Nachhaltigkeit und Nachbarschaft fördern

Ein Laden ohne Preise? So funktioniert der neue Tauschladen in Kronau

Tauschen statt Kaufen heißt es im neuen Laden "Tauschwandel" in Kronau. Nach dem Prinzip der Nachhaltigkeit werden Secondhandwaren und bald auch Dienstleistungen getauscht.

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Von Autor/in Hannah Radgen

Ein Laden ohne Kasse, Geld und Preise? Das geht: im Tauschladen in Kronau im Landkreis Karlsruhe. Martina Crist und Sabine Rösler wollen mit dem Laden "Tauschwandel" einen Ort für mehr Nachhaltigkeit und Nachbarschaft schaffen. Gebrauchtes abgeben und gegen andere Secondhandware eintauschen oder einfach nur stöbern und sich unterhalten.

Die Außenansicht des Secondhand-Ladens "Tauschwandel" in Kronau.
Der neue Tauschladen "Tauschwandel" mitten in Kronau. Bild in Detailansicht öffnen
In einem Regal im Secondhand-Laden "Tauschwandel" in Kronau stehen Brettspiele und ein Retro-Barbie-Auto.
Langsam füllen sich die Regale. Verschiedene Brettspiele und ein Retro-Barbie-Auto wurden schon zum Tauschen vorbeigebracht. Bild in Detailansicht öffnen
Die beiden Gründerinnen des Secondhand-Ladens "Tauschwandel" in Kronau Martina Crist und Sabine Rösler.
Die beiden Gründerinnen Martina Crist und Sabine Rösler überprüfen die Tauschgegenstände, bevor sie den Besitzer wechseln. Bild in Detailansicht öffnen
Zwei Frauen stehen im Secondhand-Laden "Tauschwandel" in Kronau. Eine von ihnen hat einen Stoffbeutel in der Hand.
Eine Frau bringt Kleidung und Haarschmuck zum Eintauschen in den Laden. Dafür bekommt sie Punkte, sogenannte "Fairsharies". Bild in Detailansicht öffnen
Eine Frau und ein Mann stehen im Secondhand-Laden "Tauschwandel" in Kronau und schauen sich Vasen an.
Auch Küchengeräte und Vasen können eingetauscht werden. Bild in Detailansicht öffnen
Drei Frauen wühlen sich durch die Secondhand-Mode im Secondhand-Laden "Tauschwandel" in Kronau.
Ein Highlight: Secondhand-Mode. Hier wird schon nach der passenden Kleidung gestöbert. Bild in Detailansicht öffnen
Ein Schild im Secondhand-Geschäft "Tauschwandel" in Kronau auf dem "Bitte hier nur Kinderspielsachen - Danke" steht. Ganz unten ist ein Herz.
Trotz kleiner Ladenfläche herrscht Ordnung. Bild in Detailansicht öffnen
Im Secondhand-Laden "Tauschwandel" in Kronau stehen Gläser mit Salbeitee.
Ob selbstgebastelter Schmuck oder Tee und Pesto aus eigener Kreation: Alles kann eingetauscht werden. Bild in Detailansicht öffnen
In dem Secondhand-Laden "Tauschwandel" in Kronau steht ein Tresen. Es ist aber keine Kasse.
Keine Kasse und kein Geld. Nur "Fairsharies", die je nachdem, ob man etwas abgibt oder mitnimmt, auf das jeweilige Mitgliederkonto gutgeschrieben oder abgezogen werden. Bild in Detailansicht öffnen

Tauschen statt Kaufen kommt in Kronau gut an

Mit Geld kommt man hier nicht weit. Egal, ob die zu klein gewordene Winterjacke, den kaum benutzten Bräter oder ein Angebot zum Fensterputzen: Hier wird alles gegeneinander eingetauscht. Petra Franke aus dem Nachbarort hat einen noch gut erhaltenen Rucksack mitgebracht. Die Idee, alte, gut erhaltene Dinge in der Nachbarschaft zu tauschen, findet sie toll.

Jeder hat zu Hause Sachen, die man nicht mehr braucht, die aber eigentlich noch gut sind. Und hier sind dann Leute, die das gebrauchen können. Damit kann man Müll vermeiden und die Nachhaltigkeit fördern.

Der "Tauschwandel" hat erst zweimal seit der Eröffnung seine Türen geöffnet. Trotzdem ist einiges los. Bereits mehr als fünfzig Mitglieder hätten sich registriert, erzählt Gründerin Martina Crist.

Ein Herz aus Schiefer auf dem steht: "Getauscht & Glücklich" im Secondhand-Laden "Tauschwandel" in Kronau.

