Julia Hirsch trägt ein großes und wichtiges Erbe - das ihres Urgroßvaters Julius Hirsch. Der frühere jüdische Fußball-Nationalspieler aus Karlsruhe wurde 1943 deportiert, in Auschwitz ermordet und nach Kriegsende für tot erklärt. Julia Hirsch will die Erinnerung an ihren Urgroßvater am Leben erhalten. Das tut sie unter anderem als Jurymitglied beim Julius Hirsch Preis. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) vergibt diesen Preis seit 20 Jahren und setzt damit ein Zeichen gegen Rassismus, Antisemitismus und Diskriminierung.
In der Jury vertritt die Rechtsanwältin seit Kurzem alleine ihre Familie. Die 31-Jährige steht dort für einen Generationenwechsel und für eine neue Erinnerungskultur. Der diesjährige Preis ist am 27. November in Hamburg an Schülerinnen und Schüler aus Pfinztal bei Karlsruhe verliehen worden.
Mit Quizfragen statt Elfmeter Julius Hirsch Preis 2025: Schüler aus dem Pfinztal begeistern DFB mit Event-Box
Schüler des Ludwig-Marum-Gymnasiums aus Pfinztal erhalten den Julius Hirsch Preis des Deutschen Fußball-Bundes. Damit zeichnet der DFB Projekte gegen Antisemitismus und Diskriminierung aus.
Werbung für Toleranz und Vielfalt in der Julius-Hirsch-Halle
Ein Novembermorgen in der Sporthalle des Ludwig-Marum-Gymnasiums in Pfinztal. Julia Hirsch spricht mit Vertretern der Schule über die diesjährigen Preisträger, Schülerinnen und Schüler eines Seminarkurses der 11. Klasse. Die Halle ist nach ihrem Urgroßvater benannt.
An der Wand der Julius-Hirsch-Halle hängt eine Gedenktafel. Das Geld, das die Schule für den Preis bekommt, soll in diese Halle investiert werden. In Schriftzüge für Vielfalt und Toleranz an den Wänden. Und in eine kleine Ausstellung.
Julia Hirsch: Andenken und Rechte des Urgroßvaters vertreten
Vor rund zehn Jahren kam Julia Hirsch zum ersten Mal mit der Arbeit in Berührung, die hinter dem Julius Hirsch Preis steckt. Stück für Stück schlüpfte sie in ihre heutige Rolle. Einige Jahre saß die Rechtsanwältin gemeinsam mit ihrem Onkel Andreas Hirsch in der zehnköpfigen Jury des DFB. Seit zwei Jahren vertritt sie ihre Familie dort alleine.
Es ist einfach eine tolle Möglichkeit, Engagement zu zeigen. Deswegen bin ich sehr gerne dort. Ich bin aber auch dankbar, dass wir den Preis so begleiten dürfen.
Für sie handelt es sich aus mehreren Gründen um eine wichtige Rolle: Zum einen gehe es darum, beim Preis mitentscheiden zu können, und zwar im Sinne von Julius Hirsch und ihrer Familie. Zum anderen stimme das, was hinter dem Preis steht, mit ihren Werten und ihrer Überzeugung überein. Ihr Engagement sei eine runde und wichtige Sache, betont Julia Hirsch.
Wichtiger Preis in einer schwierigen Zeit
Jüdisches Leben in Deutschland sei nie einfach gewesen, sagt Julia Hirsch. Neue Formen der Diskriminierung seien auf dem Vormarsch. Da sei der Julius Hirsch Preis umso wichtiger, weil hier Vereine, Initiativen oder Schüler tagtäglich in ihrer Freizeit und meistens ohne viel Geld Zivilcourage zeigen.
Es sei ein Preis, der sich weiterentwickelt hat, betont sie. Wichtig sei es zum Beispiel, dass nicht nur die Sieger geehrt werden. Auch alle anderen würden wertgeschätzt. "Wir hoffen auf die Motivation, sich nochmal zu bewerben, das machen auch ganz viele."
Es ist gerade in schwierigen Zeiten schön, wenn man in der Jury sitzt, die Bewerbungen liest und denkt: 'Es gibt so viele tolle Menschen!'
Schülerinnen und Schüler vom Ludwig-Marum-Gymnasium in Pfinztal sind mit dem Julius Hirsch Preis ausgezeichnet worden:
Pfinztaler Siegerprojekt als Beispiel für neue Erinnerungskultur
Das Projekt der Elftklässler aus Pfinztal zeige enorm viel Kreativität und eine ganz andere Herangehensweise, betont Julia Hirsch. Es gebe viele Wege, das "Nie wieder" aufrechtzuerhalten, zum Beispiel die klassischen Fahrten zu Gedenkstätten oder Gespräche mit Zeitzeugen. Die Event-Box des Ludwig-Marum-Gymnasiums besteht aus einfachen Spielen zum Thema Vielfalt und Toleranz im Alltag. Bei einem speziellen Fußballturnier wird das Elfmeterschießen durch Quizfragen ersetzt. Ein Memory-Spiel beschäftigt sich mit dem Nazi-Opfer Julius Hirsch.
Es ist etwas, das ich so noch nie gehört habe. Es ist eine Möglichkeit, junge Zielgruppen auf eine andere Art zu erreichen.
Das Spielerische und die Interaktion seien das, was das Projekt auszeichnet. Mit dem Konzept würden verschiedene Altersgruppen angesprochen und zum Mitmachen angeregt, für Toleranz und gegen Diskriminierung. Die Spielanleitungen aus der Event-Box können auch andere Schulen übernehmen.
Die Schülerinnen und Schüler aus Pfinztal hätten gezeigt, so Julia Hirsch, wie man neu und kreativ mit dem doch furchtbaren Thema umgehen könne.