Forschen statt Ferien

KIT Science Camps: Kinder erleben Wissenschaft hautnah

Jugendliche lernen im Science Camp des KIT, wie Wetterballons funktionieren und der Klimawandel erforscht wird. Das Ferienangebot richtet sich an Schüler der Klassen 7 bis 10.

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Von Autor/in Fabiola Germer

Vor den 15 Schülerinnen und Schülern türmt sich ein großer, weißer Ballon auf. Sie befinden sich in einer Halle am Campus Nord des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) in Eggenstein-Leopoldshafen (Kreis Karlsruhe). Während der Ballon sich langsam mit Helium füllt, erklären zwei Wissenschaftler, wie so ein Wetterballon funktioniert.

Bevor der Ballon freigelassen wird, wollen die Wissenschaftler von den Kindern wissen, wie hoch er wohl fliegen wird. 2.000 Meter? 100? Oder doch nur 50? "25 Kilometer hoch. Dann platzt er." Ein kleines Raunen geht durch die Gruppe.

Angebot für Kinder von der 7. bis zur 10. Klasse

Für alle Schülerinnen und Schüler ist es die letzte Sommerferienwoche und für einige ist das Angebot offenbar eine willkommene Abwechslung. Zum Beispiel für Hugo. Er geht demnächst in die 7. Klasse und findet: Hier ist es besser als zu Hause nur rumzusitzen. "Ich fand es spannend und dachte: vielleicht finde ich hier ja auch neue Freunde", sagt Hugo. Sein Vater arbeitet am KIT und hat ihm von dem Camp erzählt.

Hugo packt auch direkt mit an. Er hilft einem der Wissenschaftler den Sensor an den Ballon zu binden. Dieser zeichnet dann die Wetterdaten auf, die die Kinder später gemeinsam auswerten werden. Micha darf den Ballon losfliegen lassen. Beide haben sichtlich Spaß bei ihren Aufgaben.

Science Camp am KIT
Hugo begeistert sich für Wissenschaft und verbringt seine letzte Sommerferienwoche bei den Science Camps des KIT.

Auch Lisa und Hannah sind gespannt, wie so ein Ballon funktionert. "Ich hab sowas noch nie gesehen", sagt Lisa und lächelt. "Ich finds cool und es macht ziemlich viel Spaß hier zu sein", findet auch Hannah. Beide gehen wie Hugo in die 7. Klasse.

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Science Camps werden seit 15 Jahren angeboten

Seit 15 Jahren gibt es die Science Camps am KIT. Sie werden in verschiedenen Fachbereichen angeboten: Von Künstlicher Intelligenz, Informatik oder Softwareentwicklung bis hin zu Klima und Umwelt. Um letzteres geht es in dieser Woche. Sie finden während der Sommerferien statt und sind ein freiwilliges Angebot. Die Schülerinnen und Schüler, die sich hier anmelden, seien häufig Kinder die ein "echtes" Interesse an den jeweiligen Themen hätten, sagt Michael Gauß vom KIT. Er ist einer der Organisatoren.

"Die Jugendlichen wissen auf was sie sich einlassen und sie haben Bock, etwas zu machen", erklärt er. Im Gegensatz zum klassischen Schulunterricht, sei das Lernen in den Science Camps auf freiwilliger Basis. "Die Schüler machen ihr eigenes Projekt und sie entscheiden selbst, was sie die Woche über machen wollen", sagt Michael Gauss. Das fördere das Eigeninteresse und letztlich auch die Selbstwirksamkeit.

Fünf Tage lang geht ein Science Camp. In dieser Zeit tauchen die Schülerinnen und Schüler ganz tief ein. Im diesjährigen Camp für Klima und Umwelt geht es unter anderem darum, wie das Klima sich verändert, wie ein Wetterballon funktioniert oder auch wie Wind und Wolken entstehen. Am Ende der Woche steht eine Präsentation auf dem Plan, in der die Schüler das Gelernte wiedergeben können.

"Das Angebot richtet sich an alle Schülerinnen und Schüler", sagt Michael Gauß. Es gehe auch darum jungen Menschen Berufe aus der Forschung vorzustellen und den ersten Kontakt zu einer Universität herzustellen. Auch Studierende werden eingebunden und betreuen die Kinder in ihren jeweiligen Camps.

Science Camp am KIT
Hannah (links) und Lisa sind beeindruckt vom Wetterballon.

Aktiv rausgehen statt Frontalunterricht

Teil der Science Camps sind auch Mitwirkende des Vereins Schülerakademie e.V. Der Verein ist seit Beginn der Science Camps eng mit dem KIT vernetzt. Die Mitglieder sind Teil der Betreuung der Kinder und bilden die Brücke zwischen den Schulen und dem KIT.

Klaus-Peter Hüsing von Schülerakademie e.V., selbst Pädagoge und Lehrer, ist einer der Betreuer im diesjährigen Klima-Science-Camp und fest davon überzeugt: raus gehen, selber machen, aktiv sein - das ist fruchtbarer als klassischer Schulunterricht. "Anders als in der Schule, wo von den Lehrern der Rahmen vorgegeben wird, dürfen die Kinder hier selbst entscheiden, was sie interessiert und lernen wollen. Und wir beraten dann."

Zwar sei das Angebot offen für alle. Jedoch richte es sich auch an Schülerinnen und Schüler, die Lust haben, sich in ein bestimmtes Thema intensiv einarbeiten zu können, so Klaus-Peter Hüsing. Zum Beispiel eben Klima. "Wir wollen den jungen Leuten, die in der Schule zu kurz kommen, weil sie Spezialinteressen haben, die Möglichkeit geben, das hier zu vertiefen", sagt Hüsing. Wichtig sei auch, das diese Kinder Kontakt zu Gleichgesinnten herstellen könnten und merken "Ich bin kein 'Nerd', ich bin normal", erklärt er weiter.

Finanzierung der Science Camps ist "Herausforderung"

Michael Gauß vom KIT und Klaus-Peter Hüsing von Schülerakademie e.V. sagen, dass vor allem die Finanzierung der Science Camps eine Herausforderung sei. Im 200-jährigen Jubiläumsjahr des KIT haben sich drei Stiftungen finanziell an den Camps beteiligt. Doch darauf könne man sich nicht jedes Jahr verlassen, erklärt Michael Gauss.

Die Teilnehmer müssen eine Anmeldegebühr zwischen 70 und 100 Euro zahlen, das mache aber nur einen Bruchteil der Kosten aus, die gestemmt werden müssten. Jeden Tag bekommen die Kinder Essen, Lernmaterialien und auch die Betreuerinnen und Betreuer sollen entlohnt werden, sagt Michael Gauss. Hinzu komme noch ein Besuch im Europabad oder ähnliches, was finanziert werden müsse.

Science Camp am KIT
Die Kinder schauen sich die Daten eines Wetterballons an.

Für Michael Gauß sind die Science Camps eine gute Chance junge Menschen für Wissenschaft und Forschung zu begeistern. "Wir wollen den Jugendlichen die Möglichkeit geben, sich auszuprobieren und wer weiß, was dann daraus entsteht."

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Fabiola Germer
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