Lauter Applaus in der voll besetzten Julius-Hirsch-Sporthalle in Pfinztal (Kreis Karlsruhe). Fast alle Schüler des Gymnasiums sind gekommen, als Laura Pollack von der Kulturstiftung des Deutschen Fußball-Bund (DFB) die Auszeichnung verkündet: "Der 1. Platz des Julius Hirsch Preises geht dieses Jahr an das Ludwig-Marum-Gymnasium!"
So sehr freuten sich die Schülerinnen und Schüler:
Schüler in Pfinztal entwickeln "Event-Box"
Mit dem Preis werden acht Schülerinnen und Schüler eines Seminarkurses der Schule ausgezeichnet. Sie bekommen den Preis für eine digitale "Event-Box", die sie in der 11. Klasse entwickelt haben. Und sie können die Ehrung noch gar nicht richtig fassen. "Wir haben so viel Herzblut reingesteckt. Ich bin wirklich stolz", jubelt Joanna Vortkamp.
Ich finde es mega toll. Es ist einfach unglaublich, dass wir so vom DFB gewürdigt werden. Das hätten wir niemals gedacht.
Die Event-Box ist ein digitales Unterrichtsangebot: Darin sind zum Beispiel Unterrichtsideen und Spiele, die die Schüler selbst erfunden haben. "Einfache Spiele, mit denen speziell Vielfalt und Toleranz im Alltag untergebracht werden können. Einfach zu verstehen und schnell umzusetzen", sagt Axel Weinbrecht. Er ist Sportlehrer und hat den Seminarkurs geleitet. Das Konzept hat die Jury des Julius Hirsch Preises überzeugt.
Das Engagement der Schülerinnen und Schüler setzt Impulse und schafft Angebote, die auch andere Schulen inspirieren können.
Sport, Geschichte und ein Preis, der Mut macht Julius Hirsch Preis: Wie Julia Hirsch das Erbe ihres Urgroßvaters bewahrt
Seit 2005 vergibt der DFB den Julius Hirsch Preis gegen Rassismus. Julia Hirsch ist Urenkelin des in Auschwitz ermordeten Fußballers aus Karlsruhe. Der Preis sei wichtig wie nie.
Halle in Schule nach Julius Hirsch benannt
In der Event-Box gibt es auch das Regelwerk für ein Fußball-Turnier. Bei dem erfahren die Spieler erst kurz vor Beginn, mit wem sie eigentlich in einer Mannschaft spielen. Und bei einem Unentschieden gibt es kein Elfmeter-Schießen, sondern Quizfragen - mit Bezug zu Julius Hirsch.
Dass die Sporthalle neben dem Ludwig-Marum-Gymnasium in Pfinztal nach Julius Hirsch benannt ist, ist kein Zufall. "Die Idee kam, weil tagtäglich 100 Schüler durch die Halle gehen, aber keiner weiß, wer Julius Hirsch ist", sagt Sportlehrer Axel Weinbrecht. Das jetzt ausgezeichnete Schülerteam traf sich jeden Dienstagnachmittag und leistete viele Überstunden, bis die Box fertig war.
Julius Hirsch wurde 1943 in KZ in Auschwitz ermordet
Der Julius Hirsch Preis wird seit 2005 jährlich vom DFB verliehen. Geehrt werden Personen oder Initiativen, die sich gegen Diskriminierung, Antisemitismus und Rassismus einsetzen und sich für ein respektvolles Miteinander engagieren. Der Preis ist mit einem Preisgeld von 7.000 Euro dotiert.
Der deutsch-jüdische Fußball-Nationalspieler Julius Hirsch wurde 1943 im Konzentrationslager in Auschwitz ermordet. Er lebte viele Jahre in Karlsruhe, wo er auch seine sportliche Karriere begann und mit dem Karlsruher FV Deutscher Meister wurde. Mit dem Preis erinnert der DFB an ihn.
Frühere Preisträger waren unter anderem der ehemalige SC-Freiburg-Trainer Christian Streich, die Toten Hosen und Die Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo. Der Julius Hirsch Preis 2025 wird am 27. November im Rahmen einer Gala in Hamburg verliehen. Zwei weitere Preise gingen nach Dortmund und München.