Sport, Geschichte und ein Preis, der Mut macht

Julius Hirsch Preis: Wie Julia Hirsch das Erbe ihres Urgroßvaters bewahrt

Seit 2005 vergibt der DFB den Julius Hirsch Preis gegen Rassismus. Julia Hirsch ist Urenkelin des in Auschwitz ermordeten Fußballers aus Karlsruhe. Der Preis sei wichtig wie nie.

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Julia Hirsch trägt ein großes und wichtiges Erbe - das ihres Urgroßvaters Julius Hirsch. Der frühere jüdische Fußball-Nationalspieler aus Karlsruhe wurde 1943 deportiert, in Auschwitz ermordet und nach Kriegsende für tot erklärt. Julia Hirsch will die Erinnerung an ihren Urgroßvater am Leben erhalten. Das tut sie unter anderem als Jurymitglied beim Julius Hirsch Preis. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) vergibt diesen Preis seit 20 Jahren und setzt damit ein Zeichen gegen Rassismus, Antisemitismus und Diskriminierung.

In der Jury vertritt die Rechtsanwältin seit Kurzem alleine ihre Familie. Die 31-Jährige steht dort für einen Generationenwechsel und für eine neue Erinnerungskultur. Der diesjährige Preis ist am 27. November in Hamburg an Schülerinnen und Schüler aus Pfinztal bei Karlsruhe verliehen worden.

Pfinztal

Mit Quizfragen statt Elfmeter Julius Hirsch Preis 2025: Schüler aus dem Pfinztal begeistern DFB mit Event-Box

Schüler des Ludwig-Marum-Gymnasiums aus Pfinztal erhalten den Julius Hirsch Preis des Deutschen Fußball-Bundes. Damit zeichnet der DFB Projekte gegen Antisemitismus und Diskriminierung aus.

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Werbung für Toleranz und Vielfalt in der Julius-Hirsch-Halle

Ein Novembermorgen in der Sporthalle des Ludwig-Marum-Gymnasiums in Pfinztal. Julia Hirsch spricht mit Vertretern der Schule über die diesjährigen Preisträger, Schülerinnen und Schüler eines Seminarkurses der 11. Klasse. Die Halle ist nach ihrem Urgroßvater benannt.

An der Wand der Julius-Hirsch-Halle hängt eine Gedenktafel. Das Geld, das die Schule für den Preis bekommt, soll in diese Halle investiert werden. In Schriftzüge für Vielfalt und Toleranz an den Wänden. Und in eine kleine Ausstellung.

Gedenken an den ermordeten Fußball-Nationalspieler in der Julius-Hirsch-Halle in Pfinztal.
Gedenken an den ermordeten Fußball-Nationalspieler in der Julius-Hirsch-Halle in Pfinztal.


Julia Hirsch: Andenken und Rechte des Urgroßvaters vertreten

Vor rund zehn Jahren kam Julia Hirsch zum ersten Mal mit der Arbeit in Berührung, die hinter dem Julius Hirsch Preis steckt. Stück für Stück schlüpfte sie in ihre heutige Rolle. Einige Jahre saß die Rechtsanwältin gemeinsam mit ihrem Onkel Andreas Hirsch in der zehnköpfigen Jury des DFB. Seit zwei Jahren vertritt sie ihre Familie dort alleine.

Es ist einfach eine tolle Möglichkeit, Engagement zu zeigen. Deswegen bin ich sehr gerne dort. Ich bin aber auch dankbar, dass wir den Preis so begleiten dürfen.

Für sie handelt es sich aus mehreren Gründen um eine wichtige Rolle: Zum einen gehe es darum, beim Preis mitentscheiden zu können, und zwar im Sinne von Julius Hirsch und ihrer Familie. Zum anderen stimme das, was hinter dem Preis steht, mit ihren Werten und ihrer Überzeugung überein. Ihr Engagement sei eine runde und wichtige Sache, betont Julia Hirsch.