So funktioniert das Konzept Tauschladen

Mittauschen dürfe wirklich jeder, sagt Martina Crist. Aber eine Mitgliedschaft ist Voraussetzung. Zuerst gibt es die Möglichkeit, die Mitgliedschaft für dreißig Tage kostenlos auszuprobieren, danach kann man sich für verschiedene Modelle entscheiden. Wer sich drei Stunden in der Woche ehrenamtlich einbringen möchte, zahlt weiterhin nichts, wer lieber nur tauscht, zahlt monatlich dreizehn Euro.

Wer etwas zum Tauschen vorbeibringt, darf selbst festlegen, wie viel die Sache wert ist. Aber nicht in Geld, sondern in der Tauschladen-Währung "Fairsharies". Die Fairsharies werden dann dem Nutzerkonto gutgeschrieben. Ein Konto bekommt jedes Mitglied.

Alle Dinge, die zum Tauschen abgegeben werden, bekommen ein Etikett. Darauf steht der Nutzername, eine Artikelnummer, eine kurze Beschreibung und der festgelegte Wert in Fairsharies. Außerdem kann man alle Artikel, solange sie im Laden verfügbar sind, online einsehen.

Kundinnen stehen im Seconhand-Laden "Tauschwandel" in Kronau und unterhalten sich vor einer Stange mit Wäsche.

Shoppen ohne schlechtes Gewissen: Tauschen ist gut für die Umwelt

"Wenn viele Menschen diese Möglichkeit unseres Tauschkonzeptes nutzen, dann können wir jede Menge CO2 und Geld sparen!", erzählt Gründerin Martina Crist. Der Aspekt der Nachhaltigkeit sei ihr am wichtigsten beim Konzept Tauschladen. Indem man ungenutzte Dinge in Umlauf bringe und tausche, helfe man nicht nur den eigenen Haushalt zu entlasten, sondern würde aktiv Ressourcen schonen und das Klima schützen.

Aber auch Dinge, die den Weg in den Tauschladen geschafft haben, finden nicht immer ein neues Zuhause. Tauschgegenstände, die drei Monate im Laden liegen und die nach Ablauf dieser Zeit von ihrem ursprünglichen Besitzer nicht mehr gewollt werden, werden an die AWO Schatzgrube in Bruchsal weitergegeben.

Eine Kundin des Secondhand-Ladens "Tauschwandel" in Kronau hat Kinderkleidung zum Tauschen in den Händen.
Zu kleine Kinderkleidung abgeben und direkt größere wieder mitnehmen: Das geht im Tauschladen.

Tauschen statt Kaufen: eine Seltenheit im Dorf

Secondhandkaufhäuser, Repair-Cafés und Tauschläden: In Städten sieht man sie oft. Auf dem Land ist ein Laden wie der Tauschwandel eher noch eine Seltenheit. Die Idee stamme auch aus einer Stadt, nämlich Hamburg, erzählt Martina Crist. Dort habe sie zum ersten Mal so einen Tauschladen gesehen. Ihr eigener Tauschladen in Kronau ist an den Verein Sharetopia, die auch ein nachhaltiges Online-Tausch-Netzwerk betreiben, angebunden.

In Hamburg gibt es das Konzept schon lange und wir haben jetzt versucht, das auch nach Süddeutschland zu bringen.

Das Projekt sei für die beiden Gründerinnen ein Herzensprojekt. "Reich werden wir davon nicht!" Martina Crist und Sabine Rösler betreiben den Tauschladen ehrenamtlich neben ihrer Arbeit. Die Miete finanzieren sie derzeit noch selbst, vielleicht, wenn sich genügend Mitglieder finden, können sie diese aber auch über den Mitgliedsbeitrag finanzieren.

Martina Crist und Sabine Rösler in ihrem Tauschladen in Kronau.
Die Gründerinnen: Sabine Rösler und Martina Crist.

Mehr als nachhaltig?

Jede Menge Mittauschende aus der Region, die sich im Laden tummeln, ehrenamtlich mitarbeiten und damit gemeinsam etwas Gutes für die Umwelt tun - so ungefähr sieht Martina Crists Vision aus. Aber der Tauschladen soll noch mehr sein: Ein Ort, an dem man ins Gespräch kommen kann, sich kennenlernt und eine Gemeinschaft entsteht. So könnte der Tauschladen auch die Nachbarschaft stärken.

Wenn alles eine Weile läuft, meint Martina Crist, soll es nicht beim Tauschen von Gegenständen bleiben. Kuchen backen, Rasen mähen, Fenster putzen: All das und was man sonst so gut kann, könnte man anbieten und gegen "Fairsharies" eintauschen. Und somit auch die Nachbarschaftshilfe verbessern.

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