Alternative Kunststoffe aus dem Kreis Karlsruhe

Fahrradhelm der Zukunft: Hier entsteht ein recyclebarer Helm aus Bioplastik

Fahrradhelme sind oft nicht besonders umweltfreundlich. Am Fraunhofer-Institut in Pfinztal bei Karlsruhe entwickeln Wissenschaftler den ersten Helm aus recyclebarem Bioplastik.

Teilen

Stand

Von Autor/in Fabiola Germer

Mit dem Fahrrad zu fahren gilt als umweltfreundlich, doch die dazugehörigen Fahrradhelme sind es oft nicht. Wissenschaftler am Fraunhofer-Institut in Pfinztal (Kreis Karlsruhe) forschen seit Jahren an nachhaltigen Kunststoffen, die auch Fahrradhelme recycelbar machen könnten.

Fahrradhelm ohne Erdöl und mit weniger Emissionen

Projektleiter Janne-Constantin Albrecht steht mit einem frisch hergestellten Probehelm in der Produktionshalle in Pfinztal. Er sieht zufrieden aus. "So ein gutes Ergebnis hatten wir noch nicht", sagt er. Das, was er in den Händen hin und her dreht, ist noch kein fertiger Fahrradhelm. Eigentlich ist es nur die nackte, weiße Helmschale aus dem Biokunststoff, den sie selbst herstellen. Das individuelle Design kommt erst später vom jeweiligen Hersteller. Auch Bänder und Verschluss fehlen noch.

Der Fahrradhelm aus Biokunststoff, an dem am Fraunhofer-Institut geforscht wird, ist noch ohne Design.
Der Fahrradhelm aus Bio-Kunststoff, an dem am Fraunhofer-Institut geforscht wird, ist noch ohne Design.

Der 28-Jährige und sein Team forschen seit Jahren am Fraunhofer-Institut zu nachhaltigen Kunststoffen. Unter anderem sollen damit Fahrradhelme nachhaltiger werden. Aber nicht nur die: Mit dem Bioplastik aus Polymilchsäure könnten auch Auto-, Flugzeugsitze und Kühlboxen hergestellt und so recyclebar gemacht werden. Bei der Herstellung des Kunststoffes verzichten sie auch auf Erdöl und auch der CO2-Fußabdruck sei um 36 Prozent geringer, als bei der Herstellung von herkömmlichen Helmen, sagt der Wissenschaftler.

Gut zu recyceln: Fahrradhelm besteht nur aus einem Material

Damit der Helm am Ende recyclebar wird, sei es wichtig, dass er nur aus einem einzigen Kunststoff besteht. Das sei bei kommerziellen Helmen im Handel nicht der Fall, so Albrecht. Häufig bestehen sie aus bis zu vier Kunststoffen, die nicht einfach so voneinander getrennt werden könnten. "Die meisten Helme landen deswegen auf einer Müllverbrennungsanlage", sagt Janne-Constantin Albrecht.

Projektleiter Janne-Constantin Albrecht im Fraunhofer-Institut in Pfinztal (Kreis Karlsruhe)
Projektleiter Janne-Constantin Albrecht im Fraunhofer-Institut in Pfinztal (Kreis Karlsruhe)

Der Helm aus Bioplastik könne am Ende seiner Lebenszeit einfach geschreddert, eingeschmolzen und aus demselben Material neu produziert werden. "Dadurch, dass er nur aus einem Material besteht, kann man den Helm in den Kreislauf zurückführen", erklärt der Projektleiter.

Ein Eimer voll mit geschredderten Helmen.
Ein Eimer voll mit geschredderten Helmen.

Bei dem Material Polymilchsäure handelt es sich um einen nachwachsenden Rohstoff, sagt Albrecht. Bakterien zersetzen Maisstärke oder Zuckerrohr, woraus man dann die Polymilchsäure herstellen kann. Die Nachfrage danach sei groß. "Das bekommen wir immer wieder in Gesprächen auf Messen oder mit Industrieunternehmen mit, dass die Materialien, die heute benutzt werden, in Zukunft ersetzt werden sollen", erklärt der Projektleiter. Deswegen haben sie sich in die Forschung gekniet. "Nun können wir zeigen, dass nachwachsende Rohstoffe genauso gut sind wie erdölbasierte."

Ein Granulat, aus dem kann ein neuer Fahrradhelm entstehen.
Aus diesem Granulat kann ein neuer Fahrradhelm entstehen.

Material wird auf seine Widerstandsfähigkeit geprüft

In einem Labor am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) wird das Material von Techniker Uwe Podwojewski auf seine Widerstandsfähigkeit und Dämpfung geprüft. Bei dem Test fällt ein Gewicht auf einen viereckigen Block, der aus dem Biokunststoff besteht. Sensoren messen die Einschlagskraft.

Mithilfe der Daten können die Wissenschaftler dann erkennen, wie gut das Material einen Stoß abdämpft und sie auf eine reale Situation im Alltag übertragen. "Wir testen so lange, bis das Material die gewünschten Ergebnisse zeigt und damit dann ähnlich sicher wie das Material eines kommerziellen Helms ist", sagt Uwe Podwojewski.

Ist ein Helm aus Bioplastik teurer?

Sollte der Fahrradhelm aus Bioplastik tatsächlich in Serie produziert werden, könnte er etwas teurer sein als herkömmliche Helme, sagt Janne-Constantin Albrecht. Zwar sei das Herstellungsverfahren das gleiche, aber dadurch, dass das Material aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt wird, könne das den Preis anheben.

Wann der Helm in den Fahrradläden zu kaufen sein wird, kann der 28-Jährige noch nicht abschätzen. "Gerade sind wir dabei alle Helme, die wir hier hergestellt haben, zu prüfen, damit sie allen Sicherheitsansprüchen entsprechen." Dafür soll es Ende Februar Crashtests mit den Helm-Prototypen geben. Derzeit seien sie mit potenziellen Herstellern in Kontakt. "Wir stehen in den Startlöchern und haben alles fertig, damit es in Serie produziert werden kann."