Julius Hirsch als Spieler des Karlsruher Fußballvereins (KFV) im ehemaligen Stadion an der Telegrafenkaserne.
Julius Hirsch als Spieler des Karlsruher Fußballvereins (KFV) im ehemaligen Stadion an der Telegrafenkaserne. Bild in Detailansicht öffnen
Mannschaftsfoto des Karlsruher FV mit Julius Hirsch (Mitte unten). Hirsch spielte von 1909 bis 1913 für den KFV und wurde dort 1910 deutscher Meister.
Mannschaftsfoto des Karlsruher FV mit Julius Hirsch (Mitte unten). Hirsch spielte von 1909 bis 1913 für den KFV und wurde dort 1910 deutscher Meister. Bild in Detailansicht öffnen
Julius Hirsch (unten rechts) mit der Mannschaft des Karlsruher Fußballvereins.
Julius Hirsch (unten rechts) mit der Mannschaft des Karlsruher Fußballvereins. Bild in Detailansicht öffnen

Wichtiger Preis in einer schwierigen Zeit

Jüdisches Leben in Deutschland sei nie einfach gewesen, sagt Julia Hirsch. Neue Formen der Diskriminierung seien auf dem Vormarsch. Da sei der Julius Hirsch Preis umso wichtiger, weil hier Vereine, Initiativen oder Schüler tagtäglich in ihrer Freizeit und meistens ohne viel Geld Zivilcourage zeigen.

Es sei ein Preis, der sich weiterentwickelt hat, betont sie. Wichtig sei es zum Beispiel, dass nicht nur die Sieger geehrt werden. Auch alle anderen würden wertgeschätzt. "Wir hoffen auf die Motivation, sich nochmal zu bewerben, das machen auch ganz viele."

Es ist gerade in schwierigen Zeiten schön, wenn man in der Jury sitzt, die Bewerbungen liest und denkt: 'Es gibt so viele tolle Menschen!'

Schülerinnen und Schüler vom Ludwig-Marum-Gymnasium in Pfinztal sind mit dem Julius Hirsch Preis ausgezeichnet worden:

Schülerinnen und Schüler vom Ludgwig-Marum-Gymnasium in Pfinztal sind mit dem Julius Hirsch Preis ausgezeichnet worden.

Pfinztaler Siegerprojekt als Beispiel für neue Erinnerungskultur

Das Projekt der Elftklässler aus Pfinztal zeige enorm viel Kreativität und eine ganz andere Herangehensweise, betont Julia Hirsch. Es gebe viele Wege, das "Nie wieder" aufrechtzuerhalten, zum Beispiel die klassischen Fahrten zu Gedenkstätten oder Gespräche mit Zeitzeugen. Die Event-Box des Ludwig-Marum-Gymnasiums besteht aus einfachen Spielen zum Thema Vielfalt und Toleranz im Alltag. Bei einem speziellen Fußballturnier wird das Elfmeterschießen durch Quizfragen ersetzt. Ein Memory-Spiel beschäftigt sich mit dem Nazi-Opfer Julius Hirsch.

Es ist etwas, das ich so noch nie gehört habe. Es ist eine Möglichkeit, junge Zielgruppen auf eine andere Art zu erreichen.

Julia Hirsch im Gespräch mit Axel Weinbrecht, dem Leiter des erfolgreichen Seminarkurses in Pfinztal, und Schulleiterin Elke Engelmann.
Julia Hirsch im Gespräch mit Axel Weinbrecht, dem Leiter des erfolgreichen Seminarkurses in Pfinztal, und Schulleiterin Elke Engelmann.

Das Spielerische und die Interaktion seien das, was das Projekt auszeichnet. Mit dem Konzept würden verschiedene Altersgruppen angesprochen und zum Mitmachen angeregt, für Toleranz und gegen Diskriminierung. Die Spielanleitungen aus der Event-Box können auch andere Schulen übernehmen.

Die Schülerinnen und Schüler aus Pfinztal hätten gezeigt, so Julia Hirsch, wie man neu und kreativ mit dem doch furchtbaren Thema umgehen könne.

Karlsruhe

"Für alle, die sich nicht wegducken" In Karlsruhe verwurzelt - Julius Hirsch Preis des DFB erinnert an die Opfer

Der DFB vergibt den Julius Hirsch Preis an Menschen, die sich gegen Diskriminierung einsetzen. Der Karlsruher Hirsch war Jude und Nationalspieler. Sein Enkel ist Mitglied der Jury.

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Erstmals publiziert am
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Autor/in
Mathias Zurawski
Mathias Zurawski
Susann Bühler
Ein Bild von Susann Bühler

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