Der Gemeinderat Ettlingen hat am Dienstagabend für die Gründung eines Medizinischen Versorgungszentrums gestimmt. Wie die Stadt mitteilte, bekam das Vorhaben eine Mehrheit. Nach dem Gemeinderat müssen nun auch noch die Kassenärztliche Vereinigung und das Regierungspräsidiums Karlsruhe offiziell zusagen.
Stehen soll das Ärztehaus dort, wo bisher die Notfallpraxis am Stadtbahnhof war, die Ende November geschlossen wird. Dort behandelten Ärztinnen und Ärzte die Menschen in Ettlingen auch zu Randzeiten, wenn normale Praxen schon geschlossen hatten.
Start für Januar 2026 geplant
So ist es auch für das kommunale, medizinische Versorgungszentrum geplant. Das Ärztehaus soll im Januar 2026 an den Start gehen und vor allem abends und an Samstagen Patientinnen und Patienten behandeln - auch, um den normalen Hausarztpraxen keine Konkurrenz zu machen. Die zwei Ärzte Özcan Aydemis und Michael Rosner sind schon fest eingeplant. Arzthelferinnen und Arzthelfer werden von der schließenden Notfallpraxis übernommen.
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Gesundheitsamt und Kassenärztliche Vereinigung halten Gründung für sinnvoll
Um Patientinnen und Patienten müssen sich die Ettlinger Ärzte nach Einschätzung der Kassenärztlichen Vereinigung und des Gesundheitsamtes nicht streiten. Laut Gesundheitsamt ist Ettlingen zwar rein rechnerisch nicht unterversorgt, aber Handlungsbedarf sieht man dort trotzdem. Beispielsweise sind fast 40 Prozent der Hausärztinnen und Hausärzte über 60 Jahre alt und könnten in naher Zukunft altersbedingt ihre Praxen schließen müssen.
Gleichzeitig ist das Durchschnittsalter in Ettlingen eher hoch, so argumentiert das Gesundheitsamt weiter, sodass der Versorgungsbedarf in Zukunft wahrscheinlich wachsen wird.
Die Entwicklungsperspektiven verdeutlichen den Bedarf, in Ettlingen geeignete Strukturen zu schaffen, um die ambulante hausärztliche Versorgung zu stabilisieren.
Erst Minus, dann Plus: Das kostet das kommunale Ärztehaus die Stadt Ettlingen
Die Stadt Ettlingen erwartet, dass das kommunale Ärztehaus in den ersten zwei Jahren Verluste macht. In der Beschlussvorlage des Gemeinderates ist für 2026 ein Defizit von 26.000 Euro und für 2027 ein Defizit von 37.000 Euro eingeplant. Ab 2028 soll sich das kommunale Ärztehaus dann selbst tragen.
Kommunales Versorgungszentrum in Ettlingen ersetzt keinen Hausarzt
Das kommunale, medizinische Versorgungszentrum in Ettlingen soll keinen Hausarzt ersetzen. Einige Unterschiede wird es zu einer regulären Praxis geben. Laut Beschlussvorlage sollen Patientinnen und Patienten dort für kürzere Zeiträume krank geschrieben und Medikamente in kleineren Packungen verschrieben werden. Bevor es das kommunale, medizinische Versorgungszentrum dauerhaft gibt, soll es drei Jahre lang getestet werden.