Zuletzt war der Pforzheimer Wildpark wegen eines im Schwarzwald umherstreifenden Elches in den Schlagzeilen. Nun macht der Park wieder auf sich aufmerksam - mit der Eröffnung seines neuen Eingangsbereiches.
Eingangsbereich Wildpark Pforzheim - oder doch Dorfplatz?
Drei teils gläserne Gebäude, kreisförmig angeordnet: So lässt sich der neue Eingangsbereich grob beschreiben. Doch für Architekt Holger Lohrmann verbirgt sich dahinter das Konzept einer Siedlung.
Denn die drei Gebäude umschließen einen Platz, auf dem neben Bäumen und Sonnensegeln auch Bänke und andere Sitzmöglichkeiten zum Verweilen einladen sollen - als eine Art Dorfplatz. Lohrmann erklärt: "Das Urdorf als Leitbild war von Anfang an eigentlich die Idee, als Treffpunkt, Kommunikationszone und mit einem Wald quasi als Kulturraum."
Zur Eröffnung am Samstag waren die Bauarbeiten zu etwa 90 Prozent beendet, erklärt Lohrmann weiter. Der Rest werde innerhalb der kommenden vier Wochen fertiggestellt. Dazu gehört etwa eine Küche, in der in einem der drei Gebäude für Verpflegung der Besucherinnen und Besucher des Wildparks gesorgt werden soll.
In den anderen beiden Gebäuden sollen schließlich ein sogenanntes Wildes Klassenzimmer, Toiletten und ein "Lädele" Platz finden, in dem unter anderem Mitbringsel aus dem Wildpark verkauft werden. Das Wilde Klassenzimmer soll dabei sowohl für Schulklassen als auch als Sitzungsraum buchbar sein.
Natürliche Materialien - teils 100 Jahre alt
Laut Architekt Lohrmann war das Ziel des Projektes von Anfang an, natürliche Materialien zu verwenden und auf Regionalität zu setzen. Das passe auch gut zum Leitbild Siedlung und Urdorf, "weil wie auch dort die ganze Materialität aus der direkten Umgebung und aus dem Wald geholt wurde", erklärt Lohrmann. In der Praxis bedeutet das: lokale Handwerker, regionale Materialien.
So kommen die Steine des Dorfplatzes aus dem letzten Steinbruch des Nordschwarzwaldes - die Ziegeln auf den Dächern wurden demnach zu 70 Prozent wiederverwendet. Sie kommen laut Lohrmann von Dächern alter Gebäude aus ganz Baden-Württemberg und sind teils bis zu 100 Jahre alt. Und auch das Holz, das verwendet wurde, kommt aus der direkten Umgebung, erklärt Lohrmann: "Wir haben 70 Baumstämme aus dem Wald rausgesägt, die mehr oder weniger die massiven Außenwände als Blockbau bilden."
Das Bauprojekt bekam für diesen Ansatz bereits international Aufmerksamkeit: Es wurde mit einem Platz auf der Architekturausstellung der Biennale in Venedig geehrt. Dort ist es noch bis zum 23. November ausgestellt.
Finanziert aus Spenden: Baukosten knapp fünf Millionen Euro Neues Besucherzentrum im Wildpark Pforzheim: Förderverein stemmt Millionenprojekt
Weil der Stadt Pforzheim die Mittel fehlen, übernimmt der Förderverein den Bau des Besucherzentrums im Wildpark. Das nachhaltige Projekt erhält inzwischen auch internationale Aufmerksamkeit.
Förderverein Wildpark Pforzheim als Bauherr
Aber nicht nur die Architektur des neuen Eingangsbereichs ist besonders, sondern auch die Finanzierung: Denn weil die Stadtkasse von Pforzheim klamm ist, baute der Förderverein das Besucherzentrum im Wildpark selbst.
Rund fünf Millionen Euro hat der Bau gekostet - gedeckt wurde die Summe vor allem durch Spenden und Erbschaften, die dem Verein vermacht wurden. Da alle im Förderverein ehrenamtlich dabei sind, bedeutete die Arbeit als Bauherr vor allem eins: viele zusätzliche Arbeitsstunden neben einem Vollzeitjob.
So ging es auch Christoph Meissner vom Förderverein. Er erklärt: Oft sei das Projekt in den vergangenen anderthalb Jahren ein Dreiviertelstags-Job on top gewesen. "Da gibt es schon Momente, wo man dann mal wieder um 12 Uhr nachts denkt, wenn man die letzte Mail durchgelesen hat: Ganz schöner Aufwand, ganz schönes Projekt." Aber schlussendlich überwiege der Stolz, so Meissner. "Wir sind ein tolles Team und wir pushen uns gegenseitig, wir unterstützen uns gegenseitig, da ist ein absolutes Miteinander da."
Das gibt mir jetzt noch Gänsehaut, weil es einfach ein Riesenprojekt ist, das so ein kleiner Förderverein gestemmt hat, der gerade mal 20 Jahre existiert, mit ein paar Leuten, voll ehrenamtlich. Das ist überwältigend.
Förderverein Wildpark Pforzheim: Anpacken für die Allgemeinheit
Für Architekt Holger Lohrmann hatte die Zusammenarbeit mit dem ungewöhnlichen Bauherren gleich mehrere Vorteile. Einer davon: kein langwieriger Vergabe-Prozess, wie es bei öffentlichen Bauvorhaben üblich ist. Laut Lohrmann waren die Prozesse mit dem Förderverein "viel schneller".
Außerdem habe es ein großes Vertrauen zwischen beiden Parteien gegeben. "So konnten wir eigentlich auch so einen Entwurf auch wirklich mal in Reinform übertragen und realisieren."
Die Bauherrschaft hat von Anfang an in dieses Konzept vertraut und auch gesagt: Wir wollen das in purer Klarheit durchziehen.
Für Holger Lohrmann hat das Konzept Zukunft, gemeinsam mit Fördervereinen für die Öffentlichkeit zu bauen. Und auch Christoph Meissner vom Förderverein sieht die Allgemeinheit in der Pflicht. Er erklärt: "Kommunen haben das Geld nicht mehr. Da wird es einfach schwierig, solche Projekte umzusetzen." Laut Meissner gilt: "Es ist machbar - man muss einfach nur dahinterstehen und es auch wirklich mit voller Energie umsetzen."
Somit sei das Ehrenamt gefragt, um solche Projekte anzugehen, und damit auch Fördervereine und sonstige Institutionen. Sicher ist: Mit dem neuen Eingangsbereich im Wildpark Pforzheim geht der Förderverein in die Stadtgeschichte Pforzheims ein.