Vor mehr als hundert Jahren wurden die Fischadler in Baden-Württemberg ausgerottet. Jetzt konnten sie schon zum dritten Mal erfolgreich brüten. Die beiden Jungvögel heißen Luke und Leia - nach den zentralen Zwillingsgeschwistern aus dem Star Wars Universum. Namensgeber ist der Umweltstaatssekretär Andre Baumann, der bei der Beringung der Jungvögel bei Rastatt dabei war.
Fischadler Luke und Leia: Eine neue Hoffnung?
Der Umweltstaatssekretär habe gar nicht damit gerechnet, Namenspate der beiden Fischadler zu werden. Ihm hätte es nur genügt, bei der Beringung dabei sein zu dürfen. Andre Baumann sei selbst von Hause aus Ornithologe, erzählt er gegenüber dem SWR. Im Studium habe der Umweltstaatssekretär eine Exkursion zu Fischadlern gemacht. Dass er jetzt einen von ihnen auf der Hand halten durfte, sei für ihn etwas ganz Besonders.
Luke und Leia zeigten, wie viel Erneuerungskraft in der Natur stecke, so der Umweltstaatssekretär. Ganz ohne Spezialeffekte hätten die Fischadler ihre Jungen aufgezogen und gegen Feinde verteidigt. Die Rückkehr der Fischadler nach Baden-Württemberg belege, dass Visionen wahrwerden könnten, wenn Fachwissen und Leidenschaft zusammenkommen.
Möge die Macht der Natur weiter mit Luke und Leia sein.
Profi-Kletterer Max Unger hat laut Naturschutzbund (NABU) den Horst in 25 Metern erklommen, um die Jungvögel für die Beringung vorsichtig in einem Sack abzuseilen. Die Vögel fielen dabei in eine Schreckstarre und erhielten ihren ersten Gesundheitscheck, bei dem sie gewogen und vermessen wurden.
Fischadler bei Rastatt: "Eltern haben super Job gemacht"
Das Fazit des NABU-Vogelexperten Daniel Schmidt-Rothmund: "Die beiden – vermutlich ein Weibchen und ein Männchen – haben ein prächtiges Gefieder ausgebildet und die Hitzephase zum Glück gut überstanden." Der Leiter des NABU-Vogelschutzzentrums setzt sich schon seit 1990 im Rahmen eines Langzeit-Forschungs- und Artenschutzprojekts für die Fischadler ein.
Wenn man so lange Zeit damit verbringt, hofft und bangt. Dann klappt es endlich. (...) Das ist eine wunderbare Angelegenheit. Das berührt mich tief im Herzen.
Die Jungvögel würden intensiv und ganz typisch nach Fisch riechen. "Ihre Eltern haben einen super Job gemacht und die Jungen trotz wechselhaftem Wetter gut geschützt", sagt Daniel Schmidt-Rothmund. Die Eltern teilen die Arbeit laut dem Vogelexperten auf. Einer schirme die Jungvögel vor der Hitze und Sonne ab. Der andere kümmere sich um das Futter und bringe regelmäßig frischen Fisch. "Das ist total wichtig, damit sie genügend Flüssigkeit zu sich nehmen", erklärt Daniel Schmidt-Rothmund. "Das können sie nämlich wirklich nur über die Nahrung."
Interessierte Naturfreunde bittet er, die Vögel in Ruhe zu lassen und nicht nach dem Nest zu suchen. Die Tiere seien scheu und könnten noch nicht fliegen. Es dauere noch ein paar Wochen bis sie Flügge werden. "Wenn sie gestört werden würden, kann es passieren, dass sie aus dem Nest abspringen und dann zu Tode stürzen", warnt Daniel Schmidt-Rothmund.
Fischadler galt in BW als Nahrungskonkurrent
Im 19. Jahrhundert war der Fischadler in Baden-Württemberg noch entlang von Donau, Rhein, Neckar sowie an Kocher und Jagst beheimatet. Die Menschen haben den Greifvogel gejagt, weil er als Nahrungskonkurrent galt. 1907 war der Greifvogel im Südwesten ausgerottet.
Luke und Leia gehören seitdem zur dritten erfolgreichen Brut der Greifvögel in BW. Im Jahr 2023 haben Chronos und Kepler als erstes Fischadler-Paar nach über 115 Jahren erfolgreich in Baden-Württemberg gebrütet. Vergangenes Jahr hatte ein Nesträuber, vermutlich ein Marder, vier Eier des Fischadler-Paars bei Rastatt gefressen. Ein zweites Fischadlerpaar lebt am Oberrhein auf der französischen Seite, einige Kilometer von Chronos und Kepler entfernt. Vielleicht, so der Umweltstaatssekretär Andre Baumann, sei das nächste Fischadlerpärchen sogar ein deutsch-französisches.
Das wäre natürlich auch schön, wenn wir im Rahmen unserer guten baden-württembergisch-französischen Partnerschaft auch bei den Fischadlern die grenzüberschreitende Liebe fördern könnten.