Frühe Förderung für mehr Chancengleichheit

Frühe Inklusion in Baden-Württemberg: Kita in Bühl als Vorbild

In einer integrativen Kita in Bühl lernen Kinder von klein auf Vielfalt kennen. Das stärkt soziale Kompetenzen und kann schulische Leistungen verbessern.

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Von Autor/in Stefan Troendle

Diversität und Inklusion – in den USA schafft Präsident Trump bekanntlich gerade alles ab, was nicht der Norm entspricht. Seiner Norm: Weiß, Hetero, Männlich, ohne Beeinträchtigung. Alles andere fällt hinten runter. Dabei kann eine Gesellschaft sehr davon profitieren, wenn sie alle mitnimmt. Bildung hat auch keine Nachteile, wenn sie inklusiv ist. Das zeigt sich an den Ländern, die so verfahren. Die liegen in den Statistiken eher vorne.

Auch Baden-Württemberg kann sich davon noch eine Scheibe abschneiden. Inklusion bringt vor allem dann am meisten, wenn sie früh beginnt. Das zeigt eine Kita aus Bühl in Baden.

Inklusion aller Kinder in einer Kita in Bühl
Eine Kita in Bühl ist Vorreiter bei der Inklusion von Kindern mit Beeinträchtigung. Das hat positive Auswirkungen auf alle Kinder.

Integrative Kita in Bühl setzt auf gelebte Vielfalt

In der Bühler Kindertagesstätte "Hand in Hand" wird Vielfalt gelebt, jeden Tag. Die Kita ist integrativ - betreut Kinder mit und Kinder ohne Beeinträchtigung - zusammen natürlich. Und alle haben was davon.

Melanie Hartmann von der Lebenshilfe Baden-Baden, Bühl, Achern betont: "Die Kinder, die zu uns kommen, lernen am Modell, und das Lernen am Modell ist aus pädagogischer Sicht ein ganz wichtiger Baustein, weil die Kinder gucken sich natürlich alles ab, Gutes, Schlechtes, und da lernen sie ganz viele soziale Komponenten und jeder lernt voneinander."

Gemeinsam lernen stärkt soziale Kompetenzen

Kinder sind neugierig, haben keine Hemmungen und noch keine Vorurteile - sie verstehen intuitiv und ziemlich schnell, wie die anderen ticken. Auch wenn die nicht sprechen können – oder noch nicht. Zur Gruppe gehören alle dazu - und "with a little help from my friends" funktioniert alles besser – auch das Tanzen.

Das findet auch Janna Kavanozi, die Mutter von Rosa, einem Kind mit Beeinträchtigung: "Wir hatten auch letztens ein ganz tolles Erlebnis, da wollte sie in einen Kreis rein. Und da ist ein Kind gekommen, ja, ich mache das mit der Rosa. Ich denke, wenn die Kinder die Rosa kennen, sie wissen, sie ist etwas anders, gehen sie auch eher auf ein Spiel ein."

Inklusion aller Kinder in einer Kita in Bühl - Bei gemeinsamen Aktivitäten lernen die Kinder einander zu helfen, wenn nicht alle immer alles können.
Bei gemeinsamen Aktivitäten lernen die Kinder einander zu helfen, wenn nicht alle immer alles können.

Positive Effekte der Inklusion für alle Kinder

Sebastian Braun, Vater eines Kita-Kindes, sieht, was die inklusive Kita für einen positiven Effekt auf seine Tochter hat: "Sie lernt einfach sehr viel durch die Eindrücke, wie die nicht beeinträchtigten Kinder eben auch hier agieren, spielen. Und sie kann sich sehr viel abschauen, das heißt, sie hat jetzt schon erste Gangversuche an der Hand. Sie isst hier deutlich besser - das heißt, sie sieht einfach sehr stark, wie machen es andere Kinder."

Gegessen wird gemeinsam. Und auch beim Spielen draußen sind alle mit dabei - ohne Ausnahme. Gabriel Ishak, ein Schülerpraktikant des Lender-Gymnasiums Sasbach, sieht diese Gemeinschaft als etwas Positives: "Ich finde es ganz gut, dass sie das auch von früh auf lernen, damit später halt, damit es quasi wie Normalität für sie ist, für die Kinder."

Inklusion aller Kinder in einer Kita in Bühl
Die Kinder in der Kita machen alles gemeinsam - ob essen oder draußen spielen.

Baden-Württemberg hinkt bei Inklusion hinterher

Nur spielt Inklusion in Baden-Württemberg leider keine besonders große Rolle. Nur etwa mehr als ein Drittel der Kitas nimmt Kinder mit Beeinträchtigungen auf.

Auch bei den Schulen liegt Baden-Württemberg weit hinten im Bundesvergleich. Vergleichsweise mehr Kinder kommen in sonderpädagogische Einrichtungen. Separation statt Inklusion.

Warum frühe Inklusion nachhaltige Wirkung hat

Prof. Kerstin Merz-Atalik lehrt und forscht in Ludwigsburg in Sachen inklusive Schulentwicklung. Sie findet, alle können von und miteinander lernen - wie man mit Konflikten umgeht oder wie man sich solidarisch verhält: "Kinder haben noch eine sehr viel größere Diversitäts-Toleranz. Wenn sie ihre eigenen Enkel oder Kinder betrachten, dann sehen sie, wie selbstverständlich das für die ist, wenn sie auf einen Rollstuhlfahrer zugehen oder auf jemanden mit einer anderen Hautfarbe."

Doch je länger ein Mensch in unsere Gesellschaft sozialisiert werde, umso stärker entwickeln sich Stereotype und Vorurteile. Deshalb müsse Inklusion in der Kindertageseinrichtung beginnen.

Getreu dem alten Sprichwort: "Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr". Internationale Studien zeigen aber, dass frühe Inklusion alle Kinder leistungsstärker macht. Also könnten auch die Kinder in Baden-Württemberg davon profitieren.

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Erstmals publiziert am
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Autor/in
Stefan Troendle
Stefan Troendle, Reporter und Redakteur bei SWR Wissen aktuell und SWR Kultur Impuls.
Onlinefassung
Richard Kraft
Richard Kraft, Reporter für SWR Wissen Aktuell.

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