Ein Laden ohne Kasse, Geld und Preise? Das geht: im Tauschladen in Kronau im Landkreis Karlsruhe. Martina Crist und Sabine Rösler wollen mit dem Laden "Tauschwandel" einen Ort für mehr Nachhaltigkeit und Nachbarschaft schaffen. Gebrauchtes abgeben und gegen andere Secondhandware eintauschen oder einfach nur stöbern und sich unterhalten.
Tauschen statt Kaufen kommt in Kronau gut an
Mit Geld kommt man hier nicht weit. Egal, ob die zu klein gewordene Winterjacke, den kaum benutzten Bräter oder ein Angebot zum Fensterputzen: Hier wird alles gegeneinander eingetauscht. Petra Franke aus dem Nachbarort hat einen noch gut erhaltenen Rucksack mitgebracht. Die Idee, alte, gut erhaltene Dinge in der Nachbarschaft zu tauschen, findet sie toll.
Jeder hat zu Hause Sachen, die man nicht mehr braucht, die aber eigentlich noch gut sind. Und hier sind dann Leute, die das gebrauchen können. Damit kann man Müll vermeiden und die Nachhaltigkeit fördern.
Der "Tauschwandel" hat erst zweimal seit der Eröffnung seine Türen geöffnet. Trotzdem ist einiges los. Bereits mehr als fünfzig Mitglieder hätten sich registriert, erzählt Gründerin Martina Crist.
So funktioniert das Konzept Tauschladen
Mittauschen dürfe wirklich jeder, sagt Martina Crist. Aber eine Mitgliedschaft ist Voraussetzung. Zuerst gibt es die Möglichkeit, die Mitgliedschaft für dreißig Tage kostenlos auszuprobieren, danach kann man sich für verschiedene Modelle entscheiden. Wer sich drei Stunden in der Woche ehrenamtlich einbringen möchte, zahlt weiterhin nichts, wer lieber nur tauscht, zahlt monatlich dreizehn Euro.
Wer etwas zum Tauschen vorbeibringt, darf selbst festlegen, wie viel die Sache wert ist. Aber nicht in Geld, sondern in der Tauschladen-Währung "Fairsharies". Die Fairsharies werden dann dem Nutzerkonto gutgeschrieben. Ein Konto bekommt jedes Mitglied.
Alle Dinge, die zum Tauschen abgegeben werden, bekommen ein Etikett. Darauf steht der Nutzername, eine Artikelnummer, eine kurze Beschreibung und der festgelegte Wert in Fairsharies. Außerdem kann man alle Artikel, solange sie im Laden verfügbar sind, online einsehen.
Shoppen ohne schlechtes Gewissen: Tauschen ist gut für die Umwelt
"Wenn viele Menschen diese Möglichkeit unseres Tauschkonzeptes nutzen, dann können wir jede Menge CO2 und Geld sparen!", erzählt Gründerin Martina Crist. Der Aspekt der Nachhaltigkeit sei ihr am wichtigsten beim Konzept Tauschladen. Indem man ungenutzte Dinge in Umlauf bringe und tausche, helfe man nicht nur den eigenen Haushalt zu entlasten, sondern würde aktiv Ressourcen schonen und das Klima schützen.
Aber auch Dinge, die den Weg in den Tauschladen geschafft haben, finden nicht immer ein neues Zuhause. Tauschgegenstände, die drei Monate im Laden liegen und die nach Ablauf dieser Zeit von ihrem ursprünglichen Besitzer nicht mehr gewollt werden, werden an die AWO Schatzgrube in Bruchsal weitergegeben.
Tauschen statt Kaufen: eine Seltenheit im Dorf
Secondhandkaufhäuser, Repair-Cafés und Tauschläden: In Städten sieht man sie oft. Auf dem Land ist ein Laden wie der Tauschwandel eher noch eine Seltenheit. Die Idee stamme auch aus einer Stadt, nämlich Hamburg, erzählt Martina Crist. Dort habe sie zum ersten Mal so einen Tauschladen gesehen. Ihr eigener Tauschladen in Kronau ist an den Verein Sharetopia, die auch ein nachhaltiges Online-Tausch-Netzwerk betreiben, angebunden.
In Hamburg gibt es das Konzept schon lange und wir haben jetzt versucht, das auch nach Süddeutschland zu bringen.
Das Projekt sei für die beiden Gründerinnen ein Herzensprojekt. "Reich werden wir davon nicht!" Martina Crist und Sabine Rösler betreiben den Tauschladen ehrenamtlich neben ihrer Arbeit. Die Miete finanzieren sie derzeit noch selbst, vielleicht, wenn sich genügend Mitglieder finden, können sie diese aber auch über den Mitgliedsbeitrag finanzieren.
Mehr als nachhaltig?
Jede Menge Mittauschende aus der Region, die sich im Laden tummeln, ehrenamtlich mitarbeiten und damit gemeinsam etwas Gutes für die Umwelt tun - so ungefähr sieht Martina Crists Vision aus. Aber der Tauschladen soll noch mehr sein: Ein Ort, an dem man ins Gespräch kommen kann, sich kennenlernt und eine Gemeinschaft entsteht. So könnte der Tauschladen auch die Nachbarschaft stärken.
Wenn alles eine Weile läuft, meint Martina Crist, soll es nicht beim Tauschen von Gegenständen bleiben. Kuchen backen, Rasen mähen, Fenster putzen: All das und was man sonst so gut kann, könnte man anbieten und gegen "Fairsharies" eintauschen. Und somit auch die Nachbarschaftshilfe verbessern.