Dem Phantom im Karlsruher Aquarium auf der Spur

Borstenwurm in Not: Gräte verschluckt, Hinterleib selbst abgeworfen?

Der Borstenwurm im Karlsruher Meerwasseraquarium gibt den Wissenschaftlern weiter Rätsel auf. Womöglich hat er sich selbst und mit Absicht von seinem Hinterleib getrennt.

Teilen

Stand

Von Autor/in Heiner Kunold

Er hält Wissenschaftler und die Öffentlichkeit gleichermaßen in Atem: der Borstenwurm im Meerwasseraquarium des Karlsruher Naturkundemuseums. Schritt für Schritt kommen die Wissenschaftler dem Phantom näher - mit neuen Erkenntnissen und einer neuen Theorie: Danach könnte der Ringelwurm seinen Hinterleib selbst abgeworfen haben.

Wissenschaftler: Wurm hat sich möglicherweise selbst entleibt

Wurmexperte Markus Böggemann aus Vechta meint, im Falle des Karlsruher Borstenwurms könnte es sich um einen Notfall gehandelt haben. Denn bei genauer Betrachtung des abgeworfenen Hinterteils hat er dort im Darm eine Gräte entdeckt - und zwar unmittelbar nach der Trennstelle. Der Wurm hatte also einen Fisch gefressen.

Bei genauerer Betrachtung stellte sich heraus, dass es sich um den Strahl einer Rückenflosse eines Wolfbarsches gehandelt hat. Die Gräte hatte sich wahrscheinlich quergestellt und drohte den Darm des Wurms aufzuschlitzen. Quasi als letzte Rettung trennte sich der Wurm von seinem Hinterleib und der wurde dann im Aquarium des Naturkundemuseums gefunden. Solche Praktiken seien in der Wurmwelt nicht neu, dienten jedoch zumeist der Fortpflanzung, berichten Wissenschaftler.

Die Bissspuren an der Koralle
Die Bissspuren an der Koralle stammen mit hoher Wahrscheinlichkeit vom vermissten Borstenwurm.

DNA-Spuren des Borstenwurms deuten auf eine unbekannte Art hin

Weiter fand Wurmspezialist Markus Böggemann heraus, dass es sich bei dem Karlsruher Borstenwurm um eine bislang noch unbekannte Art handeln muss. Die untersuchten DNA-Spuren passen jedenfalls zu keinem lebenden, bekannten Tier. Nur so viel: Rein genetisch muss es sich um einen nahen Verwandten des Bobbitwurms handeln.

Und der Fund wirft immer noch mehr Fragen auf, als er beantworten konnte: Wie groß war das Tier ursprünglich? Wie viel vom Körper fehlt? Wovon hat es sich ernährt? Wieso ist es aufgetaucht? Und hat der "Kopf" überlebt? Mit all diesen Fragen beschäftigt sich der Wurmspezialist aus Vechta.

Ein Teil eines meterlangen Borstenwurms wurde Anfang April im Karlsruher Meerwasseraquarium im Naturkundemuseum gefunden.
Ein Teil eines meterlangen Borstenwurms wurde Anfang April im Karlsruher Meerwasseraquarium im Naturkundemuseum gefunden.

Kirchhauser ist dem Wurm seit Jahren auf der Spur

Hannes Kirchhauser vom Vivarium im Karlsruher Naturkundemuseum ist dem unbekannten Tier seit Jahren auf der Spur. Aber nur zwei Mal in zehn Jahren bekam er überhaupt nur einen Schatten des scheuen und nachtaktiven Wesens zu Gesicht. Erst dieses Frühjahr spielte ihm der Zufall in die Hände, als er das etwa 1,5 Meter lange Hinterteil des Wurmes auf dem Beckenboden seines Aquariums fand.

Social-Media-Beitrag auf Instagram von naturkundemuseumkarlsruhe

Unterdessen geht die Jagd nach dem Vorderteil des Ringelwurms weiter: Hannes Kirchhauser würde das Tier gerne fangen. Für Aquarianer wie ihn sind solche Würmer eher Parasiten. Immerhin hat der Wurm seine Korallen angefressen. Eine Wurmfalle, die er in Kroatien am Mittelmeer gefunden hatte, darf er allerdings auch nicht zum Einsatz bringen. Der Direktor des Museums, Martin Husemann, möchte den Wurm vielmehr möglichst am Leben erhalten.

SWR-Wissenschaftsredaktion unterstützt Jagd nach dem Wurm

Dafür bekommt Hannes Kirchhauser Unterstützung von der SWR-Wissenschaftsredaktion. Weil es bisher noch nie gelungen ist, den Wurm abzubilden, hat die Redaktion ein Experiment gestartet. Mit zwei extrem lichtempfindlichen Kameras versucht sie aktuell, den Wurm vor die Linse zu bekommen. Dazu wurden die Kameras in der vergangenen Woche eine ganze Nacht lang auf eine bestimmte Koralle gerichtet, die der Wurm in der Vergangenheit immer wieder angefressen hatte. In der ersten Nacht verlief das Experiment ergebnislos. Diese Woche soll ein weiterer Versuch folgen.

Als Wissenschaftsjournalisten sind wir per se furchtbar neugierig. Und als ich davon gehört habe, dass sich hier diese Geschichte abspielt, war einfach die nächste Frage: Ist schon jemand dabei, über Nacht zu schauen, was hier passiert? Jetzt stehen wir hier und probieren es aus.

Karlsruhe

Parasit im Karlsruher Meerwasseraquarium Der Kopf fehlt - Lebt der Borstenwurm im Naturkundemuseum doch noch?

Jahrelang trieb ein Borstenwurm im Aquarium des Karlsruher Naturkundemuseums sein Unwesen. Jetzt hat man einen Teil von ihm gefunden. Es könnte aber sein, dass der Wurm weiter lebt.

Karlsruhe

Der Verdacht hat sich bestätigt Der Borstenwurm im Karlsruher Naturkundemuseum lebt noch

Wissenschaftler vermuten schon lange: Der Borstenwurm im Karlsruher Meerwasseraquarium lebt und treibt weiter sein Unwesen. Von dem Tier wurden neue, eindeutige Spuren gefunden.

Nachts im Museum: Jagd auf ein borstiges Phantom

Jahrelang war Hannes Kirchhauser einem Phantom auf der Spur. Etwas Dunkles, Unbekanntes hatte sich in seinem großen Meerwasseraquarium im Karlsruher Naturkundemuseum eingenistet.

Landesschau Baden-Württemberg SWR BW