Gemeinsam statt einsam

Kurze Auszeit von der Demenz: Eine besondere Führung mit Angehörigen in Karlsruhe

Im Naturkundemuseum in Karlsruhe können Menschen mit Demenz und ihre Familien an besonderen Führungen teilnehmen. Sie sollen gemeinsame Momente schaffen und zum Erinnern anregen.

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Stand

Von Autor/in Patrisha Walters

Die Gruppe, die an diesem Vormittag das Karlsruher Naturkundemuseum betritt, sieht auf den ersten Blick aus wie jede andere Besuchergruppe auch. Es sind acht ältere Menschen, einige von ihnen sitzen im Rollstuhl, andere gehen am Rollator oder am Arm. Sie alle sind Demenzpatienten aus dem Seniorenzentrum Stutensee. Für jeden Patienten ist ein Betreuer oder eine Betreuerin mitgekommen.

Kulturelle Teilhabe für Menschen mit Demenz

Die Idee, Führungen im Naturkundemuseum für Demenzpatienten und ihre Familien oder Betreuer anzubieten, hatten die Demenzberaterin Birgit Großhans und die Gerontologin - also Altersforscherin - Anna Ziegler vom Netzwerk Demenz in Karlsruhe. Ihr Ziel: Demenzpatienten kulturelle Teilhabe ermöglichen und Menschen zusammenbringen.

Pflege ich meine Mutter, traue ich mich im Zweifel nicht mit ihr ins Museum zu gehen. Weil sie in irgendeiner Form auffallen könnte. Wir versuchen das zu durchbrechen.

Zwei Bewohnerinnen des Seniorenzentrums Stutensee beobachten die Fische im Naturkundemuseum in Karlsruhe.
Zwei Bewohnerinnen des Seniorenzentrums Stutensee beobachten die Fische im Naturkundemuseum in Karlsruhe. Bild in Detailansicht öffnen
Fische und ein Hai schwimmen im Aquarium im Naturkundemuseum in Karlsruhe.
Die bunten Fische und der Hai faszinieren die Bewohner des Seniorenzentrums Stutensee besonders. Bild in Detailansicht öffnen
Eine Demenzpatientin guckt sich ein Terrarium im Naturkundemuseum Karlsruhe an.
Demenzpatientin Gudrun sucht eine Vogelspinne in einem Terrarium des Karlsruher Naturkundemuseums. Bild in Detailansicht öffnen
Eine Betreuerin zeigt einer Demenzpatientin die Fische im Naturkundemuseum Karlsruhe.
Manchmal verstecken sich die Fische im Naturkundemuseum Karlsruhe sehr gut. Bild in Detailansicht öffnen
Demenzpatienten und Betreuer klatschen am Ende der Führung im Naturkundemuseum Karlsruhe.
Die Demenzpatienten nehmen viele Eindrücke und Gefühle mit aus dem Naturkundemuseum in Karlsruhe. Bild in Detailansicht öffnen

Besuch bietet Menschen mit Demenz eine kurze Auszeit

Besonders die Aquarien faszinieren die Gruppe. Manche der Besucher halten Ausschau nach den bunten Fischen und freuen sich, wenn einer etwas Futter ergattern kann oder machen bei Ratespielen mit.

Andere Besucher sitzen still in ihrem Rollstuhl und beobachten die Tiere minutenlang schweigend. Für Annett Houna, die Pflegedienstleiterin des Seniorenzentrums, ein ungewohnter Anblick. Auch Patienten, die sich im Pflegeheim unruhig hin und her bewegen, seien im Naturkundemuseum plötzlich ganz entspannt. "Die Beruhigung der Fische ist für sie einmalig", sagt Annett Houna.

Patienten öffnen sich im Naturkundemuseum in Karlsruhe komplett

Auch Betreuungskraft Ingrid Vásquez sieht die Wesensveränderung der Bewohner sofort. "Sie öffnen sich komplett", erzählt sie. Es sei selten, dass ein Bewohner negativ reagiert. "Entweder gucken sie ganz fasziniert oder sie machen einfach nur mit und fühlen sich in Gesellschaft gut."

Monika begleitet an diesem Tag ihre Mutter Ruth ins Naturkundemuseum. Beide haben sich schon wochenlang auf diesen Ausflug gefreut. Gemeinsam etwas als Familie zu unternehmen, stärkt die Bindung, sagt Monika. Den ganzen Vormittag weichen sich Mutter und Tochter nicht von der Seite.

Gemeinsame Erlebnisse sind gemeinsame Erinnerungen.

Monika und ihre Mutter Ruth gucken sich Fische im Aquarium vom Naturkundemuseum in Karlsruhe an. Es gab eine Führung für Demenzpatienten.
Monika und ihre Mutter Ruth haben sich sehr auf den Besuch im Naturkundemuseum Karlsruhe gefreut.

Auch für Angehörige wichtig - nicht nur für Menschen mit Demenz

Für Organisatorin Anna Ziegler ist genau das das Ziel: Menschen zu zeigen, dass auch mit Demenz noch viel möglich ist. "Man kann hier sein und man darf hier auch sein - egal ob man eine Demenz hat oder nicht." Nicht nur für die Demenzpatienten, sondern auch für die Angehörigen sei so ein Ausflug ins Museum wichtig. "Die gehen hier mit einem positiven Gefühl raus und wenn die auch gestärkt sind, dann haben sie wieder Kraft für die Menschen, die an Demenz erkrankt sind, da zu sein."

Für die Teilnehmer sind die Führungen kostenlos. Das Netzwerk Demenz Karlsruhe stellt das Budget für die Ausflüge. Interessierte werden von den Veranstaltern gebeten, sich über das Seniorenbüro der Stadt Karlsruhe anzumelden. Anna Ziegler und Birgit Großhans haben dieses Jahr insgesamt fünf Führungen im Naturkundemuseum und zwei Seminare für Betreuer und Familien geplant.

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Erstmals publiziert am
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Autor/in
Patrisha Walters
SWR-Reporterin steht in einem Großraumbüro

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