk von der Ernst-Reuter-Schule aus Karlsruhe bekommen.

Deutscher Schulpreis ist wichtige Auszeichnung für Schule

Der Deutsche Schulpreis gilt seit seiner Einführung 2006 als wichtigste Auszeichnung für gute Schulen in Deutschland. In diesem Jahr hatten sich über hundert Schulen um den Preis bemüht, zwanzig kamen in die engere Auswahl. Juryteams besuchten sie unter anderem vor Ort, bevor schließlich 15 Finalisten nominiert wurden.

Der Auswahlprozess für den Preis ist lang und aufwändig. Aber allein, dass wir nominiert sind, ist eine riesen Wertschätzung.

Bewertet wurden dabei sechs Qualitätsbereiche: Im Zentrum stand die Unterrichtsqualität, daneben zählten unter anderem Leistung, Umgang mit Vielfalt und Verantwortung. Erstmals wurde in diesem Jahr außerdem ein eigener Themenpreis für Demokratiebildung vergeben. Mit diesem wurde auch die Ernst-Reuter-Schule in Karlsruhe ausgezeichnet.

Die Ernst-Reuter-Schule Karlsruhe ist sowohl für den Deutschen Schulpreis als auch für den Themenpreis Demokratiebildung nominiert.
Das Konzept "Ideenbüro" kommt eigentlich aus der Schweiz. An der Ernst-Reuter-Schule können sich Schülerinnen und Schüler über das Ideenbüro freiwillig engagieren. Bild in Detailansicht öffnen
Die Ernst-Reuter-Schule Karlsruhe ist sowohl für den Deutschen Schulpreis als auch für den Themenpreis Demokratiebildung nominiert.
Im Ideenbüro engagieren sich an der Schule rund fünfzehn Schülerinnen und Schüler. Bild in Detailansicht öffnen
Die Ernst-Reuter-Schule Karlsruhe ist sowohl für den Deutschen Schulpreis als auch für den Themenpreis Demokratiebildung nominiert.
Ein anderes besonderes Projekt an der Ernst-Reuter-Schule: Das Mehrgenerationen-Café. Einmal in der Woche kommen Senioren in Räumlichkeiten der Schule zu Besuch. Bild in Detailansicht öffnen
Die Ernst-Reuter-Schule Karlsruhe ist sowohl für den Deutschen Schulpreis als auch für den Themenpreis Demokratiebildung nominiert.
Im Mitmachladen im Wohnblock nahe der Schule engagieren sich Schülerinnen und Schüler außerhalb der Schule und helfen Bewohnern zum Beispiel beim Einkaufen. Bild in Detailansicht öffnen
Die Ernst-Reuter-Schule Karlsruhe ist sowohl für den Deutschen Schulpreis als auch für den Themenpreis Demokratiebildung nominiert.
Lehrer Axel Goerke und Schülerin Katharina Lübeck blättern durch die Schülerzeitung. Auch hier ist Demokratiebildung ein wichtiger Bestandteil. Bild in Detailansicht öffnen
Die Ernst-Reuter-Schule Karlsruhe ist sowohl für den Deutschen Schulpreis als auch für den Themenpreis Demokratiebildung nominiert.
Auch die Schülerzeitung der Ernst-Reuter-Schule, das "Ernschtle", wurde schon mehrfach ausgezeichnet. Bild in Detailansicht öffnen

Preis für Demokratiebildung: Das macht die Ernst-Reuter-Schule besonders

Demokratie steht bei der Karlsruher Gemeinschaftsschule an oberster Stelle, weiß Schulleiter Micha Pallesche: "Bei uns werden die Schülerinnen und Schüler an allen Prozessen beteiligt, sie werden gehört und sie haben die Möglichkeit, sich einzubringen." Die Schule verfolge den Gedanken, dass Schülerinnen und Schüler Demokratie aktiv erleben können müssen, innerhalb und auch außerhalb der Schule.

Mich macht es glücklich, wenn ich sehen kann wie Leute Hilfe kriegen. Vor allem, weil manche ältere Leute von ihrer Familie im Stich gelassen werden.

Das funktioniert an der Ernst-Reuter-Schule in vielerlei Hinsicht. Ein wichtiger Punkt sei es, sich in die Gesellschaft einzubringen, erzählt Schulleiter Pallesche. In der siebten Klasse übernehmen die Schülerinnen und Schüler zum ersten Mal sogenannte außerschulische Verantwortungsjobs. Sie helfen eineinhalb Stunden pro Woche in Institutionen wie Kindergarten, Altenheim oder Gnadenhof für Tiere - dabei entscheiden sie selbst, wo.

Die Ernst-Reuter-Schule Karlsruhe ist sowohl für den Deutschen Schulpreis als auch für den Themenpreis Demokratiebildung nominiert.
Fünf Schülerinnen und Schüler der Ernst-Reuter-Schule Karlsruhe.

Eine weitere Möglichkeit ist auch das Engagement im Mitmachladen im Quartier des Wohnblocks nahe der Schule. Schüler Leon Kiefer hilft über den Mitmachladen zum Beispiel beim Tischdecken für das Seniorentreffen, zum Kaffee oder beim Einkaufen.

Demokratie lernen durch Verantwortung

Neben den Verantwortungsjobs gibt es an der Ernst-Reuter-Schule auch noch ein sogenanntes Ideenbüro. Das Konzept dafür kommt aus der Schweiz, aber die Karlsruher haben es übernommen und weiterentwickelt. Über das freiwillige Engagement von Schülerinnen und Schülern im Ideenbüro können sie in verschiedenen Verantwortungsbereichen innerhalb und außerhalb der Schule aktiv werden.

Bei uns gestalten die Schülerinnen und Schüler mit, in der Schule und Quartier und das ist für mich gelebte Demokratie.

Dadurch können die Schülerinnen und Schüler ein Bewusstsein für demokratische Prozesse entwickeln, erzählt Lehrerin Marieke Onnasch. "Ich muss bei den Schülerinnen und Schülern den Keim setzen, dass sie merken, wenn ihnen etwas im Quartier nicht gefällt, dann kann ich was verändern."

Die Ernst-Reuter-Schule Karlsruhe ist sowohl für den Deutschen Schulpreis als auch für den Themenpreis Demokratiebildung nominiert.
Demokratie hat einen wichtigen Stellenwert an der Ernst-Reuter-Schule in Karlsruhe.

Das lernen Schülerinnen und Schüler durch Projektarbeit

Mehrgenerationencafé in den Räumlichkeiten der Schule, Projektfächer, an der Ernst-Reuter-Schule wird einiges für die Demokratiebildung getan. Neben freiwilligen oder in den Unterricht integrierten Möglichkeiten, Verantwortung zu übernehmen gibt es auch den "Rote Salon", eine Veranstaltung, bei der Themen mit externen Gästen diskutiert werden. "Demokratie ist nicht nur Fachwissen", weiß Lehrerin Marieke Onnasch.

Aber auch die Schülerinnen und Schüler selbst wissen, dass ihre Schule einiges außergewöhnlich macht. "Man lernt Leute kennen oder redet mit Leuten, mit denen man sonst vielleicht nicht gesprochen hätte", erzählt Schülerin Lea Walter. Es sei außerdem besonders, dass man auch als Schülerin mitbestimmen könne, wie es an der Schule so läuft und was man an der Schule verändern möchte. Und auch, wenn Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte es auch anderen Schulen gegönnt hätten, sind sie sich einig: Den Preis für Demokratiebildung haben sie sich verdient.

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